Schottland-Reise 14.06.2022 - 16.08.2022
 

Bereits sind wieder eineinhalb Monat vergangen, seit wir von der Iberischen Halbinsel zurückgekehrt sind. Die vergangenen Wochen haben wir damit verbracht den Garten in Ordnung zu bringen und Verwandte und Freunde zu besuchen. Jetzt ist es aber wieder höchste Zeit für eine neue Reise. Als nächstes Ziel haben wir uns Schottland ausgesucht. 

Wir buchen die Fähre ab Dieppe nach Newhaven. Von dort wollen wir über Wales, welches wir schon auf einer früheren Reise kennengelernt haben, nach Schottland. Wir besitzen bereits verschiedene Reiseführer und so ist die grobe Routenplanung bald abgeschlossen.

Endlich ist unser Brummsli beladen, Kinder und Verwandte verabschiedet und die Checkliste vollständig abgehakt. Es kann los gehen.


 

Dienstag, 14.06.2022
von Othmarsingen über Belfort und Langres zum Lac d’Auzon-Temple, 387 Km
Wetter: sonnig und heiss, > 25°

 

Für die etwa 750 Kilometer nach Dieppe planen wir zwei Tage ein. Das ergibt zwar ordentliche Etappen, die auch ziemlich Zeit in Anspruch nehmen, da wir auf Autobahnfahrten verzichten. Dafür wollen wir es dann in Grossbritannien und insbesondere in Schottland gemütlich nehmen.

Kurz nach 9 Uhr fahren wir los. Über die Staffelegg geht es nach Allschwil und von dort über die Grenze ins Elsass. Hier machen wir einen kurzen Tankstopp in der Hoffnung, dass die Dieselpreise in Frankreich günstiger sind als in der Schweiz. Wie wir aber schnell feststellen ist das nicht der Fall, der Liter kostet auch hier zum Teil deutlich über zwei Euro.

Den ersten Halt haben wir in Belfort geplant. Auf einem Wohnmobilstellplatz am Rand der Altstadt finden wir eine Parkmöglichkeit.

Von hier steigen wir hinauf zur Zitadelle. Bereits 1226 wird sie als mittelalterliche Burg erwähnt und im 17. Jahrhundert vom Baumeister Seigneur de Vauban an die neuesten artillerietechnischen Entwicklungen angepasst. Bis zum deutsch-französischen Krieg galt sie als uneinnehmbar. Von der Aussichtsterrasse geniessen wir den Blick auf die Altstadt. Der Zugang zum «Löwen von Belfort», einer 11 Meter hohen und 22 Meter langen Löwenstatue aus rotem Sandstein, ist über Mittag leider geschlossen. Wir spazieren deshalb durch die Fussgängerzone zurück zum Parkplatz.

Nach einer kleinen Stärkung geht es weiter bis nach Langres. Die mittelalterliche Stadt mit einer vollständig erhaltenen Ringmauer liegt auf einem Hügel hoch über der Ebene. Wir spazieren ein Stück auf der Stadtmauer und durch die Gassen der historischen Stadt.

Bei Colombey-les-Deux-Eglises ist schon von Weitem das riesige Kreuz der Gedenkstädte für General Charles de Gaulle zu sehen. Wir machen zwar einen kurzen Stopp, die Anlage wird aber bei unserer Ankunft um 17.30 Uhr geschlossen. Der General ist im kleinen Ort gestorben und liegt dort auch begraben.

Jetzt ist es nicht mehr weit bis zum Lac d’Auzon-Temple. Auf der Ferme du Lac de la Forêt d’Orient werden wir die Nacht verbringen. Auf dem grossen Areal des Bauernhofes können wir uns einen schattigen und ebenen Platz aussuchen. Vor dem Nachtessen machen wir noch einen kurzen Spaziergang an den See, der unmittelbar beim Bauernhof hinter einem hohen Erddamm liegt.

 

Mittwoch, 15.06.2022
vom Lac d’Auzon-Temple nach Dieppe, 358 Km
Wetter: sonnig und heiss, > 25°

 

Heute haben wir keine Sehenswürdigkeiten auf dem Programm. Einziges Ziel ist es, Paris möglichst grossräumig zu umfahren. Zuerst geht es noch durch die wenig besiedelte, ländliche französische Provinz. Je näher wir aber Paris kommen, umso grösser werden die Ortschaften und umso dichter wird der Verkehr. Ein Tankstopp und eine kurze Mittagspause müssen heute bis zu unserem Tagesziel reichen. Für die Nacht haben wir uns einen Parkplatz am Meer, etwas ausserhalb von Dieppe ausgesucht. Dabei führt uns das Navi wieder einmal mitten durch die engen Gassen der Hafenstadt. Der Platz ist dann allerdings voll belegt, so dass wir zum Wohnmobilstellplatz am Fährhafen fahren, wo dann auch genügend Plätze frei sind. Zudem findet das Garmin auch eine Route die um die Altstadt herumführt und uns weniger Nerven kostet.

Über zwei Zieh- bzw. Drehbrücken spazieren wir auf die andere Seite der Hafeneinfahrt. Dort befindet sich die Altstadt und viele Restaurants, die den Hafen säumen. Hier geniessen wir ein Glas Weisswein, bevor wir uns am langen Kiesstrand an die Sonne setzen und durch die Fussgängerzone zum Hafen zurückkehren.

Heute sparen wir uns das Selberkochen und gönnen uns in einem der Restaurants «Moules et Frites» (Miesmuscheln mit Pommes Frites), bevor wir uns dann ab Morgen auf die englische Küche einlassen.

Donnerstag, 16.06.2022
von Dieppe mit der Fähre nach Newhaven, Seven Sisters und Stud Farm in Telscombe, 180 Km
Wetter: sonnig mit Schleierwolken, 20 – 25°

Vergangene Nacht haben wir nicht sehr viel geschlafen. Der Stellplatz liegt zwar günstig nur wenige hundert Meter vom Zentrum von Dieppe und unmittelbar beim Fährhafen, dafür werden wir immer wieder von ein- und ausfahrenden Fischerbooten geweckt. Trotzdem sind wir heute Morgen gegen 9 Uhr bereit und fahren das kurze Stück zum Fährhafen.

In der Warteschlange stehen wir hinter einem uralten und ziemlich lädierten Wohnmobil aus Grossbritannien. Das Fahrzeug rollt in der Kolonne auf der leicht ansteigenden Einfahrt zum Hafen immer wieder rückwärts, so dass wir vorsichtshalber den Abstand vergrössern. Aber es hilft alles nichts, trotz intensivem Hupen unsererseits, rollt der Camper langsam aber unaufhaltsam etwa 3 Meter zurück und wird schliesslich von unserer Stossstange abgebremst. Einen Schaden an unserem Fahrzeug konnten wir zum Glück nicht feststellen. Wie sich herausstellt sind die Fahrerin und der Beifahrer noch viel älter als ihr Camper.

Die Kontrollen für den Zugang zur Fähre sind recht aufwändig. Bei einer ersten Schranke erhalten wir nach dem Vorweisen der Pässe die Boardingkarte. Unmittelbar danach, bei einer zweiten Schranke, wird der Pass durch einen Zöllner erneut kontrolliert. Nach der zweiten Schranke werden wir angehalten und das Fahrzeuginnere, sowie der Stauraum wird untersucht. Vor der Einfahrt in die Fähre werden alle Fahrzeugkolonnen noch mit Spürhunden abgeschritten. Keine Ahnung, ob nach Drogen oder versteckten Migranten gesucht wird.

Endlich werden die Schranken geöffnet und wir verschwinden im Schiffsbauch. Wir suchen uns einen freien Platz auf dem Deck am Heck. Pünktlich um 11 Uhr legt die Fähre ab. Wir haben nochmals einen schönen Blick auf die Hafeneinfahrt, den langen Kiesstrand und die Stadt mit dem Schloss.

Auf der Fahrt über den Ärmelkanal kreuzen wir die viel befahrenen Schiffsrouten von und nach Hamburg oder Rotterdam. Die Containerschiffe, Tanker und Frachtschiffe fahren in Kolonnen ihrem Ziel entgegen.

Nach etwa vier Stunden nähern wir uns der englischen Küste. Die weissen Kreidefelsen der «Seven Sisters» sind schon von Weitem zu sehen und schliesslich fahren wir in den Hafen von Newhaven ein. Das Entladen der Fähre geht zügig und auch die Zollkontrolle ist nur eine kurze Formalität.

Bevor wir nach Telscombe zu unserem Übernachtungsplatz auf der Stud Farm fahren, machen wir noch einen Abstecher nach Osten, zu den weissen Kreideklippen der «Seven Sisters». Das Fahren auf der linken Strassenseite bereitet eigentlich keine Mühe. Allerdings sind die teilweise sehr schmalen englischen Strassen eine echte Herausforderung. Zur weissen Begrenzungslinie am Strassenrand und dem Mittelstreifen bleiben gefühlt nur wenige Zentimeter. Das Kreuzen mit Lastwagen und Bussen ist deshalb immer eine Zitterpartie.

Schliesslich erreichen wir den als Ziel eingegebenen Parkplatz bei den Klippen. Allerdings scheint der Parkautomat unser Kleingeld nicht zu mögen, denn er spuckt es immer wieder aus. Wir unternehmen deshalb den geplanten Spaziergang am Strand und auf den Klippen, ohne die Gebühr zu zahlen. Es sind hier sehr viele asiatische und arabische Touristen unterwegs und am Strand tummeln sich viele Badegäste.

Schliesslich kehren wir zu unserem Brummsli zurück und machen uns auf den Weg zu unserem Übernachtungsplatz, den wir schon von Daheim reserviert haben, da Wildcampen in England verboten ist. Dazu müssen wir zurück nach Newhaven. Allerdings führt uns das Navigationsgerät wieder einmal auf eine falsche Route der Küste entlang weiter nach Westen, um dann in ein Wohnquartier abzuzweigen. Von dort führt gemäss unserer Karte aber keine Strasse, sondern nur Feldwege, zum Ziel. Wir entschliessen uns daher nochmals nach Newhaven zurückzufahren und erreichen schliesslich von Norden her das Dörfchen Telscombe wo sich die Stud Farm befindet. Auf einer riesigen Wiese sind die grosszügigen Stellplätze mit Pfählen markiert. Wir suchen uns einen der freien Plätze mit Sicht auf das Meer aus und setzen uns, nach einer Dusche, erst einmal in den Liegestuhl an die Sonne und lassen dann unseren ersten Abend in England gemütlich ausklingen.

Freitag, 17.06.2022
von Telscombe über Brighton, Arundel Castel und Stonehenge nach Bath, 252 Km
Wetter: anfangs Schleierwolken, dann wolkenlos > 25°

 

In absoluter Ruhe auf dem Lande haben wir geschlafen wie die Murmeltiere.

Heute steht uns mit etwa 250 Kilometern bis nach Bath nochmals eine grössere Etappe bevor. Dort haben wir, vor unserer Abreise in der Schweiz, auf dem Bath Caravan Park für zwei Nächte reserviert. Wir haben gerade noch die letzten Plätze erwischt, bevor der Campingplatz über das Wochenende ausgebucht war.

Von der Stud Farm geht es jetzt wieder nach Newhaven und von dort der Südküste Englands entlang bis nach Brighton. An der Küstenstrasse finden wir, nahe dem Zentrum, problemlos einen Parkplatz. Wir spazieren dem Strand entlang bis zum Pier, der auf Pfählen weit in Meer hinaus ragt. Dort gibt es jede Menge Imbissbuden und Souvenirshops, Spielkasinos und einen Rummelplatz mit Geisterbahn, Achterbahn und anderen Attraktionen.

Nach über einer Stunde Spaziergang fahren wir weiter bis Arundel. Das markante Schloss und die Kathedrale sind schon von weitem sichtbar. Auch hier spazieren wir zum Castel und zur Kathedrale und schlendern durch die hübschen Gassen. Beim Metzger und in einem Delikatessengeschäft kaufen wir noch Brot, Käse, Lammkoteletten und Rumpsteaks fürs Wochenende, bevor wir weiterfahren.

Auf der Schnellstrasse umfahren wir Portsmouth und Southampton. Im dichten Verkehr kommt es vor den Kreiseln wiederholt zu Staus, die uns viel Zeit kosten. Doch schliesslich erreichen wir über Salisbury, das wir schon von unserer früheren Südenglandreise kennen, das Monument von Stonehenge. Auch dieses über 4000 Jahre alte, jungsteinzeitliche Bauwerk haben wir vor ein paar Jahren schon besucht. Wir lassen uns aber auch heute wieder von dem eindrücklichen, weltbekannten Steinkreis beeindrucken. Es ist kaum zu glauben, wie mit der damaligen Technik die riesigen Felsblöcke bearbeitet, transportiert, aufgerichtet und mit Decksteinen verbunden wurden.

Jetzt sind es nur noch etwa 30 Meilen bis zu unserem Tagesziel in Bath. Die letzten Kilometer führt uns das Navi weg von der A36 auf eine schmale Nebenstrasse. In den engen Dörfern sind zudem häufig entweder links oder rechts am Strassenrand Autos parkiert. Wir sind deshalb froh, dass vor uns ein Bus fährt, der uns für die Slalomfahrt die Strasse frei macht.

Gegen 18 Uhr erreichen wir den Campingplatz. Der Empfang ist bereits nicht mehr besetzt, in einem Ablagefach liegen aber die Unterlagen für die später ankommenden Gäste bereit. Wir beziehen unseren Stellplatz und freuen uns auf einen «freien» Tag, in der für seine römischen Bäder bekannten Stadt, obwohl für Morgen ein Wetterwechsel mit Regen vorausgesagt wird.

Samstag, 18.06.2022
Wanderung entlang dem River Avon nach Bath mit Stadtbesichtigung, 12.8 Km
Wetter: stark bewölkt und regnerisch, 15 – 18°

Es ist fast nicht zu glauben, gestern noch wolkenlos und heiss und heute ist es, wie vom Wetterbericht vorausgesagt, stark bewölkt und unter 20° kühl. Immer wieder fällt leichter Regen.

Bevor wir die geplante Stadtwanderung nach Bath in Angriff nehmen, müssen wir unser Brummsli noch umparken, sobald unser neuer Platz Nr.16 frei wird. Beim Buchen des Campingplatzes war keiner der Stellplätze noch für zwei Tage verfügbar, so dass wir zwei verschiedenen Plätze buchen mussten.

Gegen 11 Uhr ist alles erledigt und der Rucksack gepackt. Der Wanderweg entlang dem Fluss Avon startet beim Empfangsgebäude des Campingplatzes. Am Ufer des Gewässers liegen etliche Hausboote vor Anker, die zum Teil dauerhaft bewohnt scheinen. Der Fluss wird durch mehrere Schleusen, die noch mit Muskelkraft geöffnet und geschlossen werden, schiffbar gemacht.

Nach etwa einer Stunde erreichen wir das Zentrum von Bath. Bereits die Kelten haben die heilende Wirkung des 46° heissen Wassers erkannt, welches hier zu Tage tritt. Die Römer errichteten zu Ehren der Quellgöttin Minerva einen Tempel und errichteten ein Badehaus, das bis ins 5. Jahrhundert genutzt wurde. Danach verfielen die römischen Bauten und gerieten in Vergessenheit. Erst 1790 wurden die Thermen wieder entdeckt und ausgegraben.

Über die Pulteney Bridge gelangen wir zur Kathedrale, wo gerade eine Hochzeit stattfindet und sich die Braut, der Brautvater und die Brautjungfern für den Einzug in die Kirche bereithalten. Leider muss der Anlass, nach dem gestrigen Prachtstag, heute bei Regen stattfinden.

Wir haben noch einige alte 1 Pfundmünzen, die von den Parkautomaten nicht mehr akzeptiert werden und nicht mehr gültig sind. Wir versuchen diese in einer Bank gegen die neuen Münzen zu tauschen. Nach Auskunft des Bankmitarbeiters darf er solche Transaktionen aber nur über ein Konto abwickeln. Ob es hier um Geldwäschereivorschriften geht? Keine Ahnung. Es ist nur erstaunlich, dass reiche Russen in London für Millionen Häuser kaufen konnten, ohne Nachweis woher das Geld stammt. Auf jeden Fall profitiert ein Strassenmusikant, dem wir die vier Pfund in den Gitarrenkoffer schmeissen, während wir uns mit einer Fleischpastete (Cornish Pasty) stärken.

Wir folgen der Route aus unserem Reiseführer kreuz und quer durch die belebten Gassen und Einkaufsstrassen. Über «The Circus» und «The Crescent», zwei kreisrunde beziehungsweise halbrunde Gebäudekomplexe aus dem 18. Jahrhundert, die heute von Gutbetuchten bewohnt werden, erreichen wir den Royal Victoria Park. Von hier marschieren wir wieder hinunter zum Avon und entlang dem Fluss zurück zum Campingplatz.

Während es auf unserem Stadtrundgang nur hin und wieder leicht geregnet hat, beginnt es am Abend kräftig zu schütten, so dass wir den Rest des Tages in unserem «Heim auf vier Rädern» verbringen.  

Sonntag, 19.06.2022
ins Wye Valley zur Abtei von Tintern und weiter bis Llanidloes, 195 Km
Wetter: bedeckt und kühl, um 15°, gegen Abend wieder sonnig

 

Nach Mitternacht hat uns ein Alarm angezeigt, dass der Ladezustand unserer Bordbatterie gegen 50% sinkt. Wir haben deshalb in einer Nacht und Nebelaktion das Stromkabel aus dem Stauraum gekramt um unser Brummsli an den Landstrom anzuschliessen, damit die Batterie sicher keinen Schaden nimmt.

Am Morgen ist es zwar trocken, aber immer noch bedeckt und kühl. Bevor wir losfahren, lassen wir noch das Grauwasser ab und füllen den Frischwassertank auf. Das ist zwar ein mühsames Geschäft. Mit dem niedrigen Wasserdruck benötigen wir fast eine halbe Stunde um den halbleeren Wassertank mit 80 Litern wieder aufzufüllen. Zum Glück herrscht an der Versorgungsstation kein grosser Andrang, so spielt Zeit fast keine Rolle.

Dann geht es endlich los. Wir umfahren Bristol, wo wir schon 2017 zwei Tage verbracht haben, auf einer zweispurigen Ringstrasse und überqueren das Mündungsgebiet des Flusses Severn. Wegen dem starken Seitenwind müssen wir gewaltig gegensteuern um Brummsli in der Spur zu halten. Danach folgen wir dem Fluss Wye, der auch die Grenze zwischen England und Wales bildet bis nach Tintern. Hier stehen die Ruinen einer Zisterzienserabtei.-Das Kloster wurde 1131 gegründet und die riesige Kirche 1288 geweiht. Nach der Auflösung der Klöster durch Heinrich VIII. im Jahre 1536 verfielen die Gebäude.

Sobald wir die Grenze nach Wales überquert haben, sind alle Strassenschilder zweisprachig in Englisch und Walisisch angeschrieben. Dabei handelt es sich um eine keltische Sprache wie das Bretonische und Kornische (Cornwall).

Um für unser eigentliches Reiseziel Schottland genügend Zeit zu haben, beschliessen wir etwas Gas zu geben und in den nächsten Tagen längere Etappen zu fahren. Auf ordentlich breiten Strassen fahren wir über die saftig grünen Hügel der Black Mountains, die zum Brecon Beacons Nationalpark gehören, bis nach Llanidloes. Hier übernachten wir auf der Dol Llys Farm, wo auf einem riesigen Gelände, am Ufer des noch schmalen River Severn, Stellplätze zur Verfügung stehen.

Gegen Abend lockert sich die Bewölkung auf und die Sonne, die sich heute nur spärlich gezeigt hat, gewinnt die Oberhand. Für einen richtig warmen Sommerabend reicht es aber trotzdem nicht mehr.

Montag, 20.06.2022
von Llanidloes auf die Breaks Fold Farm bei Blubberhouses, 287 Km
Wetter: schön, teils wolkenlos, um 20°

Heute verlassen wir Wales wieder und schauen, dass wir ein Stück in Richtung Schottland vorankommen. Zuerst auf schönen Landstrassen und später, in der Region der Städte Chester, Liverpool, Manchester und Preston, geht es auf bis zu vierspurigen Autobahnen, trotz starkem Verkehr, zügig voran.

Dann verlassen wir die Autobahn und fahren durch die wunderschöne, englische Landschaft. Diese ist geprägt von grünen Weiden und sanften Hügeln, die von Hecken und Steinmauern durchzogen sind. Kühe und Schafe grasen auf den saftigen Wiesen.

Bei Bolton Abbey möchten wir die Nacht verbringen. Allerdings wird uns an der Reception mitgeteilt, dass sie keine Wohnmobile, sondern nur Campingbusse bis etwa 4 Meter akzeptieren. Die Damen erklären uns zwar noch den Weg zu einem anderen Stellplatz, der zum selben Unternehmen gehört, wir entscheiden uns dann aber für die Breaks Fold Farm aus unserem Reiseführer, die nur wenige Kilometer weiter, an unserer Reiseroute liegt.

Die Farm liegt etwas abseits der Hauptstrasse in den Hügeln. Wir sind die einzigen Gäste dort, obwohl ein grosses Areal zur Verfügung steht. Die Farmersfrau schlägt uns einen Spaziergang am nahen Stausee vor, da es heute sehr heiss sei (um 20°). Der Wanderweg führe durch einen schattigen Wald und sei gleich hinter der Farm zu erreichen. Wir folgen dem Ratschlag und wandern ein Stück dem See entlang.

Solange die Temperaturen noch angenehm sind, setzen wir uns vor dem Wohnmobil an die Sonne und geniessen die Ruhe. Ausser dem Zwitschern der Vögel und dem Blöken der Schafe ist nichts zu hören.

Dienstag, 21.06.2022
von der Breaks Fold Farm zum Ripley Castle, zur Fountains Abbey, nach Richmond bis zum Scaba Wath Camping im Yorkshire Dales National Park, 109 Km
Wetter: sonnig mit Quellwolken, 22°

Als erstes steht heute das Ripley Castle auf dem Programm. Das schlossähnliche Landhaus aus dem 14. Jahrhundert steht im hübschen, gleichnamigen Dorf. Vom Parkplatz spazieren wir zur Kirche, in die wir uns kurz anschauen bevor wir durch den Friedhof mit seinen bis zu 200 Jahre alten, schief stehenden Grabsteinen, das Schloss erreichen. Dieses macht auf uns aber einen eher unspektakulären Eindruck und so verzichten wir darauf das Gebäude von innen zu besichtigen.

Nur wenige Meilen weiter zweigen wir bei Ripon zur Fountains Abbey ab. Die Ruinen des Klosters, dessen Gründung auf das Jahr 1132 zurückgeht, steht auf einem riesigen parkähnlichen Areal, auf dem auch der Studley Royal Water Garden liegt. Diese Gartenanlage mit Teichen, Brücken, Prunkbauten und Statuen stammt aus dem 18. Jahrhundert.

Auch Fontains Abbey wurde im Zuge der Klosterauflösungen durch Heinrich den VIII. zerstört und ist dann verfallen. Die Ruinen wurden in die Gartenanlage der Studley Royal Water Garden integriert.

Wir spazieren über zwei Stunden durch den Park und besichtigen die Klosterruinen mit der erhalten gebliebenen Mühle. Vorbei an den Wassergärten und riesigen, uralten Kastanienbäumen mit knorrigen Stämmen geht es zur St. Mary’s Church und von dort zurück zum Parkplatz.

Nächster Halt ist in Richmond, am River Swale. Das historische Städtchen wird dominiert vom Turm des Schlosses. Erst beim Spaziergang auf dem Castle Walk, der um die Festungsmauern herumführt, ist ersichtlich wie gross die Schlossanlage ist. Wir spazieren noch ein wenig durch die Gassen mit den vielen hübschen Läden und Cafés.

Langsam wird es Zeit, uns nach einem Schlafplatz umzusehen. Im Yorkshire Dales National Park fahren wir bis zum Scabba Wath Campingplatz. Dieser liegt wieder auf einem Bauernhof. Auch hier sind nur wenige Gäste und wir suchen uns auf der grossen Wiese einen Platz direkt am Fluss.

Der Abendspaziergang nach dem Nachtessen, führt entlang dem River Swale, vorbei an den mit Steinmauern begrenzten Feldern. Das Flusstal ist auf beiden Seiten von je einem Hügelzug begrenzt, an deren Hängen Schafe grasen. Unzählige wilde Kaninchen und auch einige Fasane suchen sich ebenfalls ihr Futter. Über einen Steg aus grossen Steinen geht es auf die andere Flussseite und auf einem schmalen Pfad zurück zum Stellplatz.

 

Mittwoch, 22.06.2022
vom Scaba Wath Camping nach Glenridding, 99.4 Km
Wetter: schön mit Quellwolken, 20°

Wir fahren weiter dem Fluss Swale entlang auf einer schmalen Strasse. Das Kreuzen ist kaum möglich, allerdings gibt es immer wieder Ausweichstellen und es hat nur wenig Gegenverkehr. Immer noch geht es vorbei an baumlosen Hügelzügen, mit Steinmauern abgegrenzten Weiden und durch rustikale Dörfer mit grauen Steinhäusern.

Wir zweigen von der B6270 auf die Cliff Gate Road ab, die uns mit bis zu 25% Steigung auf den Buttertubs Pass (526 m) führt. Der Name «Butterfässer» geht auf die Überlieferung zurück, dass die Bauern, auf dem Rückweg vom Markt, ihre unverkaufte Butter in den kühlen Klüften versteckt haben sollen.

Weiter geht es über Kendal dem «Lake District» mit seinen vielen Seen entgegen. Über den Kirkstone Pass erreichen wir unser Tagesziel, den Gillside Caravanpark in Glenridding. Wir melden uns auf der dazugehörenden Farm an und können das Wohnmobil auf einer grossen Wiese abstellen. Die von Trockenmauern begrenzte Einfahrt ist allerdings extrem eng und will mit Vorsicht befahren werden. Markierte Stellplätze gibt es nicht, Zelte und Camper stehen kreuz und quer.

Es ist jetzt kurz nach Mittag. Eigentlich würde heute eine Wanderung entlang dem Ullswater, an dessen Ufer Glenridding liegt, auf dem Programm stehen. Die 18 Kilometer fallen allerdings wegen einem verstauchten Knöchel aus. Wir erkunden den See deshalb auf die bequeme Tour und nehmen das Schiff. Das historische Touristenboot erreicht den kleinen Ort Pooley Bridge, am anderen Ende des langgestreckten Gewässers, in etwa einer Stunde. Wir geniessen die Aussicht auf die grünen Hügel und die bewaldeten Ufer mit vielen Badeplätzen und lassen uns den Fahrtwind um die Nase wehen.

Nach einem Spaziergang durch Pooley Bridge, das vor allem viele Restaurants zu bieten hat, nehmen wir das nächste Schiff und fahren zurück nach Glenridding und verbringen den Abend auf dem Campingplatz.

Donnerstag, 23.06.2022
von Glenridding über Keswick zur Kirche von Ruthwell, 145 Km
Wetter: schön, 23° am Abend Regen

Nur wenige Kilometer von unserem Übernachtungsplatz entfernt machen wir schon wieder den ersten Stopp. Auf dem Programm steht eine Kurzwanderung (ca. 1 Stunde) zu den Wasserfällen Aira Force und High Force. Auf dem Wanderparkplatz sind wir noch fast alleine und folgen dem Wanderweg der durch die kleine Schlucht des Baches Aira Beck führt. Dieser wird beim Aira Froce gleich von zwei steinernen Bogenbrücken überspannt, wobei die untere wegen Bauarbeiten am Wanderweg gesperrt ist. Das Ganze erinnert ein wenig an die Areuse Schlucht in Neuenburger Jura. Durch einen schönen Mischwald mit uralten Eichen, Sträuchern, Farnen und wenigen Nadelhölzern erreichen wir den oberen Wasserfall, wo wir den Bach auf einem Steg wieder überqueren und auf der anderen Bachseite zum Wanderparkplatz zurückkehren.

Weiter geht es bis nach Keswick. Die kleine Stadt liegt am See Derwent Water. Auf dem Parkplatz des Derwent Pencil Museums finden wir einen Parkplatz. In der angrenzenden Fabrik werden, wie wir später erfahren, inktense Stifte hergestellt. Das sind Tintenstifte, die entweder trocken oder mit etwas Wasser angewendet werden können.

Wir konzentrieren uns aber auf den See, der mit seinen baumbestandenen Ufern, als einer der Schönsten des Lake Districts gilt. Durch den Hope Park, gelangen wir zu einer grossen Wiese am See, auf der Leute picknicken und Schafe mit ihren Jungen weiden. Der See liegt wirklich schön gelegen zwischen den grünen Hügeln. Ausflugsboote ziehen ihre Runden zwischen den kleinen Inseln und bringen die Touristen zu verschiedenen Landestellen entlang des Ufers.

Das Zentrum von Keswick ist als Fussgängerzone gestaltet. Es ist Mittag, und die Restaurants und Kaffees sind voll besetzt und in den Ladenpassagen herrscht dichtes Gedränge. So sind wir froh dem Trubel wieder entfliehen zu können und setzen unsere Fahrt fort, machen aber ausserhalt von Keswick noch einen Stopp beim Castlerigg Steinkreis, einem der Grössten Englands. Er besteht aus 38 bis zu 3 Meter hohen und 16 Tonnen schweren, unbehauenen Steinen.

Jetzt geht es, zuerst auf der A66 und dann auf der Autobahn M6 zügig gegen Norden, bis wir bei Carlisle die Grenze zu Schottland überqueren.

In Gretna Green legen wir den nächsten Halt ein. Hier liegt das Heiratsparadies Schottlands. Seit Mitte des 18. Jahrhunderts konnten sich hier Liebespaare ab 16 Jahren, nach schottischem Recht, das Ja-Wort, ohne Einwilligung der Erziehungsberechtigten, geben. Schnell entstand ein regelrechter Heiratstourismus mit ersten Kneipen und Hotels. Seit 1940 sind diese Hochzeiten Minderjähriger illegal. Reguläre Heiraten werden aber nach wie vor durchgeführt.

Über Annan fahren wir unserem Übernachtungsplatz beim Caelaverock Castle entgegen. Allerdings müssen wir kurz vor dem Ziel wenden, denn die Strasse ist wegen eines Radrennens gesperrt. Darum geht es ein paar Kilometer zurück zu einer Sehenswürdigkeit, die wir übersprungen haben.

In der Ruthwell Kirche befindet sich ein über 5 Meter hohes reich verziertes Steinkreuz aus dem 7. Jahrhundert. Dieses wurde, wie zahlreiche Klöster, Mitte des 16. Jahrhunderts Opfer der Bilderstürmerei. Durch die Bemühungen des Gemeindepfarrers Dr. Henry Duncan wurde das Kreuz im 19. Jahrhundert wieder gefunden und restauriert. Seit 1887 ist es in der Dorfkirche in einer extra gebauten Nische zu besichtigen.

Die Kirche ist allerdings verschlossen. Ein Schild weist aber darauf hin, dass der Schlüssel beim benachbarten Pfarrhaus gezogen werden kann. Tatsächlich liegt er in einer blauen Geldkassette, die vor dem Haus angebracht ist. Wir holen uns beim Pfarrer auch gleich noch die Erlaubnis auf dem Kirchenvorplatz übernachten zu dürfen. Die unscheinbare Kirche ist im Inneren recht modern. Nur das historische Kreuz scheint aus einer anderen Zeit. Auf dem Friedhof rund um die Kirche stehen uralte Grabsteine die bis ins 18. Jahrhundert zurückreichen. Auf einigen sind alle Familienmitglieder mit Alter und Todestag eingemeisselt. Dabei wird einem wieder bewusst, wie jung die Menschen damals oft gestorben sind.

Der Dorfpfarrer Henry Duncan hat 1810 auch die weltweit erste Sparkasse gegründet. Ein kleines Museum ist dazu im Dorf Ruthwell, einige hundert Meter von der Kirche entfernt errichtet worden. Diese Sehenswürdigkeit haben wir uns allerdings nicht angeschaut.

Den Abend verbringen wir ganz allein im Schatten der Friedhofsmauer, UUUUhhh.

 

Freitag, 24.06.2022
von Ruthwell nach Dalbeattie, 69.3 Km
Wetter: bewölkt, 18° am Abend etwas Regen

 

Heute nehmen wir einen neuen Anlauf um das Caelaverock Castle zu erreichen. Dieses Mal klappt es auch ohne Probleme. Auf dem Wohnmobilstellplatz unweit des Schlosses finden wir auch einen Platz und können dabei gleich noch das Frischwasser auffüllen.

Von hier aus führt ein knapp 2 Kilometer langer Wanderweg durch den Schlosswald bis zur Burg, die den Engländern als Brückenkopf bei der Eroberung Schottlands gedient hat. Sie liegt am Solway Firth, der grossen Bucht, die bis nach Gretna und Carlisle reicht. Entsprechend sumpfig ist auch das ganze Gelände. Zuerst erreichen wir die Überreste der ersten Festung. Diese musste aber im 13. Jahrhundert aufgegeben werden, weil der moorige Boden das Bauwerk instabil werde liess. Die neue Festung wurde dann etwa 300 Meter landeinwärts errichtet. Sie ist von einem Wassergraben umgeben und weist einen markanten, dreieckigen Grundriss auf. Die teilweise eingestürzte Ruine kann im Moment wegen Restaurierungsarbeiten nicht betreten werden. Wir begnügen uns deshalb damit, den Wassergraben zu umrunden.

In Dumfries gibt es einen grossen Tesco, wo wir erst einmal unsere Vorräte wieder auffüllen. In der kleinen Stadt starb am 21.7.1796 mit nur 37 Jahren Robert Burns, einer der bekanntesten und beliebtesten Poeten Schottlands. Daher gibt es hier auch ein Burns Museum, eine Burns Statue und ein Burns Mausoleum in Form eines weissen griechischen Tempels.

Einige Meilen südlich liegt der kleine Ort New Abbey mit der rot leuchtenden Ruine der Sweatheart Abbey. Die Zisterzienser Abtei wurde 1273 von Lady Devorgilla of Galloway in Erinnerung an ihren bereits verstorbenen Gatten John Balliol gegründet. Damit nicht genug. Sie trug sein einbalsamiertes Herz in einer Elfenbeinschatulle stets bei sich und wurde nach ihrem Tod 1289 zusammen mit dem Herzen im Kloster beerdigt. Daher der Name «Sweatheart Abbey».

Leider ist auch dieses Bauwerk wegen Bauarbeiten geschlossen und kann nur von aussen besichtigt werden. Dafür werden wir im Abbey Cottage mit Cream Tea (Tee, Scones mit clotted Cream und Erdbeerkonfitüre) entschädigt.

Wir fahren heute noch weiter bis kurz vor Dalbeattie. Im nahen Wald, der von vielen Wanderwegen und Mountainbike-Trails durchzogen ist, gibt es beim Wanderparkplatz die Möglichkeit mit dem Camper zu übernachten. Wir sind noch früh dran und so bleibt uns Zeit für einen ausgedehnten Spaziergang durch den schönen Mischwald bis zum kleinen Waldsee «Plantain Loch». Auf dem Rückweg finden wir sogar noch einige Eierschwämme, als Ergänzung zum für heute geplanten Racelette. Bald beginnt es dann auch noch zu regnen, womit auch das Wetter zu unserem Menu passt.

Samstag, 25.06.2022
von Dalbeattie nach Maidens, 147 Km
Wetter: anfangs bewölkt dann schön, starker Wind, 20°

Gestern haben wir beim Zahlen der Parkgebühr (3 £ pro Tag) zuerst nicht realisiert, dass der Betrag nicht für 24 Stunden ab Ankunft gilt, sondern lediglich bis 23.59 Uhr. Für die Übernachtung hätten wir also 6 £ einwerfen müssen, um mit ruhigem Gewissen schlafen zu können. Ehrlich wie wir sind, bin ich heute um halb acht zum Ticketautomaten gegangen und habe nochmals für einen ganzen Tag bezahlt, auch wenn wir die Wahrscheinlichkeit, dass eine Kontrolle durchgeführt wird, als sehr gering einschätzen, zumal nur zwei Wohnmobile hier übernachtet haben. Kurz bevor wir um 9 Uhr abfahren wollen, klopft es an der Tür, und eine nette Angestellte der Forstverwaltung möchte das Parkticket sehen. Da kann man sagen, Ehrlich währt am Längsten. Vermutlich haben wir uns heute 50 £ Strafe gespart.

Wir fahren, vorbei an verschiedenen Lochs (Seen), in die Berge von Galloway. Den ersten Stopp machen wir am Clatteringshaws Loch, wo wir einen kurzen Spaziergang zum «Bruce’s Stone» unternehmen. Dabei handelt es sich auf den ersten Blick um einen gewöhnlichen, grossen Stein, der in der Moorlandschaft steht. Der Überlieferung nach soll sich hier aber der legendäre schottische König Robert the Bruce ausgeruht haben, nach dem er 1307 in der Schlacht von Raploch Moss die Engländer besiegt hatte. Wie dem auch sei, endet hier der Wanderweg und wir kehren zurück zum Parkplatz und setzen unsere Reise fort.

Nächstes Ziel ist Loch Trool bei Glentrool Village. Ab dem Visitor Center ist die Fahrt eigentlich nur für Fahrzeuge bis 3 Tonnen gestattet. Wir fahren deshalb nicht ganz bis zum See hoch, sondern stellen unser Fahrzeug kurz vorher ab und gegen die letzten 1.5 Kilometer zu Fuss. Auch hier gibt es einen «Bruce’s Stone», der mit einer Inschrift an die Schlacht von Bannockburn erinnert, wo die Schotten unter König Robert the Bruce die Engländer am 24.06.1314 erneut schlugen und den Grundstein für die Unabhängigkeit Schottlands legten

Auf schmalen Nebenstrassen geht es jetzt durch die einsamen Hügel unserem Tagesziel Maidens entgegen. Es herrscht kaum Verkehr und so müssen wir die Ausweichbuchten kaum nutzen. Die Landschaft ist geprägt von Nadelwäldern im Talgrund und Heidelandschaft an den Hängen.

In Maidens bekommen wir auf dem Redgates Holiday Park noch einen Stellplatz, da eine Reservation abgesagt wurde. Die Campingplätze sind hier über die Wochenenden und in der Hochsaison oft ausgebucht. Ganz in der Nähe befindet sich nämlich das Culzean Castle, ein beliebtes Ausflugs- und Touristenziel. Es ist noch früher Nachmittag und so wandern wir von Maidens aus zum Schloss, das an toller Lage hoch über den Klippen liegt. Es wurde im 18. und 19. Jahrhundert umgebaut und strahlt Reichtum und Eleganz aus. Es steht inmitten eines riesigen Parks mit Schwanensee und uraltem Baumbestand. Das letzte Stück der 9 Kilometer lange Rundwanderung führt entlang dem Strand von Maidens, wo wir dank dem starken Gegenwind zu einem kostenlosen Peeling kommen.

Sonntag, 26.06.2022
von Maidens über Linlithgrow nach in den «Loch Lomond and the Trossachs National Park», 200 Km
Wetter: bewölkt, häufig Regen, starker Wind, 12 – 16°

Die ganze Nacht hat es geregnet und heftige Windböen haben an unserem Brummsli gerüttelt. Wie es aussieht, wird sich das Wetter heute auch nicht bessern. Wir fahren deshalb auf direktem Weg in Richtung Glasgow, lassen die Stadt aber links liegen. Gemäss Reiseführer hat sich die, mit 800'000 Einwohnern, grösste Stadt Schottlands in den letzten Jahren zum Positiven entwickelt. Es wurde und wird viel gebaut und erneuert.

Wir nutzen die Autobahn und gelangen, wegen fehlerhaften Koordinaten wieder einmal mit Umweg, nach Linithgrow. Hier befindet sich die Ruine des Linithgrow Palace, der angestammten Königsresidenz der Stuarts. Hier wurde am 8. Dezember 1542 Maria Stuart (auch Mary Queen of Scots) geboren. Nur wenige Tage später starb ihr Vater James V. Mary wurde dann, mit nur 9 Monaten zur Königin gekrönt.

Auch diese Burg wird gerade restauriert und ist zur Zeit nicht zugänglich. Vorbei an der St. Michael’s Parish Kirche geht es zurück zum Parkplatz. Wir haben Glück und konnten den kleinen Stadtrundgang bei trockenem Wetter durchführen.

Jetzt geht es weiter, vorbei an Sterling, wo Maria Stuart gekrönt wurde, zum Loch Lomont and the Trossachs National Park. Der Regen hat inzwischen wieder eingesetzt, allerdings hat der Wind nachgelassen. Trotzdem sind wir froh, dass der von uns gewählte Übernachtungsplatz am Achray Forest Drive nicht unter hohen Bäumen liegt.

Montag, 27.06.2022
vom Loch Lomond and The Trossachs National Park über den Loch Lomond zum Loch Etive, 224 Km
Wetter: teils Sonne, teils Regen, bis 16°

Heute starten wir den Tag mit Sonne und wollen auf der Schotterpiste des «Three Lochs Forest Drive» durch den Loch Lomond and The Trossachs National Park fahren. Die Zufahrt zur kostenpflichtigen Strasse wird abends um 16 Uhr geschlossen und erst am Morgen um 9 Uhr wieder geöffnet. Wer also auf einem der ausgewiesenen Stellplatze übernachten will, muss sich online registrieren und vor 16 Uhr in das Gebiet einfahren.

Vorbei an den Seen «Lochan Reoidhte», «Loch Drunkie» und «Loch Achray» fahren wir durch das wilde Waldgebiet. Wir halten immer wieder an für einen Fotostopp oder einen kurzen Spaziergang an einen der Seen.

In diese Gegend war auch die Heimat des Viehdiebs, Rebellen und Volkshelden Robert MacGregor (1671 – 1734, der durch den Film «Rob Roy» mit Liam Neeson bekannt wurde. Übrigens hat auch William Wallace, dem im Jahre 1297 ein grandioser Sieg über die Engländer gelang und der im Film «Braveheart» mit Mel Gibson dargestellt wurde, in der Nähe von Stirling ein Denkmal in Form eines 67 Meter hohen Turmes.

Schliesslich mündet die Piste wieder in die Strasse zum Dukes Pass und wir gelangen zu unserem ersten Tagesziel, Balloch am Loch Lomond. Dabei soll es sich um einen der schönsten Seen Schottlands handeln. Wir sind allerdings eher etwas enttäuscht. Das mag vielleicht auch am Wetter liegen, denn inzwischen regnet es wieder. Einmal als feiner Nieselregen, einmal als heftiger Platzregen. Trotzdem machen wir einen Spaziergang ans Wasser. Gleich hinter dem grossen Besucherparkplatz, auf dem heute auch eine Wohnmobilreisegruppe mit einigen Fahrzeugen aus der Schweiz steht, befindet sich das Sea Life Center und ein grosser Einkaufskomplex mit allen möglichen Geschäften. Am Pier wartet der Raddampfer «Maiden of the Loch» auf die Restaurierung. Spenden können getätigt werden.

Wir rollen weiter dem See entlang bis nach Luss, einem hübschen Touristenort mit blumengeschmückten Häusern und einem kleinen Strand mit Bootsanlegestelle. Auch hier machen wir einen Spaziergang und lassen uns, zum ersten Mal auf dieser Englandreise, zu Fish & Chips verführen. Der Schellfisch (Haddock), in einem dünnen Teig frittiert und die Chips mit einem Hauch von Essig, schmecken ausgezeichnet.

Nächster Halt: Inveraray am Loch Fyne. Wobei es sich beim Loch Fyne nicht um einen See, sondern einen Meeresarm handelt, der weit ins bergige Land hineinreicht. Auch hier gibt es eine Steinbogenbrücke, ein schönes Schloss, weisse Häuser mit allerlei Geschäften und das Inveraray Gefängnis wo man den Strafvollzug des 19. Jahrhunderts authentisch erleben kann.

Wir fahren weiter durch das schottische Hochland mit dem Ben Nevis (1344 m), dem höchsten Berg von ganz Grossbritannien und machen uns langsam auf die Suche nach einem Übernachtungsplatz. Nur kurz halten wir bei der Ruine des Kilchurn Castel, die ganz fotogen auf einer Halbinsel im Loch Awe liegt. Auf teils überfluteten pfaden, mit entsprechend nassen Füssen, spazieren wir zur Ruine, die leider mit einer Bauabschrankung eingezäunt ist, um Besucher daran zu hindern das baufällige Gemäuer zu betreten.

Bei Tyndrum mündet die A85, auf der wir fahren, in die A82, die direkt von Balloch hierherführt. Entsprechend stark ist hier auch der Verkehr. Unsere Hoffnung auf einen ruhigen Schlafplatz schwindet zusehends. Wir biegen deshalb auf eine schmale Seitenstrasse ab, die entlang dem Fluss «Glen Etive» etwa 20 Kilometer zum Loch Etive führt. Der Single Track hat nur Fahrzeugbreite, bietet aber alle 100 Meter mit einer Ausweichbucht die Möglichkeit zum Kreuzen. Am Ende der Strasse, finden wir auf einem kleinen Parkplatz eine Übernachtungsmöglichkeit. Gegen Abend sind die Tagestouristen verschwunden und es bleibt nur ein kleiner Campingbus ein paar junge Frauen mit zwei Zelten, die hier übernachten. Einziger Nachteil sind die Mücken. Die sind so klein, dass wir fürchten müssen, dass sie durch die Maschen der Insektenrollos an den Fenstern schlüpfen, sobald wir das Licht anzünden. Zum Glück ist es in diesen Breiten bis 23 Uhr hell und sonst heisst es «im Dunkeln munkeln».

Dienstag, 28.06.2022
vom Loch Etive über Fort William nach Ardfern, 186 Km
Wetter: Regen, Regen, Regen, um 14°

Also mit den Mücken war das gar nicht so schlimm. Sobald es dunkel wurde, sind die kleinen Biester verschwunden und haben uns in Ruhe gelassen.

Heute Morgen ist schon recht viel los auf dem Parkplatz, obwohl es regnet. Neben uns steht ein schöner blauer Jaguar und daneben ein Brautpaar. Er ebenfalls im blauen Anzug und sie im weissen, zum Glück nur knielangen, Brautkleid. Im Kofferraum wird unter Regenschirmen die Heiratsurkunde unterschrieben und dem Brautpaar übergeben. Ein spezieller Ort und nicht das optimale Wetter für diese Zeremonie.

Im strömenden Regen fahren wir zurück auf die Hauptstrasse nach Fort William. Dort befindet sich, am Beginn des Caledonian Canal, die Schleusenanlage Neptune’s Staircase. Diese überwindet mit 8 Schleusen eine Höhe von über 20 Metern. Heute ist recht viel los, eine ganze Reihe von Segelbooten befinden sich in den Schleusen und steigen von Schleusentor zu Schleusentor langsam in die Höhe. Der Kaledonische Kanal wurde 1803 bis 1822 errichtet und verbindet Fort William im Westen mit Iverness im Osten. Er ist 97 Kilometer lang und überwindet eine Scheitelhöhe von 42 Metern. Nur ein Drittel der Strecke musste künstlich gebaut werden, der Rest besteht aus natürlichen Gewässern, darunter das Loch Ness mit dem berühmten Seeungeheuer.

Das Wetter ist immer noch miserabel. Wir fahren zurück in Richtung Oban. Beim Castle Stalker ist der nächste Fotostopp. Die Ruine steht auf einer Insel im Loch Linnhe und ist ein beliebtes Fotomotiv. Die Burg diente auch als Kulisse in Monty Python’s «Ritter der Kokosnuss». Nach den Fotos machen wir noch eine Pause mit Kaffee und Scones.

Weiter geht es nach Oban. Der geplante Besuch der bekannte Whiskybrennerei fällt leider aus. Der Andrang auf die Führungen ist enorm und wir haben heute festgestellt, dass wir schon vor Tagen hätten buchen müssen. Wir werden aber am Donnerstag mit der Fähre auf die Insel Mull übersetzten, diese haben wir schon vor Tagen zusammen mit dem Campingplatz online gebucht, und werden dort in Tobermory eine Distillery besuchen. Den Termin haben wir heute gebucht.

Für heute geht es vorerst weiter in Richtung der Halbinsel Kintyre, die durch den Song «Mull of Kintyre» von Paul McCartney bekannt wurde. Der Musiker besitzt in der Nähe von Campbelltown auch eine Farm auf der Halbinsel.

Wir fahren bis nach Ardfern, auf einen einfachen Campingplatz, wo wir übernachten und auf besseres Wetter hoffen.  

Mittwoch, 29.06.2022
von Ardfern zurück nach Oban, 163 Km
Wetter: wolkig aber weitgehend trocken, bis 17°

Da es Morgen Donnerstag von Oban aus auf die Insel Mull geht, wollen wir nicht mehr viel weiter nach Süden fahren. Wir verlassen den sympathischen Stellplatz von Ardfern mit den rustikalen Häuschen für Dusche, Toilette und kleiner Küche und geben im Navi mal Achahoish als Zwischenziel ein. Von dort wollen wir eine der Halbinseln umrunden und dann nach Oban zurückkehren.

Vorher machen wir aber einen Halt bei den Ausgrabungsstätten von Nether Largie. Dort sind verschiedene Bronzezeitliche Monumente mit einem Alter von etwa 3500 bis 5000 Jahren. Es handelt sich um Menhire, Steinkreise und Hügelgräber, die bei einem kurzen Spaziergang auf kleinstem Raum zu finden sind.

Schliesslich zweigen wir von der Hauptstrasse A83, die nach Campbeltown im Süden von Kintyre führt, auf die Onetrack Road B8024 ab. Auf der wenig befahrenen Strasse tuckern wir gemütlich, mit gelegentlichem Kreuzen bei den Ausweichbuchten. Nur wenige Häuser sind hier noch zu finden und abzweigende Strassen sind meist nur holprige Fahrwege. Auch unser Navi-Ziel Achahoish besteht aus nur einer Hand voll Häusern.

Die Landschaft ist geprägt von sumpfigen, von Farnen bewachsenen Wiesen und naturbelassenen Mischwäldern. Nach etwa 50 Kilometern ist die Halbinsel umrundet und wir erreichen das Städtchen Tarbert mit dem hübschen Hafen, der zu einem kurzen Spaziergang einlädt.

Jetzt sind es nur noch etwa 30 Meilen bis nach Oban. Dort gibt es beim Einkaufszentrum Tesco einige für Wohnmobile reservierte Plätze, auf denen auch übernachtet werden kann. Nicht sonderlich romantisch, aber nur wenige Hundert Meter vom Fährhafen entfernt, für uns also ganz praktisch.

Wir stellen das Auto ab und erkunden die Stadt. Am Fährterminal holen wir zuallererst die Tickets für die morgige Überfahrt ab, die wir vor ein paar Tagen reserviert haben. Am Hafen bieten verschiedene Imbissbuden frische Muscheln, Austern und Krabben zu sehr günstigen Preisen an. Wir entscheiden uns heute aber für einen Burger in einem der vielen Restaurants. Vorher statten wir aber doch noch der Distillery von Oban einen Besuch ab und schauen uns das Angebot an Whiskys an.

Dann geht es zurück auf den Parkplatz, denn wir müssen noch die WhatsApp reparieren, die uns seit ein paar Tagen Mühe bereitet. Seit gestern funktioniert sie gar nicht mehr. Eine Neuinstallation ist erst möglich, nachdem das alte Google-Account gelöscht und ein neues eröffnet wurde.  

Donnerstag, 30.06.2022
von Oban mit der Fähre auf die Insel Mull, 75 km inklusive Fährfahrt
Wetter: im laufe des Tages immer sonniger, 18 – 20°

Heute können wir es ruhig angehen, da die Fähre auf die Insel Mull, die zur Inselgruppe der Inneren Hebriden gehört, erst am Mittag ausläuft. Obwohl wir auf einem Parkplatz mitten in der Stadt übernachtet haben, war es erstaunlich ruhig und so schlafen wir heute etwas länger.

Endlich parat, spazieren wir nochmals zum Hafen. An einem der Imbissbuden werden den Passanten frische, in Weisswein und mit Knoblauch gekochte, Miesmuscheln offeriert. Die schmecken ausgezeichnet, für eine grosse Portion ist es uns allerdings, so kurz nach dem Morgenessen, noch zu früh. Wir setzen uns auf eine Bank und lassen das geschäftige Treiben auf uns wirken.

Dann ist es endlich soweit, wir kehren zum Parkplatz zurück, fahren zum Fährterminal und reihen uns in die zugewiesene Kolonne ein. Von Oban aus werden verschiedene Inseln von der «CalMac Ferry» angelaufen und so kommen einige Schiffe an oder legen ab, bis wir dann auch endlich verladen können. Der Hafen von Oban liegt in einer natürlichen Bucht und bietet den Schiffen ohne Molen Schutz vor Wind und Wellen. Auf der Fähre werden wir schon zum zweiten Mal von einem Schotten auf Schweizerdeutsch angesprochen, der familiäre Beziehungen in die Schweiz hat.

Schon nach 45 Minuten erreichen wir den Hafen von Craignure auf «Mull». Das Entladen der nicht allzu grossen Fähre geht ruckzuck und schon rollen wir in Richtung Salen, wo wir auf dem Salen Bay Campingplatz für eine Nacht reserviert habe. Wir registrieren uns, schauen uns den Stellplatz kurz an, und fahren dann weiter Tobermory, dem mit 950 Einwohnern grössten Ort auf der Insel. Den geplanten Distillerie-Besuch, beim ansässigen Whiskyhersteller, verschieben wir auf Sonntag und geniessen das schöne Wetter am hübschen Hafen mit den bunten Häusern. Eine Vielzahl von unterschiedlichen Geschäften, Restaurants und Bars sind dort untergebracht.

Danach fahren wir auf der schmalen Onetrack Strasse zurück nach Salen, geniessen die Aussicht von unserem Stellplatz auf das Meer und nutzen die freie Waschmaschine um den Schmutzwäschesack zu leeren.

Freitag, 01.07.2022
von Salen nach Fionnphort auf die Fidden Farm, 84 Km
Wetter: anfangs Regen dann immer sonniger, 18°

Wir werden sicher noch bis Sonntag auf der Insel Mull bleiben und beabsichtigen heute bis nach Fionnphort zu fahren. Zuerst müssen wir aber noch bei strömendem Regen den Wassertank befüllen. Danach geht es südwärts in Richtung Craignure, wo die Fähren vom Festland ankommen. Bis hier hat sich das Wetter schon merklich gebessert und es zeigt sich sogar blauer Himmel.

Wir zweigen von der A849 ab auf die Zufahrtsstrasse zum Duart Castle, seit dem 14. Jahrhundert Stammsitz des Mac Lean Clans. Das Schloss haben wir schon bei der Ankunft von der Fähre aus gesehen. Wir sind noch fast alleine auf dem Parkplatz und obwohl offiziell erst in einer halben Stunde geöffnet wird, dürfen wir schon auf Besichtigungstour. Noch Anfang des 20. Jahrhunderts stand hier nur noch eine Ruine. Im Laufe der Jahre wurde das Schloss dann aber wieder restauriert und bewohnbar gemacht und ging wieder in den Besitz des Clans über. Der aktuelle Clan-Chef wohnt zurzeit im privaten Teil des Schlosses.

Im Schloss werden wir von der Mitarbeiterin, die den Besuchern für Fragen zur Verfügung steht, auf Schweizerdeutsch angesprochen. Sie lebt schon einige Jahre in Schottland und hat vor einem Jahr die Stelle hier im Schloss angetreten.

Auf der schmalen, einspurigen Strasse fahren wir weiter und erreichen schliesslich das Ende der Halbinsel. Im kleinen Ort Fionnphort biegen wir ab zur Fidden Farm, wo direkt am Meer auf einem riesigen Areal Stellplätze angeboten werden. Mit etwas Glück, denn eine junge Familie ist gerade dabei zusammen zu räumen, können wir einen Platz in der ersten Reihe direkt am Meer ergattern.

Da sich das Wetter besser hält als vom Wetterbericht vorausgesagt, spazieren wir die 1 ¾ Meilen zurück ins Dorf und fahren mit der Fähre auf die kleine Insel Iona. Die Überfahrt dauert nur wenige Minuten. Es befinden sich zwar kaum Autos auf dem Schiff, dafür aber viele Touristen. Denn die Insel ist ein beliebter Pilgerort. Im Jahre 563 hat der Heilige Columban zusammen mit 12 Gefährten auf dem kleinen Eiland ein Kloster gegründet. Dieses wurde zwar ab 795 mehrmals von Wikingern überfallen, entwickelte sich aber trotzdem zu einem religiösen und künstlerischen Zentrum. So soll die berühmte Handschrift «Book of Kells», zumindest teilweise, auf Iona geschrieben worden sein. Im 13. Jahrhundert wurde das Kloster von Benediktinermönchen wiederbelebt. Gleichzeitig wurde ein Augustinerinnenkloster gegründet. Auf dem Klosterfriedhof sollen nach der Legende die ersten Schottischen Könige beigesetzt worden sein.

Mit der Fähre, geht es wieder zurück auf die Insel Mull und zu Fuss zurück zum Campingplatz, wo wir den Ausblick von unserem «Wohnzimmerfenster» auf die felsige Bucht mit dem weissen Strand geniessen.

Samstag, 02.07.2022
Ruhetag auf der Fidden Farm, Wanderung zum Loch Pottie, 10 Km
Wetter: Wolken und Sonne, 18°

Wir bleiben nochmals einen Tag auf der Fidden Farm. Es hat während der Nacht zwar geregnet, heute Morgen scheint aber die Sonne. Wir packen darum den Rucksack und marschieren los auf einem Rundweg, der uns durch die schottische Moorlandschaft zum Loch Pottie (auf Schottisch Loch Poit na h-l) und wieder zurück zu unserem Standplatz führt. Ständige Begleiter auf dem schönen Fussmarsch sind die Schafe, welche als weisse Flecken überall auf den moorigen Wiesen grasen, wo auch heute noch Torf gestochen wird. Vorbei an abgelegenen Bauernhöfen erreichen wir schliesslich Loch Pottie und über den neu angelegten Rad- und Fussweg Fionnphort. Noch eine halbe Stunde und wir sind wieder bei unserem Wohnmobil.

Es ist jetzt angenehm warm, so dass wir uns den Rest des Nachmittags an die Sonne legen.

Sonntag, 03.07.2022
von der Fidden Farm nach Tobermory zur Whisky Degustation und mit der Fähre zurück auf das Festland, 150 Km
Wetter: stark bewölkt mehrheitlich trocken, gegen Abend Regen, 15°

Heute vollen wir die Insel Mull verlassen und folgen der Küstenstrasse im Uhrzeigersinn in Richtung Tobermory. Die schmale Strasse scheint endlos und kurvenreich mit steilen Auf- und Abstiegen. Immer wieder müssen wir rückwärts in die Ausweichbucht manövrieren um entgegenkommenden Fahrzeugen Platz zu machen, oder dann stur stehen bleiben, damit das Gegenüber zurücksetzt.

Schliesslich erreichen wir Tobermory und finden schliesslich eine Parklücke, in die unser Brummsli passt. Um 15.30 haben wir in der Destillerie eine Whisky Degustation gebucht. Auch hier werden wir wieder auf Schweizerdeutsch angesprochen, denn der Store-Manager ist auch Schweizer.

Während einer Stunde erhalten wir allerhand interessante Informationen über die Whiskyherstellung und die Art und Weise wie der Kenner das edle Getränk begutachtet. Wir erhalten Proben von vier verschiedenen Produkten, die zwischen 10 und 18 Jahren in Sherryfässern gereift sind, zum Probieren. Wir schwenken das Glas, beurteilen das Verhalten der Flüssigkeit. Wir ziehen die Aromen einmal durch das linke, dann durch das rechte Nasenloch und versuchen die Aromen zu definieren. Schliesslich folgt der erste Schluck, verbleibt auf der Zunge und wieder versuchen wir die Aromen herauszuschmecken. Dann das gleiche nochmals nach Zugabe von zwei oder drei Tropfen Wasser, was die Nuancen noch besser zur Geltung bringt. Und das Ganze bei allen vier Kostproben. Schliesslich doch die Erkenntnis, ob süss oder rauchig, entweder man mag es oder eben nicht. Auf jeden Fall kaufen wir uns zum Schluss eine Flasche mit 12 Jahre altem Tobermory.

Heute wollen wir noch zurück auf das Festland und nehmen dazu die Fähre von Fishnish nach Lochaline. Wir erwischen die letzte Fähre um 18.05 und erreichen nach kaum 10 Minuten Fahrt das andere Ufer. In Lochaline haben wir gehofft auf dem Parkplatz eines Hotels übernachten zu können. Dieses wird allerdings renoviert und die ganze Umgebung macht uns keinen sehr einladenden Eindruck. Deshalb fahren wir ein Stück weiter bis zum Loch Arienas, wo wir auf einem Wanderparkplatz einen schönen Stellplatz finden.

Montag, 04.07.2022
vom Wanderparkplatz bei Lochalin nach Glenfinnan, 106 Km
Wetter: immer noch regnerisch, 16°

Der Wettergott meint es immer noch nicht gut mit uns. Zwischen Regenschauern zeigt sich zwar immer mal wieder die Sonne, meist aber nur sehr kurz. Trotzdem wollen wir heute wieder einmal etwas wandern. Nur wenige Kilometer von unserem Übernachtungsplatz entfernt liegt der kleine Ort Strontian, wo wir nach Langem wieder auf eine Tankstelle stossen. 2.12 £ ist zwar kein Schnäppchen, aber ohne läuft halt einfach nichts. Im kleinen Dorfladen können wir auch die wichtigsten Vorräte aus dem spärlichen Sortiment auffüllen.

Unmittelbar hinter dem Dorf liegt ein schöner Wanderparkplatz mit grossen Parkbuchten auf denen das Übernachten im Wohnmobil ausdrücklich erlaubt ist. Wir folgen dem ausgeschilderten Wanderweg durch die feuchte Moorlandschaft. Die Stämme der alten Eichen und uralte Steinmauern sind dick mit Moos überwachsen und überall rauschen und gurgeln grosse und kleine Bäche vom Hügel. Der geplante Rundweg ist leider wegen einer baufälligen Brücke gesperrt. Wir marschieren daher einfach auf einer Seite des kleinen Flusses bis zur oberen Brücke und dann den gleichen Weg wieder zurück. Wir haben wieder einmal unsere Militärpelerinen hervorgeholt. Da kann uns der feine Nieselregen nichts anhaben.

Die zweite für heute geplante Wanderung fällt dann buchstäblich ins Wasser. Auf einer sehr schmalen und unübersichtlichen Strasse gelangen wir zwar zum Parkplatz beim Tioram Castle, dieser ist allerdings, trotz des schlechten Wetters, ziemlich voll. Unter den Bäumen mit den tiefhängenden Ästen können wir mit unserem 3.1 m hohen Fahrzeug kaum manövrieren. Wir haben auch geplant hier zu übernachten, der matschige Platz gefällt uns allerdings gar nicht. Da es dann noch wie aus Kübeln regnet, kehren wir, schweren Herzens, zur Hauptstrasse zurück. Die fotogene Burgruine auf der Gezeiteninsel bekommen wir nur kurz zu Gesicht.

Es geht weiter bis nach Glenfinnan. Der aus den Harry Potter Filmen bekannte Eisenbahnviadukt ist ein wahrer Touristenmagnet. Eine ganze Menschenkolonne, darunter viele Asiaten, steigt zum Aussichtspunkt hoch, von wo der Viadukt optimal zu sehen ist. Es fehlt nur der Hogwart’s-Express. Der dampfbetriebene Zug fährt die Strecke nur einmal Mal am Tag hin und wieder zurück. Auf dem Besucherparkplatz muss zwar ein Ticket für einen ganzen Tag bezahlt werden, das Übernachten ist allerdings nicht erlaubt. Der Parkeinweiser versichert uns, dass ausnahmen nicht toleriert werden, beschreibt uns aber den Weg zu einem ruhig gelegenen Wanderparkplatz am Callop River, wo wir dann auch einen schönen Platz finden. Erst sind wir noch ganz allein, doch nach und nach kommen etliche Wohnmobile dazu, da es in der näheren Umgebung keine Campingplätze gibt.

Für Morgen buchen wir noch die Fähre auf die Isle of Sky, wo wir die nächsten Tage verbringen wollen. Für die benachbarte Insel Lewis and Harris sind leider keine Passagen mehr verfügbar. Dafür reservieren wir schon mal die Überfahrt auf die Orkney Inseln für die übernächste Woche.

Dienstag, 05.07.2022
von Glenfinnan über Mallaig auf die Insel Skye, 71.6 Km
Wetter: Sonnig mit Wolken, 18°

Es ist kaum zu glauben. Es scheint die Sonne und so machen wir uns gut gelaunt auf den Weg nach Mallaig. Von hier haben wir die Fähre um 14.00 Uhr für die Überfahrt auf die Isle of Skye gebucht. Wir haben also genügend Zeit und können den Morgen in der kleinen Hafenstadt vertrödeln. Kurz bevor wir dort ankommen überquert aber noch ein grosser Hirsch mit mächtigem Geweih vor uns die Fahrbahn und zwingt uns zu einem Bremsmanöver.

Am Ortseingang gibt es einen schönen Parkplatz mit grossen Feldern auch für Wohnmobile. Das Übernachten ist zwar verboten, aber es stehen Toiletten und Duschen zur Verfügung und es gibt auch Entsorgungsmöglichkeiten für den Abfall. Das ist nicht selbstverständlich, denn in Schottland wird einem das Mülltrennen und Recyceln nicht leicht gemacht und es tut dem gut erzogenen und umweltbewussten Schweizer jedes Mal weh, wenn Glas, Alu oder Kunststoff im normalen Abfallcontainer verschwindet.

Zuerst gehen wir einkaufen. Am Hafen kaufen wir beim Fischhändler frisch geräucherten Lachs und im gut sortierten Coop füllen wir die Vorräte auf. Diese verstauen wir im Wohnmobil, bevor wir an den Hafen zurückkehren. Dort finden wir eine Bäckerei mit schönem, knusprigem dunklem Brot, extrem guten Zimtschnecken und einer Focaccia frisch aus dem Ofen. Auf einer Bank an der Sonne lassen wir es uns schmecken. Wir geniessen es, denn schon am Abend soll es wieder regnen. Die Kassiererin im Coop meinte, es sei der schlechteste Juni seit langem gewesen und eine wirklich stabile Wetterbesserung ist nicht in Sicht.

Im kleinen Bahnhof vom Mallaig steht jetzt auch der Zug « The Jacobite» mit der dampfbetriebenen, rauchenden Lokomotive, der uns gestern als Fotomotiv auf dem Viadukt von Glenfinnan gefehlt hat.

Kurz vor 13 Uhr gehen wir zurück zum Parkplatz und fahren zum Fähranleger. Der Mitarbeiter dort schickt uns aber wieder weg. Wir seien noch zu früh und sollen um 13.30 Uhr wiederkommen (obwohl gemäss Buchungsbestätigung der Check-In um 13.40 Uhr schliesst). Also suchen wir uns nochmals einen Parkplatz und drehen Däumchen. Als eine grosse Fähre in den Hafen einläuft, fahren wir los und sind kurz vor halb Zwei wieder am Fährhafen. Dort warten wir in der zugewiesenen Kolonne und warten und warten. Andere Autos sind schon längst im Rumpf des grossen Schiffes verschwunden, während unsere Reihe und zwei weitere neben uns, immer noch stehen. Auf Nachfrage wird uns bestätigt, dass wir am richtigen Ort sind für die Insel Skye. Es ist bereits 14 Uhr und wir stehen immer noch, als die Fähre die Klappe schliesst und ablegt. Jetzt geht alles blitzschnell, Elsbeth reisst die Autotür auf, spurtet zum Tickethäuschen und kommt wieder zurück. Das war gar nicht unsere Fähre, diese hat Verspätung und legt erst in ein paar Minuten an.

So ist es dann auch, es ist zwar ein kleineres Schiff, aber alle Fahrzeuge finden Platz und wir erreichen die Isle of Skye, zwar mit Verspätung, nach einer 45-minütigen Überfahrt.

Um 16 Uhr haben wir den Besuch der Whisky-Destillerie «Torabhaig» gebucht. Diese liegt nur wenige Kilometer vom Hafen entfernt. Die Anlage wurde erst 2017 in Betrieb genommen. Dazu wurde ein alter, verfallener Bauernhof mit Mühle restauriert. Die Führung beginnt mit einem kurzen Filmvortrag über die Geschichte von Torabhaig. Danach werden wir durch die Produktionsanlage geführt und es werden uns die verschiedenen Schritte erklärt: Ausgangsprodukt ist schottische Sommergerste. Diese wird eingeweicht und zum Keimen gebracht. Dabei wird die Stärke in gärfähigen Zucker umgewandelt. Die gekeimte Gerste, das Malz, wird über einem Torffeuer getrocknet, wodurch ein rauchiges Aroma entsteht. Das getrocknete Malz wird gemahlen und mit heissem Wasser, aus der eigenen Quelle, im Maischebottich angesetzt. Das Ganze wird in einen hölzernen Gärbottich gepumpt und mit Hefe versetzt. Über mehrere Tage wird der Zucke in Alkohol umgewandelt und es entsteht ein geschmackvolles Bier mit etwa 8 % Alkohol. Dieses wird nun in zwei Brennblasen zuerst auf 26 % und im zweiten Brennvorgang auf 69 % destilliert. Der Rohsprit oder «New Make» ist fertig und wird in Eichenfässer abgefüllt und während Jahren gereift. Im Gegensatz zu «Tobermory» verwendet man bei «Torabhaig» keine Sherry-Fässer, sondern solche von der Bourbon-Produktion aus Kentucky. Diese dürfen für Bourbon nur ein einziges Mal verwendet werden und stehen daher für die Lagerung von Whisky in Mengen zur Verfügung und dürfen dann auch uneingeschränkt wiederverwendet werden. Sherry-Fässer sind etwa 10-Mal so teuer wie Bourbon-Fässer.

Zum Schluss gibt es natürlich auch noch eine Kostprobe des Endergebnisses. Zuerst testen wir aber noch die Zwischenprodukte: die gemälzte und getrocknete Gerste mit einem leichten Raucharoma, das Bier mit 8% Alkohol schmeckt effektiv nach Bier und den «New Make» mit seeeehr viel Alkohol. Da die Destillerie erst seit 2017 existiert, gibt es noch keine Whiskys die lange gelagert wurden. Wir bekommen ein Produkt, das mit drei Jahren im Fass, noch sehr hell und gelblich ist, aber ein feines fruchtiges Aroma mit nur leichtem Rauchgeschmack aufweist. Zur Erinnerung kaufen wir auch hier eine Flasche.

Für die Übernachtung fahren wir wieder nach Süden. Dort soll es verschiedene ruhige Wanderparkplätze geben, die sich als Stellplatz eignen. Tatsächlich müssen wir nicht weit fahren und werden fündig. Jetzt gibt es knuspriges Brot und geräucherten schottischen Lachs.

Übrigens, mit dem schönen Wetter ist es schon wieder vorbei. Wie vom Wetterdienst vorausgesagt regnet es wieder.

Mittwoch, 06.07.2022
von Armadale über Elgol nach Sligachan, 103 Km
Wetter: regnerisch, 15°

 

Während der ganzen Nacht hat es geregnet, erst gegen Morgen lässt es etwas nach. Aber was soll’s, wir, Elsbeth und ich, haben ja uns und sind des Anderen Sonnenschein.

Zuerst fahren wir auf die andere Seite der Insel nach Elgol. Die Single Track Strasse führt durch das bergige Zentrum, das von vielen Wanderwegen durchzogen ist, die auch bei Regenwetter wie heute intensiv genutzt werden. Darauf lassen auf jeden Fall die gut besuchten Wanderparkplätze am Strassenrand schliessen. Die bis 1000 Meter hohen, steilen und baumlosen Gipfel lassen wir aber links liegen. Je näher wir Elgol kommen, umso dichter wird der Nebel und im kleinen Dorf an der steilen Küste bläst uns der Wind heftig, vom Meer her, um die Ohren. Wir machen nur ein paar Fotos, denn Restaurants und Cafés sind alle geschlossen. Mit über 25% Steigung geht es wieder den Hang hoch. Am Loch Slapin machen wir, auf einem schön gelegenen Wanderparkplatz mit Parknischen zum Übernachten, eine ausgedehnte Mittagspause.

Bevor wir bei Broadford das Meer wieder erreichen machen wir noch einen Halt bei der Ruine der Kirche von Cill Chrisod, deren Ursprung auf das 7. Jahrhundert zurückgeht. Auf dem alten Friedhof liegen viele Mitglieder des MacLeod Clans. Wir befinden uns also auf MacLeod Land.

Von Broadford geht es noch ein Stück bis auf den Campingplatz von Sligachan, wo wir die Nacht verbringen wollen. Ein kurzer Abendspaziergang führt uns zum Standbild des ersten professionellen Bergführers Englands John Mackenzie und Norman Collie, Chemiker und Bergsteiger, die in Bronze gegossen, zu den Berggipfeln der Cuillin Hills blicken. Gemäss unserem Reiseführer soll der Clanchef John MacLeod of MacLeod geplant haben die Hügelkette für 10 Millionen £ zu verkaufen um sein Schloss Dunvegan Castle zu renovieren. Ob dies auch umgesetzt wurde wissen wir nicht, es wäre auf jeden Fall schade, 1200 Jahre alten Clanbesitz zu verscherbeln.

Donnerstag, 07.07.2022
von Sligachan bis zur Fairy Bridge bei Dunvegan, 117 Km
Wetter: nieselnder Nebel, 14°

Heute werden wir von der Sonne geweckt. Die Freude hält aber nicht lange an und schon ist der Himmel wieder von dichten Nebelschwaden überzogen. Unser erstes Ziel heute ist Loch Brittle, eine Meeresbucht auf der westlichen Seite der Insel. Wieder fahren wir Single Track Roads. Es herrscht reger Verkehr, das heisst, einmal fahren wir in die Ausweichbucht, einmal das Gegenüber.

Manchmal haben wir das Gefühl, dass die Sonne die Nebeldecke demnächst durchbricht. Leider werden wir immer wieder enttäuscht und der Nebel wird wieder dichter. Die feinen Wassertropfen erfordern, dass die Scheibenwischer immer wieder in Betrieb genommen werden müssen.

Am Loch Brittle ist der Campingplatz, trotz des unfreundlichen Wetters, gut belegt. Wir halten nur kurz an, vertreten uns die Beine und machen ein paar Fotos. Dann geht es auf der gleichen Strasse wieder ein paar Kilometer zurück bis zum grossen Parkplatz bei den «Fairy Pools». Hier handelt sich um ein beliebtes Ausflugsziel. Entsprechend ist auch der Parkplatz, trotz der schmalen Zufahrtsstrasse, ausgelegt. Auch die Preise sind entsprechend: es müssen 8 £ für einen ganzen Tag bezahlt werden, unabhängig davon wie lange man bleibt. Ziel der vielen Wanderer ist der River Brittle, der mit mehreren Wasserfällen und ruhigen Pools, den Hang hinunter rauscht. Bei schönem Wetter laden die Wasserbecken zum Baden ein und sollen tiefblau erscheinen. Heute wirken sie, zumindest für einen Alpenbewohner, eher unspektakulär. Trotzdem wandern wir entlang den Kaskaden hoch bis zu einer Ebene, wo Bäche von den umliegenden Hängen zum River Brittle zusammenfliessen.

In Carbost machen wir den nächsten Halt. Hier befindet sich die Talisker Destillerie. Die Whiskyproduktion kann wegen Covid allerdings nicht besichtigt werden und es werden auch keine Degustationen durchgeführt. Der Fabrikladen ist in Containern als Provisorium eingerichtet. Wir schauen uns nur kurz um, denn es herrscht ein ziemliches Gedränge.

Weiter geht es auf schmaler Strasse bis zum Neist Point, dem westlichsten Punkt der Insel Skye. Auch hier ist der Parkplatz ziemlich voll. Auf der Landzunge steht am Fuss der der 122 Meter Hohen Klippe «An t-Aigeach» ein Leuchtturm der auf einem steilen Fussweg erreicht werden kann.

Bei Dunvegan befindet sich «Dunvegan Castle», der Stammsitz des MacLeod Clans. Tatsächlich macht das Schloss den Eindruck eine Renovation nötig zu haben. Es scheint, dass der Clanchef die Cuillin Hills noch nicht verkauft hat um die Bauarbeiten zu bezahlen. Der Ursprung des Schlosses geht bis in das Jahr 1300 zurück. Danach, zuletzt 1840, wurden immer wieder Erweiterungen bis zur heutigen Form errichtet. Das Herrenhaus steht in einem riesigen Park mit verschiedenen Themengebieten. Es gibt einen Wassergarten, eine Rhododendrenanlage, einen naturbelassenen Wald und vieles mehr. Wir verzichten auf die Besichtigung des Inneren der Burg und kaufen ein Ticket nur für die Gartenanlage.

Nicht weit entfernt finden wir bei der Fairy Bridge, einer alten Steinbogenbrücke die vermutlich noch von der alten Strasse stammt einen ruhigen Übernachtungsplatz. Mal schauen, ob wir heute alleine bleiben.

Freitag, 08.07.2022
von der Fairy Bridge bei Dunvegan zum Sligachan Campingplatz, 146 Km
Wetter: erst nieselnder Nebel, dann sonnig mit starkem Wind, 20°

Wir fahren zuerst bis fast ans Ender der Halbinsel nach Trumpan. Dort befindet sich ein weiterer alter Friedhof und die Ruine einer Kirche. Diese war an einem Sonntag im Mai 1578 Schauplatz eines Massakers verübt von Mitgliedern des MacDonald Clans am MacLeod Clan. Die MacLeods waren gerade in der Kirche zum Gottesdienst versammelt. Der Ausgang des Gotteshauses wurde von den Angreifern blockiert und das Strohdach in Brand gesetzt. Alle Kirchgänger kamen ums Leben ausser einem Mädchen, dass durch ein Kirchenfenster fliehen konnte und im 10 Km entfernten Dunvegan Castle Alarm schlagen konnte. Die MacLeods versammelten sich zum Gegenschlag und stellten die MacDonalds, deren Boote wegen Ebbe blockiert waren. Es wurden alle MacDonalds getötet. Der ganze Vorfall hat allerdings eine Vorgeschichte. Denn bereits zuvor hatten die MacLeods, die die Vorherrschaft auf den Inseln anstrebten, im Jahr 1577 die Insel Eigg heimgesucht. Die Bewohner, allesamt MacDonalds suchten in einer Höhle Zuflucht. Die Angreifer entfachten am Eingang der Höhle ein Feuer, worauf alle 395 Inselbewohner erstickten.

Dann geht es wieder zurück auf die Küstenstrasse und weiter nach Uig, von wo die Fähre auf die Insel Lewis and Harrys fährt. Dafür haben wir aber keine Tickets mehr bekommen. Also umrunden wir weiter die Halbinsel Trotternish bis zum Skye Museum of Island Life. Hier wird in einer Reihe von alten, strohgedeckten Häusern das karge Leben der früheren Inselbewohner gezeigt. Diese haben meist als Pächter, sogenannte Crofter, ihren Lebensunterhalt bestritten. Dabei waren die Grundstücke meist zu klein um eine Familie ohne Zusatzverdienst zu ernähren.

Nur einige hundert Meter entfernt besuchen wir noch das Grab von Flora MacDonald (1722 – 1790). Sie gilt als die am meisten verehrte Frau Schottlands. Sie hat nach der verlorenen Schlacht von Culloden dem von den Engländern mit Kopfgeld gesuchten Bonnie Prince Charlie zur Flucht nach Frankreich verholfen.

In der Zwischenzeit hat sich der Nebel verzogen und die Berge der Isle of Skye zeigen sich im Sonnenlicht. Wenige Meilen weiter zweigen wir ab und gelangen über eine sehr schmale Single Track Road mit viel Verkehr zum Quiraing, einer geologischen Formation, die hauptsächlich durch Erdrutsche entstand. Am Aussichtspunkt befindet sich ein riesiger Parkplatz, der irgendwie gar nicht zur schlechten Strasse passt. Zahlreiche Besucher wagen sich, trotz orkanartigem Wind und nassen, schmalen Pfaden, auf eine Tour im beliebten Wandergebiet.

Wir kehren wieder zurück auf die Küstenstrasse. Bei einem weiteren Halt in Portree spazieren wir zum Hafen mit der bunten Häuserzeile und ein paar Restaurants.

Die Nacht werden wir wieder auf dem Sligachan Campingplatz verbringen. Im benachbarten Pub, das 2020 für den besten Bar-Food ausgezeichnet wurde, lassen wir uns mit einem feinen Nachtessen verwöhnen. Zum Abschluss gibt es eine Auswahl von vier Highland Whiskys, die den Abend abrunden.

Samstag, 09.07.2022
vom Sligachan Campingplatz zum Loch Maree, 153 Km
Wetter: sonnig mit Wolken, 20°

Heute verlassen wir die Isle of Skye über die Skye-Bridge in Richtung Eilean Donan Castle. Die Burg steht auf einer Insel, dort wo drei Meeresarme zusammentreffen (Loch Alsh, Loch Long und Loch Duich) und ist über eine Steinbogenbrücke zugänglich. Ursprünglich wurde die Festung 1220 von den MacKenzies erbaut, 1509 den MacRaes überlassen und schliesslich 1719 von englischen Kriegsschiffen zerstört. 1913, also etwa 200 Jahre nach der Zerstörung, beschloss der MacRae Clan den Wiederaufbau nach alten Plänen, der dann 1920 bis 1932 realisiert wurde. Heute zieht das Schloss mit der einzigartigen Lage viele Touristen an. Es wurde darum auch ein grosser Parkplatz mit Shops und Restaurant errichtet. Die Burg diente auch als Kulisse in verschiedenen Spielfilmen wie «Prinz Eisenherz», «Highlander» oder «James Bond».

Im Nachbardorf Ardelve, nutzen wir den Hinweis aus dem Reiseführer auf eine deutsche Bäckerei und kaufen uns ein frisches Brot und etwas Süsses für den Nachmittagskaffee.

Danach geht es, bei Sonnenschein, weiter durch die malerischen schottischen Highlands, vorbei an bis zu 1000 Meter hohen Bergen, blauen Lochs und endlosen Heidelandschaften. Am Loch Maree finden wir am See einen schönen Übernachtungsplatz. Es ist noch früher Nachmittag und so gibt es noch einigen Verkehr auf dem Parkplatz, der auf einem alten Felssturzgebiet liegt. Obwohl auf Tafeln vor dem Verlassen des befestigten Bereichs wegen tiefen Felsspalten gewarnt wird, führen Trampelpfade durch den kleinen Wald ans Wasser und geben den Blick frei ans andere Ufer.

Am Abend wird es dann ruhiger und es bleiben nur wenige Wohnmobile die hier über Nacht stehen.

Sonntag, 10.07.2022
vom Loch Maree nach Mellon Udrigle, 52.8 Km
Wetter: meist wolkenlos, > 20°

Es ist kaum zu glauben. Heute ist keine Wolke am Himmel, richtiges Wanderwetter. Wir fahren gut gelaunt die etwa 20 Meilen bis zum Ausgangspunkt unserer heutigen Tour, dem kleinen Ort Poolewe am Loch Ewe. Wir finden auf dem kleinen Wanderparkplatz gerade noch eine freie Parkmöglichkeit. Schnell ist der Rucksack gepackt und die Wanderkluft angezogen.

Dann folgen wir dem Fluss Ewe. Der Fahrweg, eine Privatstrasse welche für Fahrzeuge gesperrt ist, führt durch einen schönen Mischwald. Der Waldboden ist mit Farnen und Moosen überwachsen und auch Eierschwämme sind einige zu sehen. Diese lassen wir heute aber stehen. Bald lassen wir den Wald hinter uns und wandern durch eine hügelige Heidelandschaft, vorbei an kleinen Seen (Lochs). Schliesslich erreichen wir die Kernsary Farm am tiefblauen Loch Kernsary. Den Fahrweg verlassen wir jetzt und folgen dem See auf einem schmalen und teils matschigen Pfad zurück nach Poolewe.

Es ist zwar erst 13 Uhr. Trotzdem wollen wir heute nicht mehr allzu weit fahren, sondern die Sonne geniessen. Wir haben nämlich noch eine ganze Woche Zeit für die etwa 300 Kilometer bis zur Fähre nach Orkney. An unserer Route sind allerdings, ausser Parkplätzen entlang der Strasse, keine einladenden Übernachtungsmöglichkeiten auszumachen, auf denen es sich lohnen würde den Nachmittag zu verbringen. Wir biegen deshalb in Laide, einem kleinen Ort am Meer, ab und folgen dem Wegweiser zu Campingplatz in Mellon Udrigle. Nach etwa 3 Meilen erreichen wir den Platz, der wirklich toll an einer kleinen Bucht gelegen ist. Die Fahrzeuge können auf dem weitläufigen Farmgelände irgendwo, möglichst mit Blick auf die Bucht mit weissem Strand, abgestellt werden. Es gibt hier zwar keine sanitären Anlagen (Dusche, WC), dafür kostet die Nacht auch nur 15 £. Die Entsorgungsmöglichkeiten für Campingtoilette, Abwasser und Abfall, sowie die Zapfstelle für Frischwasser sind hingegen top in Schuss und extrem sauber.

Wir duschen also im Wohnmobil und aktivieren, trotz Wind, die Liegestühle. Falls sich das Wetter einigermassen hält, werden wir noch einen weiteren Tag hier bleiben und die Ruhe und tolle Umgebung geniessen.  

Montag, 11.07.2022
ein Tag in Mellon Udrigle
Wetter: bedeckt aber trocken, starker Wind, 18°