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Nordkap 2019

Vorbereitung
Für unsere erste grössere Tour mit dem neuen Wohnmobil haben wir uns das Nordkap als Reiseziel ausgesucht. Wir planen etwa zwei Monate unterwegs zu sein. Die Route soll in Schweden der Küste des Bottnischen Meerbusen folgen. Über Finnisch Lappland werden wir bis ans Nordkap weiterfahren um der zerklüfteten Küste Norwegens wieder nach Süden zu folgen.
Nach einigen Verzögerungen soll es nun am Donnerstag den 13. Juni 2019 los gehen. Die Fähre von Rostock nach Trelleborg haben wir für Freitag den 14.6.19 um 15.00 Uhr gebucht. Wir hoffen also recht zügig auf der Autobahn Richtung Norddeutschland voranzukommen und haben uns bereits einige Übernachtungsplätze in der Gegend zwischen Hildesheim und Hannover auf dem Navi gespeichert um mit der Suche dann keine Zeit zu verlieren.
Unser Brummsli ist weitgehend beladen und startbereit. Wir werden auf dieser ersten Reise sicherlich noch einiges verbessern müssen, denn unser Stauraum ist randvoll und sicher noch nicht optimal beladen. Sicher haben wir auch noch einiges an Material dabei, welches wir vermutlich nie brauchen werden.

12. Juni 2019

Bis Rostock ist eine Strecke von über 1000 Km zurückzulegen. Wir entschliessen uns daher schon heute loszufahren um den morgendlichen Stau um Zürich und an der Grenze zu meiden. Elsbeth hat allerdings bis zum frühen Nachmittag noch eine familiäre Angelegenheit zu regeln. Danach ist noch Rasen mähen und eine Putztour angesagt. Anschliessend werden noch die letzten Sachen verstaut und um 19.00 kann es dann endlich losgehen. Wir reisen am Übergang Waldshut nach Deutschland ein und fahren bis nach Engen, nördlich von Singen. Dort übernachten wir auf einem Parkplatz neben der wenig befahrenen Strasse. Von dort geniessen wir einen wunderbaren Blick bis zum Bodensee. Da wir zu Hause noch gegessen haben, fällt das Kochen heute aus und wir legen uns schon bald schlafen.

Wetter:               sonnig und warm

Distanz:               81.1 Km

13. Juni 2019

Wir haben die vergangene Nacht beide nicht sehr gut geschlafen. Trotzdem stehen wir um etwa 07.00 Uhr auf und geniessen zuerst das Frühstück bei schönstem Wetter. Schnell ist der Abwasch erledigt und dann geht es um 08.20 Uhr los auf die Autobahn Richtung Norden. Wir sind erstaunt darüber wie viele Lastwagen in beiden Richtungen unterwegs sind. Ich habe immer gedacht, auf der A1 zwischen Zürich und Bern sei in dieser Beziehung viel los. Hier in Deutschland ist es aber noch viel schlimmer. Da wir mit unserem Wohnmobil ohnehin nur 100 Km/h fahren dürfen reihen wir uns mehrheitlich in die LKW-Kolonne ein und fahren zwischen 85 – 95 Kilometer pro Stunde. Zudem reiht sich eine Baustelle an die Andere, was das Vorankommen ebenfalls behindert, ein regelrechter Stau bleibt uns aber erspart. Strichweise fallen zwar kurze Regenschauer, doch mehrheitlich können wir sonniges und warmes Wetter geniessen. Gegen 17.00 erreichen wir den vorgesehenen Übernachtungsplatz an einem Baggersee in der Nähe von Hodenhagen, wenige Kilometer nach Hannover. Der Parkplatz ist zwar mit Pfosten für ganz grosse Fahrzeuge nicht zugänglich, wir können mit unserem Brummsli aber gerade noch passieren. Nach einem kurzen Spaziergang kochen wir, wie jedes Mal am ersten Ferientag die obligaten Spaghetti, mit Bolognese, die ich schon zu Hause vorgekocht und in drei Portionen tiefgefroren habe. Danach machen wir nochmals einen Spaziergang um den Badesee und hoffen auf eine ruhige und erholsame Nacht. Morgen geht es dann etwa 300 Km via Hamburg und Lübeck nach Rostock, wo wir spätestens um 14.00 Uhr das Fahrzeug verladen müssen.

Wetter:               sonnig und warm, strichweise Regenschauer

Distanz:               682.4 Km

14. Juni 2019

Der Wecker klingelt heute um 06.15 Uhr. Nach dem Frühstück und der Morgentoilette sind wir um 07.30 startklar. Bevor wir auf die Autobahn Richtung Hamburg auffahren tanken wir nochmals voll. Danach geht es zügig, bei mässigem Verkehr, vorbei an Hamburg nach Rostock. Bereits um 11.30 stehen wir als erste vor dem Terminal der Stena Line und warten bis um 13.00 die Schalter öffnen. Schon bald trifft die Mecklenburg Vorpommern ein und eine Vielzahl von Lastwagen, Campern, Wohnwagen und PW's verlassen das riesige Schiff. Danach können wir verladen und richten uns auf der Fähre ein, nachdem wir vom Deck das Auslaufen auf dem Hafen beobachtet haben. Die Mecklenburg Vorpommern ist das grösste deutsche Fährschiff und die zweitgrösste Eisenbahnfähre der Welt.

Die Überfahrt erfolgt bei ruhiger See und sonnigem aber sehr windigem Wetter. Sie dauert 6 Stunden, wobei 15'000 Liter Kraftstoff verbrannt werden. Wir vertreiben die Zeit mit essen, dösen und lesen und lassen etliche Offshore-Windparks an uns vorbeiziehen. Wir laufen pünktlich im Hafen von Trelleborg ein und verlassen die Fähre kurz nach 21 Uhr. Bei der Einreise nach Schweden werden die Fahrzeuge in einer Schleuse von allen Seiten gescannt und die Fahrer müssen alle einen Alkoholtest über sich ergehen lassen. Dann können wir einreisen und erreichen schon nach einer viertel Stunde unseren Übernachtungsplatz auf dem Strandparkplatz von  Böste. Diesen haben  wir schon am Vortag auf der App "park4night" ausgesucht und auf dem Navi gespeichert. Für Morgen ist schlechteres Wetter angesagt deshalb geniessen wir einen kleinen Strandspaziergang um so mehr.

Wetter:                sonnig und warm, auf der Fähre sehr windig

Distanz:                303.6 Km

15. Juni 2019
Entgegen der gestrigen Wettervorhersage wachen wir bei schönstem Sonnenschein auf und machen uns auf den Weg nach Ystad. Wir parkieren kurz vor der Stadt und marschieren auf dem Strandweg ins Zentrum des hübschen, mittelalterlichen Kleinstädtchens mit seinen adretten Backsteingebäuden und der Sankt-Marien-Kirche aus dem 13. Jahrhundert. Wir machen einige Einkäufe auf dem Markt und fahren dann auf wenig befahrenen Nebenstrassen nach Kaseberga und besichtigen das Wikingergrab "Ales stenar". Es handelt sich dabei um eine Steinformation aus 58 Findlingen, die in Form eines Schiffes hoch über der Küste aufgestellt sind.
Der Himmel verdunkelt als wir im Naturschutzgebiet Sandhammaren am Strand spazieren und den Badenden zuschauen, die das eiskalte Ostseewasser nicht scheuen. Wir fahren deshalb bald weiter an einen Strandabschnitt nördich von Simrishamn, wo wir die Nacht verbringen werden. In der zwischenzeit ist ein heftiges Gewitter aufgezogen und wir  verbringen den Abend trocken und warm im geschützten Wohnmobil.
Wetter:       erste sonnig, dann Gewitter mit Regen und heftigen Böen
Distanz:       86.7 Km
16. Juni 2019
Ein Schlafplatz direkt am Meer hat auch Nachteile. Um trotz der durch das Gewitter verursachten starken Brandung schlafen zu können, müssen wir auf die vorsichtshalber mitgeführten Ohrenstöpsel zurückgreifen. Während der Nacht sind noch andere Reisende bei unserem Übernachtungsplatz eingetroffen und haben zum Teil in Zelten übernachtet. Eine Männergruppe mit vier Deutschen hat sich schon früh am Picknicktisch eingerichtet und bereiten ein üppiges Frühstück mit Speck und Spiegeleiern zu. Wir begnügen uns mit etwas Käse und Konfibrot. Gegen 08.30 machen wir uns auf den Weg nach Kivik um eine bronzezeitliche Grabstätte "Kungraven" zu besichtigen. Da die Anlage erst um 11 Uhr öffnet sind wir fast die einzigen Besucher. Wir können zwar die Grabkammer nicht betreten, haben aber doch einen guten Überblick über die Anlage.
Wir machen noch einen kurzen Abstecher zum Hafen auf der Suche nach Frischwasser, werden aber nicht fündig, könnn aber ein paar Kilometer weiter nach dem Auftanken an der Tankstelle auch die Wassertanks auffüllen.
Auf dem Weg weiter nach Norden fahren wir kreuz und quer durch die südschwedische Seenlandschaft und durch ausgedehnte Wälder. Das Navi führt uns wieder einmal auf eine unbefestigte Strasse, so dass wir den 4WD zuschalten können um eine steile Waldstrasse zu bewältigen. Leider stehen wir schon bald vor einer Fahrverbotstafel, so dass wir umdrehen und einen anderen Weg suchen müssen.
Das Wetter ist zwischenzeitlich schlechter geworden und es beginnt heftig zu regnen bis wir unser Tagesziel im Store Moss Nationalpark erreichen. Es ist bereits 16.30 Uhr und wir bereiten das Nachtessen zu. Mit vollem Bauch entschliessen wir uns noch zu einem Spaziergang durch die ausgedehnte Moor- und Waldlandschaft, da sich die Sonne in der Zwischenzeit wieder scheint. Aus dem kurzen Spaziergang wird dann eine fast dreistündige Wanderung, die uns gegen 21 Uhr wieder zu unseren Brummsli zurückführt. Dabei haben wir auch das erste Mal mit den skandinavischen Mücken Bekanntschaft gemacht.  Es bleibt noch etwas Zeit das Tagebuch nachzuführen bevor wir uns schlafen legen.
Wetter:             anfangs bewölkt um die 20°, am Nachmittag Regen mit 15°
Distanz:             295.3 Km

17. Juni 2019

Wir haben uns entschieden heute im Store Mosse Nationalpark zu verweilen da wir bei prächtigem Wetter aufwachen. Die Sonne scheint und es ist schon um 8 Uhr schön warm. Wir packen also den Rucksack, reiben uns mit Mückenmittel ein und starten die Wanderung um den Kävsjön See. Der ausgeschilderte Pfad beginnt direkt vor unserer Haustür, so dass wir heute unser Brummsli stehen lassen können. Wie schon gestern führt der Weg teils auf breiten Waldwegen durch den lichten Föhrenwald, dessen Boden über und über mit Heidel- und Preiselbeerstauden überwachsen ist, teils über hölzerne Bohlenstege durch die Feuchtgebiete. Wir werden auf dem ganzen Weg begleitet vom Ruf des Kuckucks und können einen Rehbock beobachten der sich im Sumpf am frischen Gras gütlich tut. Der Store Mosse Nationalpark ist Südschwedens grösstes zusammenhängendes Moorgebiet, welches von kleinen bewaldeten Anhöhen durchzogen wird. Dabei handelt es sich um Flugsanddünen, die vor 8000 Jahren hierher verfrachtet wurden.

Ungefähr um 14 Uhr sind wir zurück bei unserem mobilen Heim. Für die etwa 14 Km haben wir fast 4.5 Stunden benötigt. Nach einer Dusche verbringen wir die Zeit damit einige T-Shirts auszuwaschen und geniessen unsere Campingsessel bevor wir den Grill aufbauen und ein Raclette zubereiten. Dazu gibt es einem feinen Epesses den wir geschenkt bekommen haben (zum Wohl Beatrix und Alfred).

Heute Abend müssen wir noch die Etappe von Morgen vorbereiten. Das Wetter soll eher schlechter werden. Wir möchten daher wieder ein Stück Richtung Norden vorankommen.

Wetter:               sonnig und warm bei etwa 25°
Distanz:               0 Km

18. Juni 2019

Es scheint, dass die schwedischen Meteorologen auch nicht treffsicherer sind als ihre Schweizer Kollegen. Auf jeden Fall blicken wir beim Aufwachen durch die Dachluke über dem Bett auf einen wolkenlosen, blauen Himmel, obwohl gemäss Prognose schlechtes Wetter angesagt wäre.

Wir packen unsere sieben Sachen zusammen und machen uns auf den Weg. Zuerst geht es wieder ein paar Kilometer südwärts bis nach Värnamo. Hier füllen wir unsere Lebensmittelvorräte auf bevor wir in Richtung Motala am Vätternsee weiterfahren. Schon nach wenigen Kilometern geraten wir in eine Polizeikontrolle. Ich muss den Führerschein vorweisen und, schon zum zweiten Mal innerhalb einer Woche, für den Alkoholtest ins Röhrchen blasen. Das Ergebnis ist negativ. Es lohnt sich auf jeden Fall auf den Konsum von alkoholischen Getränken ganz zu verzichten falls man mit dem Auto unterwegs ist. Die Limite von 0.2 Promille ist schnell erreicht und Alkoholkontrollen werden auch ohne «Fahne» häufig durchgeführt. Gleich verhält es sich mit den Geschwindigkeitskontrollen. Die Blitzer werden zwar kurz vorher angekündigt, sind aber auf den Hauptverkehrsachsen zweitweise alle paar Kilometer aufgestellt. Wir werden vom Polizisten freundlich auf Deutsch verabschiedet und können die Fahrt fortsetzen.

Auf dem Programm stehen noch einige Sehenswürdigkeiten die wir anschauen möchten. Als erstes steht das Naturreservat «Sättra Ängar» auf dem Programm. Es stellt sich aber heraus, dass es sich dabei lediglich um eine Blumenwiese handelt welche von traditionellen Holzzäunen umrandet ist. Es soll sich zwar um eine der artenreichsten Weiden Schwedens handeln, war aber für uns botanischen Laien den Umweg nicht wert. Zum Glück ist der nächste Programmpunkt nur wenige Kilometer entfernt. Wir fahren nach Rök, wo der Rökstenen, ein über 1000 Jahre alter, mit Runen beschrifteter Stein steht. Eine kleine Ausstellung erklärt die Bedeutung des Steines. Die Übersetzung der Inschrift ist auch ins Deutsche übersetzt. Danach geht es weiter zur Ruine des Klosters Alvastra. Dieses wurde von französischen Zisterzienser Mönchen auf Wunsch der schwedischen Königin im Jahre 1143 gegründet. Der protestantische König Wasa hat die Steine dann für den Bau seines Schlosses in Vadstena verwendet.   

Jetzt sind es nur noch wenige Kilometer bis nach Motala, wo wir einen kleinen Stopp einlegen und einen Spaziergang am Hafen unternehmen. Auf den Besuch der fünfstufigen Schleusenanlage des Götakanales verzichten wir, da wir auf unseren Radtouren in Frankreich die Funktionsweise dieser Bauwerke schon mehrfach beobachtet haben.

In der Zwischenzeit hat sich der Himmel verdunkelt und es beginnt zu regnen. Bis zu unserem Tagesziel sind es jetzt nur noch wenige Kilometer und wir beziehen schon bald einen ruhigen Stellplatz mit Blick auf den Vätternsee.

Wetter:                      Anfangs sonnig und warm, am späten Nachmittag kurze Regenschauer
Distanz:                      250.7 Km

19. Juni 2019

Während der Nacht ist ein schweres Gewitter aufgezogen, am Morgen können wir aber wieder bei schönstem Wetter frühstücken. Wir möchten heute etwas zügiger vorankommen und fahren deshalb auf Hauptstrassen nach Falun. Wir kommen am frühen Nachmittag bei unserem Stellpatz direkt an einem der vielen Seen an und machen das erste Mal unsere Fahrräder für eine Ausfahrt bereit. Generell ist festzuhalten, dass uns die gut ausgebauten Radwege schon von Anfang an aufgefallen sind. Diese werden meist von der Strasse getrennt geführt und sind bestens ausgeschildert. Insbesondere im Süden des Landes sind uns viele Radwanderer mit umfangreichem Gepäck begegnet.

 Wir radeln in Richtung der etwa 3 Kilometer entfernten Stadt und besichtigen als erstes die grosse Kupfermine. Dort ist der Kupferabbau seit dem 11. Jahrhundert nachgewiesen. Neben dem Bergbaumuseum klafft eine riesige Grube in der Landschaft und in der ganzen Umgebung ist der Aushub deponiert.

Als nächstes fahren wir ins Zentrum der hübschen Kleinstadt und schlendern durch die ausgedehnte Fussgängerzone bevor wir uns wieder in den Sattel schwingen und zum Skisportzentrum mit den grossen Sprungschanzen hochfahren.

Zurück beim Wohnmobil geniessen wir den Abend nach dem Nachtessen im Liegestuhl und mit einem kurzen Spaziergang am See.

Morgen soll es dann wieder nach Osten an die Küste gehen, der wir nordwärts folgen wollen. Bereits jetzt stellen wir fest, dass die Tage länger werden, je nördlicher wir sind. Selbst hier im Süden Schwedens ist es um 23 Uhr noch schön hell.

Wetter:                              sonnig und warm
Distanz:                              266.8 Km

20. Juni 2019

Wir starten heuten wieder bei schönstem Sommerwetter und fahren auf gut ausgebauten Strassen (wie immer meiden wir die Autobahn) mit wenig Verkehr in Richtung Gävle. Dort führt uns «park4night» wie immer zuverlässig zu einer Entsorgungsstation wo wir Frischwasser auffüllen und denAbwassertank, sowie die Campingtoilette leeren. Danach folgen wir der Beschreibung unseres Reiseführers «mit dem Wohnmobil nach Nord -Schweden» und besuchen die hübschen Küstendörfer Bönan und Utvalnas mit ihren gepflegten roten und gelben Häusern und schön angelegten Gärten. In Utvalnas decken wir uns in einer Fischräucherei mit über einem Kilo Lachs ein. Dies sollte für die nächsten Tage den grössten «Gluscht» stillen.

Danach darf Brummsli wieder einige Kilometer auf Schotterpiste durch den Wald düsen bevor wir wieder auf die Hauptstrasse einbiegen. Wir steuern jetzt direkt auf eine schwarze Gewitterfront zu und als wir unser Tagesziel am See bei Järvsö erreichen, beginnt es kräftig zu schütten. Das hindert uns nicht daran, eine erste Portion Räucherlachs zusammen mit einem Glas von Susi’s «Stöge Brunz» zu vertilgen (lieber Gruss an Susi und Stöge).

Hoffen wir, dass das Wetter Morgen wieder besser wird.

Wetter:                Anfangs schön und sommerlich warm, am späten Nachmittag Gewitter
Distanz:                264.2 Km

21. Juni 2019

Heute stehen wir erst um 08.30 Uhr auf. Einmal mehr scheint die Sonne vom blauen Himmel, allerdings ist es nicht mehr ganz so warm wie die letzten Tage. Nach dem Lachsfrühstück machen wir uns wieder auf die Schotterpiste. Vielerorts sind in Schweden die Strassen abseits der Hauptverkehrswege nicht asphaltiert. Dies wird durch gelbe Verkehrstafeln angezeigt, die links und recht abzweigen. Heute fahren wir den ersten Teil der Strecke hautsächlich auf solchen Pisten, einmal mit mehr, dann wieder fast ohne Schlaglöcher. Auf jeden Fall hätte unser Brummsli wieder einmal eine Wäsche nötig. Bald erreichen wir wieder das Meer, dem wir auf der Küstenstrasse, ebenfalls unbefestigt, nach Norden folgen. In Galström können wir wieder ver- und entsorgen. Allerdings ist rund um die Entsorgungsstelle ein enormer Betrieb, da die Schweden heute das Mittsommerfest feiern und mit Kind und Kegel nach einem Picknickplatz suchen.

Wir entschliessen uns heute noch bis zum Skuleskogen Nationalpark voranzukommen. Dort wollen wir, sofern das Wetter mitspielt einen oder zwei Tage bleiben um zu wandern. Auf dem Weg dorthin überqueren wir die Hochküstenbrücke (Högakustenbron), mit 1867 Metern Länge und 40 Metern Höhe eine der längsten Hängebrücken der Welt. Die Pfeiler haben eine Höhe von 182 Metern. Schliesslich erreichen wir den Park doch noch, nachdem uns das Navi schon zum zweiten Mal heute in die Pampa schicken wollte, und richten uns auf dem Parkplatz des Westeinganges ein. Heute können wir wieder einmal draussen essen, da das abendliche Gewitter ausbleibt.

Wetter:                               sonnig und angenehm warm bei 23°
Distanz:                              287.7 Km

22. Juni 2019

Während der Nacht regnet es wieder einmal, doch am Morgen verziehen sich die dunkeln Wolken schon bald und die Sonne kommt zum Vorschein. Es bläst zwar ein kalter Wind, trotzdem machen wir uns wie vorgesehen für die Wanderung bereit. Sicherheitshalber packen wir Regenschutz und winddichte Wanderjacken ein.

Der Skuleskogen Nationalpark ist recht klein und umfasst lediglich 3062 Hektaren. Seine Besonderheit liegt in der Geologie. Nach der letzten Eiszeit, begann sich das Land nach dem Abschmelzen der gewaltigen Eismassen zu heben. Dieser Vorgang dauert bis heute an und noch immer vollzieht sich die Landhebung mit fast einem Meter in 100 Jahren. An keinem anderen Ort der Welt geschieht dies in diesem Umfang. Deshalb finden sich im Park auch Geröllfelder, sowie steinerne Grabhügel aus der Bronzezeit, die ursprünglich auf Meereshöhe lagen und heute 30 bis 50 Meter über dem Meeresspiegel an den Berghängen zu finden sind.

Wir haben uns am Parkeingang mit einer kostenlosen Karte ausgerüstet, auf der alle Wanderwege eingezeichnet sind und machen uns auf den Weg zum Südeingang des Parks. Wir sind ganz alleine unterwegs. Wie schon beim Store Mosse Nationalpark führt die Wanderung teilweise auf Holzbohlen und Stegen durch die Wälder und Sumpfgebiete vorbei an kleinen Seen und grünen Waldlichtungen. Am Südeingang ist bedeutend mehr los als beim Westparkplatz und wir teilen den Pfad deshalb mit vielen kleinen und grösseren Wandergruppen. Wir sind froh den Abzweiger zu erreichen, der uns wieder zum Westeingang führt. Die anderen Wanderer folgen weiter dem Hauptweg in Richtung Nordeingang. Auf einer Anhöhe mit tollem Blick aufs Meer und die vorgelagerten Inseln werden wir von einer dunklen Wolke überrascht, und wir müssen in einer Blitzaktion die Regenausrüstung anziehen. Der Schauer ist allerdings nur von kurzer Dauer und schon bald scheint die Sonne wieder. Am späteren Nachmittag erreichen wir nach 16 Km endlich unser Brummsli und sind recht geschafft von vielen Auf- und Abstiegen und freuen uns auf einen gemütlichen Abend und einen feinen Znacht (Reis, Pouletgeschnetzeltes mit Currysauce und Salat).

Wetter:                               kühl und windig mit Sonne und vereinzelten kurzen Regenschauern
Distanz:                              0 Km

23. Juni 2019

Heute ist erneut Wandertag im Skuleskogen Nationalpark. Allerdings startet die geplante Tour nicht beim West-, sondern beim Nordeingang des Parks. Der ist bereits nach 26.5 Km erreicht. Der Parkplatz ist schon gut belegt, wir finden aber noch einen Abstellplatz für Brummsli. Bevor wir starten muss ich noch meine Blasen vom Vortag an den Fersen verarzten, doch dann geht es bei strahlendem Sonnenschein los. Zuerst wieder auf Holzstegen und breiten, weichen Waldwegen vorbei an einem Biberdamm und entlang dem Meer. Doch schon bald steigt der Pfad steil an und wir stolpern über dicke Baumwurzeln und grosse Steine unserem Ziel, dem Slattdalsskrevan, entgegen. Es handelt sich dabei um eine 200 Meter lange und 7 Meter breite Schlucht, die aussieht als wäre der Fels mit einem grossen Messer zerteilt worden.

Für den Rückweg wählen wir eine andere Route, die sich als regelrechte Kletterpartie erweist und offensichtlich wenig begangen wird. Der Weg ist schlecht unterhalten und immer wieder versperren Baumstämme den Trampelpfad. Schlussendlich erreichen wir wieder die Hauptroute unten am Meer und sind nach der 8 Km Wanderung wieder bei unserem Wohnmobil, wo es auch schon bald kurz und heftig regnet. Das stört uns aber nicht mehr, denn wir sitzen im trockenen und warmen Wohnmobil. Wir haben nur etwas Bedauern mit den Wanderern, die auf Mehrtagestouren dem Hochküstenpfad folgen und meist in Zelten auf den zahlreichen, mit Trockentoiletten und Feuerstellen ausgerüsteten Zeltplätzen übernachten.

Für heute Abend ist vermutlich wieder einmal Scrabble angesagt, denn wir haben das erste Mal in Schweden kein Netz und somit auch kein Internet.

Morgen geht es dann wieder ein Stück nordwärts der schwedisch/finnischen Grenze entgegen.

Wetter:                               sonnig um die 20°, am Nachmittag kurzer heftiger Regen
Distanz:                              26.5 Km

24. Juni 2019
Erneut starten wir heute in einen herrlich sonnigen, nicht allzu heissen Tag. Wir wollen wieder ein Stück nach Norden vorankommen und biegen deshalb auf die Hauptstrasse ein. Wärend eines Tank- und Einkaufsstopps können wir an der Tankstelle den Abwassertank leeren, jedoch ist kein Frischwasser verfügbar. Wir biegen deshalb kurz nach Umea wieder auf die Nebenstrasse zur Küste ab, denn an den Häfen ist meist ein Wasseranschluss vorhanden der auch von den Bootstouristen genutzt wird. Wir können dann in Norrfjörden, von wo die Fähre auf die Insel Holöm ausläuft, Wasser bunkern. Es zeigt sich, dass es vorausschauend war ein Set mit verschiedenen Wasseranschlüssen (1/2, 3/4 und 1 Zoll) zu besorgen, denn wir mussten jetzt schon alle Varianten nutzen.
Nach wenigen Kilometern erreichen wir das idyllische Hafenstädtchen Ratan, wo die Dorfgemeinschaft einen Stellplatz betreibt. Wir entschliessen uns hier  zu übenachten, obwohl es erst kurz nach Mittag ist. Zum ersten Mal nutzen wir einen kostenpflichtigen Platz (200 Kronen bzw. 20 Euro), dafür haben wir die Möglichkeit die Waschmaschine zu nutzen. Wir haben allerdings nur ein Handwaschmittel und kein Waschpulver. Wir erkundigen uns im Dorf nach einem Laden, der ist aber 15 Kilometer entfernt. Es scheint sich herumgesprochen zu haben, dass wir Waschmittel suchen, denn kurze Zeit später kommt einer der Platzverantwortlichen vorbei und wir können bei ihm zu Hause etwas Pulver bekommen.
Einmal mehr zeigt sich, dass die Meldungen in unserer Presse wonach in Schweden praktisch kein Bargeld mehr genutzt wird, nicht stimmen. Es gibt zwar neben den üblichen Karten die Bezahl-App "Swish", wir haben aber schon beim Einkaufen festgestellt, dass auch in grossen Einkaufszentren immer noch häufig bar bezahlt wird. So müssen wir auch heute für die Platzmiete Bargeld, vorzugsweise Schwedenkronen oder ausnahmsweise Euro, in einem Briefkasten deponieren.
Wetter:                   sonnig, 20 - 25°, kein Regen
Distanz:                   182,3 Km

25. Juni 2019

Heute frühstücken wir das erste Mal draussen. Das Aussenthermometer zeigt zwar nur 13°, aber an der Sonne ist es angenehm warm. Danach geht es wieder auf der E4 weiter. Der Verkehr ist mässig und wir nehmen es gemütlich mit 80 – 85 Km/h, obwohl zeitweise 110 erlaubt wären. Wir behindern den Verkehr nicht gross, denn die Schweden sind meist geduldige Autofahrer, die eher langsamer als erlaubt unterwegs sind. Und für die ganz schnellen, das heisst jene welche die erlaubte Geschwindigkeit auch ausnutzen, wird die Schnellstrasse alle paar Kilometer zweispurig geführt, so dass gefahrloses Überholen möglich ist.

Als heutiges Ziel haben wir uns Gammelstad vorgenommen. Dies ist eine sogenannte Kirchstadt, die 1996 von der UNESCO auf die Liste der Welterbestätten gesetzt wurde. Das Welterbegebiet umfasst die Kirche aus dem Spätmittelalter welche 1492 eingeweiht wurde, sowie der umgebenden Kirchstadt. Dabei handelt es sich um 408 kleine Holzhäuser die rund um die Kirche von der Landbevölkerung erbaut wurden. Die Häuser wurden von den Kirchgängern, die von weit herum zum Gottesdienst kamen, als Übernachtungsmöglichkeit genutzt. Die ersten Häuschen wurden im 16. Jahrhundert erbaut.

 

In der Kirche besichtigen wir die schön gestaltete, farbenfrohe Holz-Kanzel und den barocken Altarschrank, welcher 1520 in Antwerpen gefertigt wurde. Mittelalterliche Kalkmalereien schmücken die Wände und Decke.

Das heutige Gammelstad wurde vor etwa 1000 Jahre an der Mündung des Flusses Lule ursprünglich am Meer erbaut, da das Land damals etwa 10 Meter tiefer lag. Durch die Landhebung, wie schon im Bericht vom 22. Juni beschrieben, war der Hafen schon bald nicht mehr tief genug und schon 1649 wurde er deshalb an der Küste neu angelegt. Daraus entstand das heutige Lulea.

So jetzt haben wir genug Kultur und Geschichte und möchten noch eine Velotour unternehmen. Allerdings geraten wir auf Trampelpfade im nahen Naturschutzgebiet und entscheiden uns umzukehren, da wieder dunkle Regenwolken aufziehen. Der Himmel klart zwar schnell wieder auf, ohne das Regen fällt, die Fahrräder sind jetzt aber schon wieder verstaut. Deshalb machen wir nur einen kurzen Spaziergang zum nahen Freilichtmuseum Häsnan. Hier möchte ich noch anmerken, dass wir auf der ganzen Reise noch für keine Besichtigungen Eintritt zahlen mussten.

Wetter:                       sonnig, um 17 – 20°
Distanz:                       227.6 Km       

26. Juni 2019

Für heute haben wir eigentlich nur eine kurze Etappe bis nach Haparanda an der finnisch/schwedischen Grenze geplant. Die Stadt bietet allerdings nicht viel und der anfangs blaue Himmel hat sich in der Zwischenzeit mit hochnebelartiger Bewölkung überzogen und vom Meer steigen Nebelschwaden auf. Deshalb überqueren wir den Grenzfluss Torneälven der sich hier als breiter Strom in den Bottnischen Meerbusen ergiesst und setzen unsere Reise in Finnland fort. Wir fahren auf der Hauptstrasse in Richtung Rovaniemi, wo wir nach einigem Suchen einen Stellplatz direkt am Fluss Kemijoki, der auch eine beachtliche Breite aufweist, finden. Wir machen einen kleinen Spaziergang über die Brücke und schlendern durch die belebte Fussgängerzone. Es fällt auf, dass Rovaniemi als Hauptstadt von finnisch Lappland, mit vielen Hotels, Restaurants und Touristikunternehmen die allerhand Outdooraktivitäten anbieten, stark auf den Fremdenverkehr ausgerichtet ist. Wir lassen uns deshalb heute in einem Restaurant mit Spezialitäten aus Lappland verwöhnen. Das Menü besteht aus Königskrabbensuppe, geräuchertem Rentier und Rentierzunge, grilliertem Lachs und einem eher nicht landestypischen Dessert, nämlich Schokolandemousse mit Beeren. Das Essen ist ausgezeichnet und ausserordentlich ansprechend angerichtet. Die Preise bewegen sich auf dem gleichen Niveau wie in der Schweiz.

Für Morgen planen wir noch einen Ausflug zum Weihnachtsmanndorf und werden den Polarkreis überqueren.
Wir werden uns dann, statt direkt ans Nordkap zu fahren, weiter östlich halten um in Nordnorwegen an der  Barentssee bis zur russischen Grenze zu gelangen.

Wetter:                               anfangs sonnig, dann Hochnebel und in Rovaniemi wieder leicht bewölkt, max. 20°
Distanz:                               251.9 Km

27. Juni 2019

Beim Öffnen der Fenster sehe ich heute Morgen eine kleine Herde Rentiere auf einer Sandbank des Flusses liegen und wiederkäuen. Es dauert nicht lange bis sich eine ziemliche Menschenmenge versammelt hat um die Tiere zu beobachten.

Wir machen uns nach dem Essen wieder auf den Weg und erreichen schon nach wenigen Kilometern das Weihnachtsmanndorf. Eigentlich ist es eine Ansammlung von Hotels, Restaurants und Andenkenläden die alle erdenklichen Artikel verkaufen die irgendwie mit dem Weihnachtsmann zu tun haben. In jedem Shop gibt es auch eine kleine Ausstellung zum Weihnachtsfest und einen Samichlaus mit dem man sich fotografieren lassen kann. 1972 wurde Lappland per Parlamentsbeschluss zum Weihnachtsmannland erklärt und seither perfekt vermarktet. Mitten durch das Dorf zieht sich auch eine weisse Linie, die den Polarkreis auf 66°33’35’’ nördlicher Breite markiert. In der Nacht vom 21. Zum 22. Juni, der Sommersonnenwende, geht die Sonne am nördlichen Polarkreis nicht unter und zur Wintersonnenwende im Dezember nicht auf. Auf der Südhalbkugel ist es umgekehrt.

Wir überqueren also den Polarkreis und fahren weiter bis nach Luosto. Hier wollen wir eine Amethystmine besichtigen. Allerdings ist dazu vom Parkplatz ein 2.5 Km langer Anmarsch notwendig und mich plagt immer noch eine grosse Blase an der Ferse, die sich zu entzünden droht. Ich höre deshalb auf den Rat von Elsbeth und wir verzichten auf die Tour um keine Komplikationen zu riskieren. Zudem fängt es an stark zu regnen, so dass mir der Entscheid etwas leichter fällt.

Wir setzen die Fahrt deshalb fort und erreichen bald Sodakylä. Wir machen noch ein paar Einkäufe, unter anderem auch einige Flaschen Wein, da unser mitgebrachter Vorrat schon zu Ende ist. Ausserdem erstehen wir eine kleine Flasche finnischen Brantwein um meine Blase richtig zu desinfizieren. Alkohol kann nur in speziellen Läden gekauft werden. Wir haben mit deutlich höheren Preisen als in der Schweiz gerechnet, diese sind aber durchaus mit unserem Preisniveau vergleichbar. Ab 10 Euro gibt es schon einen guten Tropfen. In Sodakylä steht die älteste Holzkirche Lapplands die 1689 erbaut wurde und sehr sehenswert ist. Die Besichtigung lässt sich mit einem kurzen Spaziergang am Fluss Kitinen verbinden.

Die Vegetation ändert sich, je weiter wir nach Norden vorstossen. Wie in Schweden wird die Landschaft dominiert von Seen, Flüssen, Mooren und Wäldern, allerdings werden die Nadelbäume zusehends rarer und durch Birken verdrängt. Während der Fahrt begegnen uns immer wieder halbwilde Rentierherden die gemächlich auf der Strasse trotten und uns zum Abbremsen zwingen.

Schliesslich finden wir einen Übernachtungsplatz an einem See auf dem wir ganz alleine stehen.

Wetter:                               bedeckt mit teils kräftigen Regengüssen, gegen Abend sonnig, 13 – 15°
Distanz:                              209.1 Km

28. Juni 2019

Heute wachen wir beide um 03.00 Uhr am Morgen auf und schauen aus dem Fenster. Der Himmel ist wolkenlos, blau und die Sonne scheint. Trotzdem legen wir uns nochmals hin und schlafen eine Runde bis etwa 8 Uhr.

Da wir einen einsamen, versteckten Übernachtungsplatz ausgewählt haben, kann ich heute zum ersten Mal die Aussendusche ausprobieren. Es ist zwar mit 14° noch recht kühl aber windstill und im Gegensatz zum Vorabend sind keine Mücken auszumachen. Deshalb wage ich es. Die ganze Installation bewährt sich auch: Das Wasser lässt sich wunderbar dosieren und die Temperatur gut einstellen. Vor allem habe ich aber mehr Platz als in der kleinen Duschkabine im Innern und die Putzerei fällt erst noch weg.

Dann geht es wieder weiter nordwärts. Unseren ersten Stopp machen wir beim Goldmuseum in Tankavaara. Hier wird eindrücklich die Geschichte der Goldsucher Lapplands gezeigt. Auch weitere Goldfundorte auf der ganzen Welt, unter anderen im Napfgebiet und bei Disentis, sind dokumentiert. Zudem gibt es die Möglichkeit selber mit der Goldpfanne nach dem gelben Metall zu suchen. Wir lassen das aber sein, und ziehen es vor einen kleinen Spaziergang auf einem Waldlehrpfad zu unternehmen bevor wir die Fahrt mit einem Abstecher zum Aussichtsberg «Kaunispää» fortsetzen. Die Strasse führt bis zum Gipfel auf 438 Metern über Meer und bietet einen wunderbaren Rundblick über die ganze Region die als Skigebiet genutzt wird und mit Liften und Bahnen erschlossen ist.  Im Bergrestaurant suchen wir Schutz vor dem nächsten Regenschauer und dem kalten Wind. Ein Kaffee und ein Stück Heidelbeerkuchen helfen die Wartezeit zu verkürzen bis sich die Sonne wieder zeigt.

Immer wieder begegnen uns Rentierherden, die den Wald verlassen und die Strasse mit ihren Jungen überqueren. Auffällig sind die schlanken nordischen Fichten, die mit ihren kurzen, abfallenden Ästen der Schneelast der harten Winter trotzen.

Endlich erreichen wir den Inarisee mit seinen vielen Buchten und angeblich 3000 Inseln. Er ist der grösste See Finnlands und mehr als doppelt so gross wie der Bodensee. Kurz vor unserem Tagesziel Inari steigen wir noch auf zum «Bärennest». Es handelt sich dabei um einen hohlen Felsen. Die Legende sagt, dass hier während eines Unwetters ein Bär und ein Mensch friedlich zusammen übernachtet haben. Bei dem Steinbrocken handelt es sich um eine ehemalige Gletschermühle, die während der Eiszeit auf den Hügel transportiert und auf den Kopf gestellt wurde.

In Finnland gibt es, im Gegensatz zu Schweden, kein Netz von Entsorgungs- und Versorgungsstationen für Wohnmobile. Dies muss in der Regel, gegen Bezahlung, auf einem Campingplatz erledigt werden. Unsere Toilettenkassette ist wieder ziemlich voll und der Wassertank sollte gefüllt werden. Deshalb steuern wir einen Platz kurz vor Inari an und entscheiden uns hier gleich die Nacht zu verbringen, da wir die Möglichkeit haben unsere Wäsche zu waschen. Brummsli bekommt einen Standplatz direkt am See. Wir packen uns warm ein, denn die Temperaturen liegen den ganzen Tag meist unter 10° und machen nochmals ein Raclette auf dem Grill.

Morgen erreichen wir Norwegen und fahren zuerst ganz in den Osten an die russische Grenze. Gemäss Reiseführer ist die Netzabdeckung in dieser Region nicht mehr überall gewährleistet, so dass wir vielleicht nicht immer erreichbar sein werden.

Wetter:                               kalt, nass, windig, am Abend sonnig, meist zwischen 7 und 10°
Distanz:                              171.9 Km

29. Juni 2019

Heute sieht es ganz schlimm aus, wolkenverhangener Himmel und strömender Regen. Also wird schnell gefrühstückt, Abwasser und Toilette entsorgt und Frischwasser aufgefüllt. Am Dorfausgang von Inari noch auftanken und ein paar Kleinigkeiten einkaufen und dann weiter Richtung Norwegen. Die Strasse schlängelt sich durch Wälder und Moore vorbei an unzähligen Seen. Immer wieder begegnen wir Radfahrern die sich mit viel Gepäck durch den Regen über die unzähligen Steigungen quälen. Die tun uns wirklich leid, denn wir wissen von unseren eigenen Radtouren, dass Nässe und Kälte etwas vom Schlimmsten sind.

Der Grenzübertritt nach Norwegen erfolgt formlos. Es stehen lediglich Videokameras auf hohen Stangen und auch am Grenzgebäude, welche ein paar hundert Meter später folgt, ist niemand zu sehen. Die Landschaft hat sich jetzt fast schlagartig geändert. Die Moore sind spärlicher geworden und die Nadelbäume verschwinden ganz. Dafür wachsen fast nur noch niedere Birken und Erlen. Die Strasse führt in Schlangenlinie entlang der Küste, gesäumt von hohen, durch Gletscher abgeschliffene Felsen. Wir passieren Kirkenes, den Endpunkt der Hurtigruten, und folgen weiter der E105 bis Storskog, wo die Strasse nach Murmansk abzweigt und die Grenze nach Russland passiert werden muss, halten uns aber links und fahren in Richtung Grense-Jacobselv, dem östlichsten Zipfel Norwegens. Die Strasse ist schmal, wellig und hat unzählige Schlaglöcher und die letzten Kilometer vor unserem Tagesziel endet auch der Asphaltbelag. Es geht über in eine Schotterpiste entlang dem Grenzfluss bis zu einem Picknickplatz am Meer. Hier steht schon eine ganze Reihe von Wohnmobilen und wir finden gerade noch einen Platz. Ganz hartgesottene bauen ihre Zelte auf um hier die Nacht zu verbringen.

Der Regen lässt langsam nach. Deshalb machen wir einen Spaziergang dem Strand entlang bis zur Mündung des Grenzflusses. Auf der anderen Seite stehen die russischen Wachtürme und Grenzpfähle, es ist aber keine Menschenseele zu sehen.

Wetter:                               starker Regen und Wind, trüb und kalt (um 7°), gegen Abend trocken
Distanz:                              239.7 Km  

30. Juni 2019

Gestern Abend nach dem Nachtessen haben sich die Wolken doch tatsächlich komplett verzogen und alle Anwesenden Camper bereiten sich darauf vor, die Mitternachtssonne beobachten. Draussen im Fjord ist ein grosser Schwarm Seevögel seit längerem dabei Fische zu jagen. Die ganze Vogelschar hält sich nur etwa 50 Meter vom Strand auf und die einzelnen Tiere tauchen im Sturzflug ins Wasser um ihre Beute zu fangen. Einer der deutschen Urlauber erzählt uns, dass er schon öfter hier war um Beluga- und Schweinswale zu beobachten. Diese halten sich angeblich nur wenige Meter vom Strand entfernt auf. Heute sind allerdings keine zu sehen.

Wir trinken draussen vor dem Wohnmobil noch ein Glas Wein und beobachten den Lauf der Sonne, die sich jetzt am Nordhimmel von West nach Ost bewegt und auch um Mitternacht noch einiges über dem Horizont steht. Einer der Camper ist am Felsstrand am Angeln und holt im Minutentakt ansehnliche Brocken aus dem Wasser. Wir sehen, wie er innerhalb von nur etwa 10 Minuten sieben Fische fängt. Doch dann wird es Zeit ins Bett zu gehen.

Heute ist immer noch wunderbares Wetter. Wir fahren die etwa 60 Kilometer zurück nach Kirkenes und zweigen nach Süden ab. Die Strasse führt fast 100 Km am Grenzfluss Pasvikelva zu Russland entlang. Wir wollen den Ovre Pasvik Nationalpark besuchen. Auf dem Weg dahin halten wir beim Bjorglund-Hof an, eine der ersten Ansiedlungen im Pasviktal, der als Museum erhalten blieb. Heute sind die Gebäude, die noch die komplette Einrichtung enthalten sollen, verschlossen. 

Wir fahren deshalb weiter bis zum Wachturm auf der Höhe 96, von dem aus man einen weitreichenden Blick auf das Umland und über die Grenze hinweg bis zur russischen Bergbaustadt Nikel mit ihren rauchenden Schloten hat. Die Industrieanlagen sollen in der Umgebung der Russischen Stadt ein grossflächiges Waldsterben ausgelöst haben.

Wir fahren auf der mit vielen Schlaglöcher und Bodenwellen gespickten Strasse weiter bis wir die letzten 9 Km in eine schmale Schotterstrasse einbiegen, die uns zum Parkplatz des Nationalparks, direkt an einem See bringt. Der Park ist ein Naturparadies in dem sich neben Wölfen, Luchsen und Vielfrassen auch 10 bis 20 Braunbären aufhalten sollen. Wir machen trotzdem eine kleine Wanderung dem See entlang auf dem einzigen Wanderweg im Park. Im Nationalpark befindet sich auch das Dreiländereck Norwegen-Finnland-Russland.

Wir sind jetzt ganz alleine auf dem Platz und stellen uns auf eine ruhige Nacht, hoffentlich ohne Bärenbesuch, ein. Aber bis zum Schlafengehen dauert es noch eine Weile. Da wir keinen Handyempfang und kein Internet haben ist nochmals ein Spaziergang angesagt und danach entfachen wir an einer der diversen Feuerstellen eine schönes Füürli (mit nur einem Streichholz, trotz Regen vom Vortag). Dazu hören wir Bruce Springsteen und Mark Knopfler und jagen die grossen Moskitos, die trotz Mückenspray um unsere Köpfe schwirren. Um Mitternacht ist Schluss, das Feuer wird ordentlich gelöscht und dann ab ins Körbchen.

Wetter:                               sonnig mit Wolkenfeldern, um 15°
Distanz:                              146.7 Km

1. Juli 2019
Heute geht es auf der gleichen holprigen Strasse von gestern zurück nach Kirkenes. Dort können wir am Hafen entsorgen und Frischwasser auffüllen und beobachten das Hurtigrutenschiff Kong Harald beim Auslaufen , bevor wir uns weiter machen in Richtung Varanger Halbinsel. Dort wollen wir bis nach Hamningberg fahren. Dies ist uns für einen Tag aber zu weit, da uns das Navi für die Strecke von etwa 350 Km ab dem Ovre Pasvik Nationalpark eine Fahrzeit von über 7 Stunden angibt. Wir machen deshalb noch einen kurzen Stopp beim Skoltefossen, einem Wasserfall, den wir von Finnland her schon passiert, wegen dem schlechten Wetter aber nicht angehalten haben. Danach suchen wir uns am Varangerfjord einen einsamen aber windigen Platz für die Nacht. Auch hier erkunden wir die Umgebung entlang der Felsenküste zu Fuss bevor wir uns wieder ins warme Brummsli zurückziehen.

Wetter:                               sonnig mit Wolkenfeldern, um 15°
Distanz:                              194.0 Km

2. Juli 2019
Heute zieht beim Morgenessen gemächlich eine Herde Rentiere vor unserem Fenster vorbei und lässt sich beim Grasen nicht durch uns stören.

Für heute haben wir uns Hamningberg an der Nordküste der Varanger Halbinsel als Tagesziel vorgenommen. Wir folgen dem Varanger Fjord nach Westen bis an sein Ende und fahren dann auf der gegenüberliegenden Seite wieder nach Osten. In Vadso machen wir den ersten Halt und können am Hafen entsorgen und im nahen Einkaufszentrum ein paar Besorgungen machen. Nicht weit davon steht ein alter, rot bemalter Metallmast, der an einen alten Hochspannungsmast ohne Drähte erinnert. Es handelt sich um einen Haltemast für Zeppeline aus dem Jahre 1926. Von hier aus hat der italienische General Umberto Nobile zusammen mit Roald Amundsen im Luftschiff «Norge» erstmals den Nordpol überflogen. Zwei Jahre später scheiterte eine weitere Expedition von General Nobile wegen einem heftigen Sturm. In einer gewagten Rettungsaktion unter Leitung von Roald Amundsen wurden die Männer vor dem sicheren Tod in der Arktis bewahrt. Amundsen selber kehrte von einem der Rettungsflüge nicht zurück und blieb verschollen.

Wir setzen unsere Fahrt für ein paar Kilometer fort und bis zur Halbinsel Store Ekkeroy die wir über einen flachen Sandstrandbogen erreichen. Dort unternehmen wir eine kleine Wanderung ins nahe Naturreservat, dessen Steilküste von einer Vielzahl von Seevögeln als Nistplatz genutzt wird. Oben auf dem Plateau stossen wir auf die Überreste deutscher Geschützstellungen aus dem 2. Weltkrieg.

Dann geht es weiter durch die baumlose Landschaft. In den unter Schutz stehenden Sanddünen am Meer grasen kleine Gruppen von Schafen, die immer wieder gemächlich über die Strasse spazieren. Kurz vor Vardo, der östlichsten Stadt Norwegens und der einzigen in der arktischen Klimazone, erklimmen wir auf einer steilen Schotterpiste mit 4WD und Geländeuntersetzung den Domen. Von hier bietet sich ein toller Blick auf Vardo, welche mit seinen etwa 2000 Einwohnern auf einer Insel erbaut wurde und über einen Tunnel erreicht wird, der bis zu 88 Meter unter dem Meeresspiegel liegt. Auffällig sind die grossen Kugeln der Globus 2 Radarstation, die offiziell zur Beobachtung von Weltraummüll aber auch für die die Rakentenabwehr der USA genutzt wird. Eine weitere Station, Globus 3, ist im Bau.

Wir setzen unsere Fahrt fort in Richtung Hamningberg. Die Strasse wird immer schmaler und die Landschaft ändert sich schlagartig: Schroffe Felsen flankieren die Strasse. Die einst horizontalen Gesteinsschichten wurden 90° gedreht und ragen nun wie Haifischzähne steil in die Höhe. Dazwischen stehen kleine Ferienhäuschen in der unwirtlichen Szenerie. Endlich öffnet sich die Landschaft in einen Sandstrandbogen, an dessen Ende eine Ansammlung bunter Häuser den Fischerort Hamningberg bilden. Auf einer grossen Wiese direkt an der Barentssee, welche als Stellplatz genutzt werden darf, stehen schon einige Camper mit gebührendem Abstand zum Nachbarn.  Auch wir suchen uns ein ebenes Plätzchen für die nächste Nacht. Bevor wir uns ans Kochen machen, ziehen wir uns warm an und unternehmen einen kleinen Erkundungsspaziergang ins Dorf und beobachten die Rentiere, die in der Siedlung und zwischen den Wohnmobilen grasen. Hamningberg war um 1900 ein bedeutender Fischereihafen und einer wenigen Orte der Finnmark welcher durch die Deutschen im 2. Weltkrieg nicht zerstört wurde.

Wetter:                               bedeckt und trocken, um 13°
Distanz:                              215.7 Km

3. Juli 2019

Heute haben wir uns entschieden noch einen Tag in Hamningberg zu bleiben. Das Wetter ist zwar mässig: Nieselregen und Nebel. Wir lassen den Tag daher ruhig angehen und machen uns erst kurz vor Mittag auf einen Spaziergang an den Strand. Vorbei an den Überresten des verlassenen Fischerdorfes Syltevik und Unmengen an angeschwemmtem Strandgut, neben jeder Menge an Treibholz, vielen metallenen Schwimmkörpern von Schleppnetzen leider auch immer wieder Plastikteile. Schliesslich entdecken wir am Ufer einen grossen verendeten Wal. Der scheint schon eine ganze Weile hier zu liegen, denn er besteht fast nur noch aus Haut und Knochen und müffelt nur noch mässig. Der Nebel wird immer dichter und wir haben in der Steinwüste von Stand den Weg verloren. Deshalb kehren wir zurück zu Brummsli, machen ein Nickerchen um dann nochmal einen kurzen Spaziergang auf den Hardbacken, den Hausberg von Hamningberg, zu unternehmen. Gemäss Reiseführer müssten wir von hier einen wunderbaren Blick auf das Fischerdorf, die Barentssee und die angrenzenden Berge haben. Leider steckt der Gipfel heute aber in dichtem Nebel. Wir begnügen uns daher damit die Relikte deutscher Vergangenheit zu besichtigen. Der ganze Gipfel ist mit Bunkern, Schützengräben und Kanonenstellungen überzogen. Auf dem Rückweg besichtigen wir noch den alten Friedhof, wo gleich daneben archäologische Ausgrabungen im Gange sind, da die Umgebung hier schon seit etwa 6000 Jahren besiedelt ist.

Wieder zurück in unserem mobilen Heim stellen wir zu ersten Mal die Heizung ein, denn die kühlen Aussentemperaturen haben auch das Thermometer im Innern auf unter 20° fallen lassen. Unsere Truma Dieselheizung funktioniert wunderbar und schon nach wenigen Minuten haben wir wohlig warm und geniessen einen Schluck Riesling und ein paar Chips.

Morgen soll es dann wieder zurück nach Varangerbotn gehen da die Strasse hier in Hamningberg zu Ende ist. Von dort aus wollen wir noch weitere Teile der Varanger Halbinsel erkunden, die mit dem Auto zugänglich sind.

Wetter:                               neblig, Nieselregen, unter 10°
Distanz:                              0 Km

4. Juli 2019
Gestern Abend nach 10 Uhr klopft es plötzlich an unserer «Wohnungstür». Draussen steht ein junger Mann mit mächtiger Fellmütze. Es ist Marcel, ein Schweizer aus Madiswil, der sich darüber freut, Landsleute zu treffen. Es ist tatsächlich so, dass wir hier im hohen Norden nur wenige Schweizer treffen. Wir bitten Marcel herein, da es draussen saukalt ist und regnet. Marcel erzählt uns, dass er mit seiner Frau Maja und den beiden Kindern eine Auszeit nimmt, und 9 Monate mit dem Wohnmobil in Europa unterwegs ist. Maja und Marcel betreiben in Madiswil eine Schmiede. Sie stellt aus Damaszenerstahl einzigartige Paarringe her. Er schmiedet aus dem gleichen Material kunstvolle Messer (www.elements4art.ch). Wir haben uns sehr gefreut Marcel und Maja kennenzulernen.

Nach einer regnerischen Nacht machen wir uns wieder auf die Socken. Unterwegs nach Varangerbotn wird wieder getankt, ent- und versorgt und eingekauft. Und für den Laptop brauche ich eine neue Maus, da die alte den Geist aufgegeben hat.  Immer wieder ärgerlich ist auch der teils schlechte Zustand der Entsorgungsstationen, ich werde den Verdacht nicht los, dass die Installationen zum Teil durch die Benutzer selber unsachgemäss gehandhabt und beschädigt werden. Ganz nach dem Motto «nach mir die Sintflut».

Wir folgen dem mächtigen Fluss «Tana» mit seinen riesigen Sandbänken nach Norden. Und wieder ist es so, dass die Vegetation umso spärlicher wird, je weiter wir nach Norden vorstossen. Im Gegensatz zu vorgestern sind die Berge aber nicht mehr schroff und abweisend, sondern sanft geschwungen und von Gletschern zu runden Kuppen geschliffen. Wir finden wieder einen tollen Übernachtungsplatz auf einer weiten Ebene am Tanafjorden und haben den Eindruck in Alaska zu sein. Wieder unternehmen wir kleine Spaziergänge im nahen Naturreservat mit reicher Vogelwelt.

Morgen wollen wir weiter nach Berlevag, Batsfjord und je nach Strassenzustand (gemäss Karte nur ein Fahrweg) noch nach Nordfjord im Norden der Varanger Halbinsel.

Wetter:                anfangs Nieselregen, ab Mittag trocken und bewölkt, unter 10°
Distanz:                207.5 Km

5. Juli 2019
Heute starten wir bei ordentlichem Wetter, es ist zwar leicht bewölkt aber trocken. Wir fahren in Richtung Batsfjord und durchqueren dabei eine kahle, nur spärlich bewachsene Hügellandschaft. Die Strasse steigt an auf etwa 350 Meter und schon bald kommt heftiger Wind auf der uns Wolken und immer stärker werdenden Regen bringt. Endlich erreichen wir den Fischereihafen Batsfjord. Wir hatten eigentlich ein kleines verträumtes Nest erwartet und sind deshalb um so mehr erstaunt so weit vom Schuss eine regelrechte kleine Stadt anzutreffen. Wir machen deshalb, trotz Regen, eine kleine Tour zum Hafen und ins Zentrum bevor wir uns wieder ins trockene Wohnmobil zurückziehen und die Fahrt in Richtung Nordfjord fortsetzen.

Gemäss Strassenkarte sollte dorthin nur ein Fahrweg führen. Die Strasse ist aber komplett neu ausgebaut und asphaltiert. Wir erreichen Nordfjord deshalb nach etwa 30 Km recht bald. Inzwischen ist der Wind zu einem regelrechten Sturm angewachsen und Brummsli wird ordentlich durchgeschüttelt. Wir suchen deshalb Unterschlupf im einzigen Kaffee des kleinen, hübschen Ortes. Das kleine Restaurant mit Touristeninformation wird von den Frauen des Örtchens im Gemeindehaus betrieben. Es gibt Kaffee aus der Thermoskanne und selbstgemachte Waffeln, Muffins und Kuchen. Die ganze Region scheint ein Paradies für Fischer zu sein, denn im Kaffee werden auch Köder für das Fliegenfischen und das Angeln im Meer verkauft. Das Angelpatent kann auch gleich vor Ort erworben werden.

Bald geht es weiter in Richtung Berlevog. Bei stürmischem Wind und heftigem Regen folgen wir der zerklüfteten Küste, passieren das hübsche Fischerdorf Kongsfjord, bis wir Berlevog erreichen. Auf dem Campingplatz finden wir Unterschlupf. Eigentliche haben wir die Hoffnung im Fischerstädtchen ein gutes Fischrestaurant zu finden. Allerdings werden wir durch die Auskunft an der Reception des Campingplatzes enttäuscht. Es gibt in ganzen Ort nur eine Streetfood-Bude und einen Pub. Deshalb gibt es heute die letzte Portion selbstgemachte Spaghetti-Sauce die wir noch daheim vorbereitet haben und hoffen auf besseres Wetter für Morgen.

Wetter:                               orkanartiger Sturm, Regen und 5 – 10°
Distanz:                              212.1 Km

6. Juli 2019
Heute ist es immer noch neblig und trüb. Allerdings regnet es nicht mehr, sondern nieselt nur noch leicht aus dem Nebel. Wir nutzen nochmals die Infrastruktur des Campingplatzes, duschen ausgiebig und entsorgen Abwasser und Toilette. Danach geht es zurück nach Tanabru und von dort auf der anderen Seite des Flusses Tana wieder nordwärts bevor wir an der Mündung des Tana in den Tanafjord nach Westen abbiegen. Das Wetter ins in der Zwischenzeit auch besser geworden, es ist trocken aber bedeckt.

Die Strasse führt uns wieder durch zum Teil menschenleeres Gebiet, vorbei an Nebenarmen des Tanafjord und über steile Bergstrassen. In der Höhe ist die Vegetation wieder nur spärlich und besteht hauptsächlich aus Moosen, Flechten und niedrigen Stauden, während der Tana Fluss noch von Birken und Farnen gesäumt war. Es gibt nur wenig Verkehr auf der zum Teil mit Schlaglöchern gespickten Strasse. Auch begegnen uns immer wieder Leute, die wir schon früher getroffen haben. Soeben ist auf dem Übernachtungsplatz, den wir heute hoch über dem Laksefjord gewählt haben, ein Franzose mit seinem Sprinter-Van angekommen, den wir schon in Hamningberg, bei der Entsorgung in Vadso, und heute Morgen beim Entsorgen in Berlevag getroffen haben. Auch einige Radfahrer (z.T. ältere Semester), die sich über die anspruchsvolle Strecke abmühen, haben wir schon an früheren Tagen überholt.

Noch eine Anmerkung zum Begriff «menschenleer». Die Gemeinde Berlevag mit dem gleichnamigen Hauptort, wo wir die letzte Nacht verbracht haben, hat gemäss Wikipedia eine Fläche von 1120 Quadratkilometern und nur 981 Einwohner (zum Vergleich: der Kanton Aargau hat 1404 Quadratkilometer und 671000 Einwohner). Das heiss, es lebt im Durchschnitt nicht einmal eine Person auf einem Km2.

Heute machen wir noch einen kleinen Spaziergang an den Laksefjord, müssen aber auf den Klippen umkehren und den gleichen Weg zurückgehen. Es gäbe zwar kleine Holzleitern als Kletterhilfe, der Weg über die rutschigen Schiefersteine ist uns aber zu mühsam.

Morgen wollen wir bei Gamvik bis zum Leuchtturm ganz im Norden der Nordkinn Halbinsel fahren. Dabei solle es sich um den nördlichesten Punkt auf dem europäischen Festland (das Nordkap liegt ja auf einer Insel) handeln, der mit dem Wohnmobil erreicht werden kann.

Wetter:                               Bedeckt und kalt aber trocken, um 7°
Distanz:                              229.4 Km

7. Juli 2019
Letzte Nacht ist wieder ein gewaltiger Sturm aufgekommen und hat uns ziemlich durchgeschüttelt. Dafür erblicken wir am Morgen durch das Dachfenster einen wolkenlosen, blauen Himmel. Auch die Temperaturen sind an der Sonne schon um 08.30 Uhr angenehm warm und wir können im T-Shirt nach draussen. Der Franzose mit dem Sprinter erzählt uns, dass am frühen Morgen zwei Füchse auf dem Rastplatz nach Essensresten gesucht haben. Wir fachsimpeln noch ein wenig über unsere unterschiedlichen Camper. Dann verabschieden wir uns, und scherzen, dass wir uns sicher später nochmals sehen werden.

Die Strasse schlängelt sich wieder entlang der Küste, steigt an über Hügel und führt wieder runter zum nächsten Fjord. Zuerst karg bewachsen, ändert sich die Landschaft plötzlich und wird abgelöst durch eine steinige Einöde, in der sich in unzähligen Seen das Wasser sammelt. Wir treffen immer wieder auf grosse Rentierherden, die beidseits der Strasse mit ihren Jungen grasen. Im Sommer sollen tausende der Tiere in der Region weiden und werden erst im Herbst in riesige Holzgatter zusammengetrieben.

Eine schmale Landbrücke, mit dem Hopsfjord im Osten und dem Eidsfjord im Westen, verbindet die Nordkinnhalbinsel mit dem Festland. Schon bald durchqueren wir den kleinen Ort Mehamn. Jetzt sind es nur noch wenige Kilometer bis nach Gamvik, unserem Tagesziel. Obwohl der Himmel von Hochnebel bedeckt ist, und ein kalter Wind weht, entschliessen wir uns, wie vorgesehen, hier zu bleiben. Wir rüsten uns mit warmer Kleidung (Prinzip Zwiebelschale), Mütze und Handschuhen aus und unternehmen eine Wanderung auf dem Kultursti, einem Wanderweg der uns während etwa zwei Stunden zu verschiedenen verlassenen Siedlung entlang der Küste führt. Der Weg ist gut markiert und Schautafeln geben Erklärungen zu den Siedlungsresten, darunter auch ein Steinlabyrinth, das aus dem 12. – 16. Jahrhundert stammen soll. Die erste Besiedlung der Region soll schon in der Steinzeit um 8000 v.Chr. stattgefunden haben. Am Horizont ist ein Bergrücken zu erkennen, der dem Profil des Polarforschers Roald Amundsen mit seiner Hakennase ähnlichsehen soll.

Nach dem interessanten Spaziergang wärmen wir uns im Brummsli bei Kaffee und Guetzli auf, bevor wir uns nochmals nach draussen wagen und zum nahen Leuchtturm wandern. Dort treffen wir auf Marcel und Maja, die wir schon im Hamningberg kennengelernt haben.

Wetter:                               erst sonnig und warm, in Gamvik Hochnebel um 9° mit starkem Wind
Distanz:                              100.0 Km

8. Juli 2019
Heute ist wieder ein prachtvoller Tag: Wolkenloser Himmel, kein Wind und milde Temperaturen. Weiter draussen im Meer ist zwar eine Nebelbank zu sehen, die kümmert uns aber nicht. Heute sind wieder T-Shirt und Sandalen ohne Socken angesagt. Kaum zu glauben wie wir uns gestern so warm einpacken mussten.

Wir fahren also über Gamvik zurück nach Mehamn wo wir zuerst einmal im Coop unsere Vorräte ergänzen, Entsorgen und Diesel nachfüllen da wir langsam knapp an Treibstoff sind und Tankstellen eher rar sind hier im Norden.

Als erstes Etappenziel haben wir Kjollefjord auf der Liste. Ein kleiner Fischerhafen an der Westküste der Nordkinnhalbinsel. Wir spazieren durch das Dörfchen, in dem wie üblich eher wenig los ist. Ein paar Imbissbuden, ein Restaurant und Hotel, ein Coop und ein Wein- und Schnapsgeschäft. Da in Skandinavien in gewöhnlichen Lebensmittelgeschäften nur Bier erhältlich ist und Höherprozentiges nur in lizenzierten Läden verkauft werden darf, hoffen wir hier unser Weinlager wieder füllen zu können. Wir habe die letzte Flasche schon vor Tagen geleert. Doch leider ist das Geschäft am Montag geschlossen und auch sonst nur an wenigen Nachmittagen geöffnet. So werden wir auch weiterhin ohne ein Gläschen Wein auskommen müssen.

Auf dem Weg zurück auf die Hauptstrasse 888 entdecken wir eine Abzweigung in eine unbefestigte Strasse. Der Wegweiser gibt an: Skjotningberg 12 Km. Da Brummsli schon eine ganze Weile nicht mehr über längere Strecken Schotterpiste fahren durfte, biegen wir kurzentschlossen ab. Streckenweise geht es ziemlich steil nach oben und über viele Schlaglöcher. Wir sind froh um unseren hohen Radstand und auch das 4WD schadet nicht. Endlich erreichen wir das kleine Nest und stellen unser Auto am Wanderparkplatz am Ortseingang ab.

 

Auf der Informationstafel werden wir mehrsprachig, auch auf Deutsch, über die Geschichte der Siedlung aufgeklärt. Skjotningberg war Anfang des 19. Jahrhunderts ein wichtiger Fischereihafen mit über 200 Einwohnern. Damals wurde die Fischerei noch mit Ruderbooten betrieben. Deshalb waren die Fischerdörfer nahe bei den Fanggründen. Mit dem Aufkommen der grösseren Fangboote verloren diese Ortschaften, wie schon Hamningberg auf der Varanger Halbinsel, an Bedeutung und wurden aufgegeben. Um 1890 lebte nur noch ein einzelner Mann in Skjotningberg, heute hat niemand mehr einen festen Wohnsitz hier. Die Häuser werden nur noch als Wochenend- und Feriendomizil für Familien aus Kjollefjord genutzt, die meist ihre Wurzeln im Dorf haben. Wir entschliessen uns zu einer kleinen Wanderung durch das Dorf und dem Strand entlang. Gemäss Informationstafel soll sich in den Klippen eine kleine Höhle befinden, in der sich Fischer mit ihren Familien vor den deutschen Truppen versteckten, dann aber doch entdeckt wurden. Auf einer Terrasse sitzen einige Männer bei einem Bier und erzählen uns, dass auf der anderen Seite des Sandstrandes ein toter Wal liegt. Wir machen also zuerst die «Höhlenwanderung» die uns über Geröllhalden und Klippen führt. Es gibt allerdings keinerlei Markierungen und der Weg ist nur schwer zu erkennen. Deshalb kehren wir nach etwa 30 Minuten um ohne die Höhe gefunden zu haben. Es ist eine Strecke von 2 Km (hin und zurück) angegeben die wir eigentlich zurückgelegt haben sollten.

Zurück im Dorf machen wir uns auf dem Sandstrand auf zur anderen Seite der Bucht. Tatsächlich liegt da ein schon ziemlich verrotteter Wal. Die Wirbelsäule liegt teilweise frei nur der Kopf ist noch zu erkennen. Es stinkt recht stark, so dass wir uns nicht all zu lange dort aufhalten und zu Brummsli zurückkehren. Wir kehren zurück auf die Hauptstrasse und zweigen bei der Landbrücke, welche die Nordkinnhalbinsel noch mit dem Festland verbindet ab nach Skjanes, einem kleinen Fischerort am Hopsfjord. Auf 25 Km führt uns die kurvenreiche Strasse entlang der Küste zu unserem herrlich gelegenen Ziel. Am Ortseingang stürzt ein Wasserfall in den Fjord, auf Trockengestellen sind wieder unzählige Fischköpfe zum Trocknen aufgehängt und auch hier wird auf Informationstafeln auf Wanderungen aufmerksam gemacht.

Es ist schon bald 17 Uhr und es wird Zeit, dass wir uns einen Übernachtungsplatz suchen. In Skjanes würde sich der Parkplatz beim Friedhof anbieten, wir entscheiden uns aber ein Stück entlang dem Fjord zurück zu fahren. Dort haben wir schon bei der Herfahrt einen möglichen Platz entdeckt. Nochmals darf Brummsli mit 4WD und Geländeuntersetzung eine steile Schotterstrasse hochfahren. Dort finden wir einen ebenen Platz, der von der Strasse nicht einsehbar ist und wo wir ganz alleine stehen können.

Nach dem Nachtessen, diesmal schnelle Küche (Linsen mit Speck aus der Dose und Würstchen, dazu Gurkensalat mit Peperoni, Tomaten und viiiiel Knoblauch) machen wir auf Rentierpfaden noch einen Spaziergang in der Umgebung. Heute müssen wir wieder einmal ohne Handyempfang und damit ohne Internet auskommen. Das heisst entweder Scarbble, Kreuzworträtsel oder Sudoku.

Wetter:                               sonnig, wolkenlos, windstill und warm, um 20°
Distanz:                              146.2 Km

 

 

9. Juli 2019
Erneut starten wir in einen wolkenlosen Tag, allerdings mit mehr Wind als Gestern. Heute wollen wir vorwärts machen um dem Nordkap näher zu kommen. In 3 Tagen möchten wir dort sein. Also geht’s im Geländegang wieder runter auf die Strasse am Hopsfjord entlang und dann zurück auf die 888. Dort sehen wir das Auto von Maja und Marcel die dort auf dem Parkplatz einer Gedenkstätte übernachtet haben.

Über dieselbe Steinwüste und Hochebene wie vor Vorgestern gelangen wir zurück nach Ifjord und schwenken nach Westen. Am Laksefjord machen wir einen ersten Stopp am Adamsfoss, einem Wasserfall, der sich aus einem kleinen See tosend in den Fjord ergiesst. Dann geht es weiter entlang der Silfarelva, die sich in einem breiten Bett in vielen Armen durch die steinige Hochebene windet bevor sie sich in eine enge Schlucht zwängt. An einem Wanderparkplatz machen wir erneut Halt um den Canyon auf einer kleinen Wanderung zu erkunden. Der Weg ist wiederum schlecht markiert und führt mit vielen Abzweigungen und Sackgassen ziemlich exponiert durch den Wald oberhalb des tosenden Flusses.

Um unseren Zeitplan einzuhalten, verzichten wir darauf die Svaerholthalbinsel abzufahren. Es gibt sowieso nur eine einzige Strasse, die über 75 Km nach Veidnes führt. In unseren Reiseführern ist die Halbinsel nicht erwähnt.

Langsam wird es Zeit nach einem Schlafplatz Ausschau zu halten. Am Porsangenfjord, kurz vor Lakselv, finden wir am Strand ein Plätzchen für die kommende Nacht. Nach einem kurzen Strandspaziergang geniessen wir im Windschatten von Brummsli noch die Sonne im Liegestuhl.

Wetter:                               sonnig, nur wenige Wolken, windig, um 15°
Distanz:                              182.9

10. Juli 2019
Also langsam wird’s langweilig. Erneut haben wir blauen Himmel und angenehme Temperaturen. Heute gönnen wir uns statt Butter und Konfibrot einmal Spiegeleier mit Speck und machen uns dann mit vielen Kalorien gestärkt auf den Weg nach Lakslev, einem grösseren Ort der für einmal mehrere Tankstellen und Lebensmittelgeschäfte bietet. Wir entscheiden uns wie meistens für Coop, er ist zwar nicht der billigste, bietet aber eine ordentliche Auswahl. Einziger Kritikpunkt ist generell hier in Skandinavien die kleine Auswahl an Frischfleisch aber Gemüse ist ja sowieso gesünder. Heute finden wir auch ein «Vinmonopolet», also einen Alkoholshop, der geöffnet hat. Wir decken uns mit 6 Flaschen Wein ein und freuen uns schon auf einen feinen Merlot zu Cinque Pi. Ein Menu ideal fürs Wohnmobil, einfach zuzubereiten, wenig Geschirr und schmeckt ausgezeichnet.

Mit vollem Lebensmittelschrank, Weinkeller und Dieseltank fahren wir weiter Richtung Norden. Auf dem Weg dahin haben wir einen Abstecher zum Stabbursdalen Nationalpark geplant. Beim Besucherzentrum erkundigen wir uns nach dem Parkeingang und müssen erstaunt zur Kenntnisnehmen, dass wir diesen bereits verpasst haben. Die Zufahrt zum Nationalpark ist NICHT ausgeschildert und wir haben die Koordinaten des Wanderparklatzes ausnahmsweise nicht ins Navi eingegeben. Es scheint, dass weniger auf hohe Besucherzahlen als auf den Schutz der Natur Wert gelegt wird. Denn auch innerhalb des 747 Quadratkilometer grossen Parks gibt es nur wenige ausgeschilderte Wanderwege. Der Rest ist weitgehend unberührte Natur und beherbergt den weltweit nördlichsten Kiefernwald mit bis zu 500 Jahren alten Bäumen.

Wir fahren also die 2 Kilometer zurück in Richtung Lakslev und biegen in eine Schotterstrasse, die uns nach 6 Kilometern zum Ausgangspunkt unserer Wanderung führt. Dort steht auch wieder das Auto von Marcel und Maja, sowie ein zweites Berner Auto, die anscheinend dort übernachtet haben.

Wir machen uns auf zum Stabbursfossen, einem Wasserfall der Stabburselva, einem bei Lachs- und Sportfischern beliebten Fluss. Der gut markierte Weg führt uns über eine Hängebrücke und durch lichten Kiefern- und Birkenwald und weist nur wenige Steigungen auf. Nach gut 1 ¼ Stunden für die 5 Kilometer erreichen wir den eindrücklichen Wasserfall. Nach einer kurzen Pause machen wir uns auf den Rückweg auf dem gleichen Pfad.

Der nächste Abstecher führt uns zur Trollholmenhalbinsel. Dort stehen an einer schönen kleinen Bucht mehrere Steinformationen, bei denen es sich um Trolle handeln soll die es verpasst haben sich vor der aufgehenden Sonne zu verstecken und dadurch in Stein verwandelt wurden.

Und schon ist es wieder Zeit einen Schlafplatz zu suchen. Nur wenige Kilometer weiter zweigen wir wieder in eine Seitenstrasse ein und finden unten an einer Buchte des Fjordes einen ruhigen und einsamen Stellplatz wo wir die Nacht verbringen können.

Wetter:                               sonnig und warm, gegen Abend wolkig, 15 – 20°
Distanz:                              92.1 Km

11. Juli 2019
Wieder starten wir in einen wunderschönen Tag. Wir hatten zwar geplant heute die Aussendusche zu benutzen, die noch kühlen 10° am Morgen vor dem Wohnmobil scheinen uns aber doch sehr gewagt.

Wir fahren zügig in Richtung Nordkap. Im Vergleich zu den früheren Reiseabschnitten ist die ansehnliche Anzahl an Wohnmobilen, die in beiden Richtungen unterwegs sind, auffällig. Wir machen uns also auf einen ziemliche Besucheransturm am Nordkap bereit. Immer wieder müssen wir auf der teils recht schmalen Strasse auch Radfahrer und Wanderer überholen, die ihr Reiseziel nun auch bald erreichen werden.

Wir durchfahren den Nordkaptunnel der uns mit beträchtlichem Gefälle unter den Mageroysund und auf die Mageroya Insel bringt, auf welcher der nördlichste Punkt Europas liegt. Der schlecht beleuchtete 6875 Meter lange Tunnel liegt an der tiefsten Stelle 212 Meter unter dem Meeresspiegel und wirkt echt unheimlich. Er darf auch zu Fuss oder mit dem Fahrrad benutzt werden.

Nun sind es nur noch wenige Kilometer bis zur Zahlstelle vor dem Nordkap-Plateau. 285 NOK kostet der Eintritt pro Person. Naja, wenn man schon mal in der Gegend ist, will man sich ja nicht lumpen lassen. Wir suchen uns einen freien Abstellplatz auf dem gut belegten Parkplatz und machen uns auf zum bekannten Globus, der das Nordkap ziert. Viele Reisende kennen diesen vielbesuchten Ort nur bei trübem, nebligem Wetter. Wir haben heute Glück und können die Aussicht von der 300 Meter hohen Klippe bei wolkenlosem Himmel und milden Temperaturen geniessen. In der Nordkaphalle werden verschiedene Attraktionen geboten: Restaurants, Bar, Shop, Panorama Film, Ausstellung zur Geschichte des Nordkaps, ein thailändisches Museum erinnert an den Besuch des Königs von Siam im Jahr 1907 und vieles mehr.

Trotz der Aussicht auf die Mitternachtssonne bei wolkenlosem Himmel entscheiden wir uns, nicht am Nordkap zu übernachten und wollen uns ein ruhigeres Plätzchen suchen. Also fahren wir wieder in Richtung Süden bis zum Wanderparkplatz «Knivskjellodden». Der Platz wäre ideal für die Übernachtung, ist aber momentan noch ziemlich belegt. Von hier aus ist der absolut nördlichste Punkt Europas in einer dreistündigen Wanderung zu erreichen. Dieser liegt genau 1450.6 Meter nördlicher als das Nordkap. Dies wurde bei der ersten Vermessung durch einen Fehler der Geographen allerdings nicht erkannt.

An der Informationstafel für die Wanderung hängt das Plakat eines Fischrestaurants in Gjesvaer, welches ein Königskrabbenmenu anpreist. Wir entschliessen uns daher auf die Wanderung zu verzichten und fahren die 30 Kilometer nach Gjesvaer. Hier müssen wir allerdings feststellen, dass das Restaurant wegen Renovation geschlossen ist. Ziemlich enttäuscht kochen wir heute halt wieder selber. Dafür haben wir einen ruhigen Schlafplatz am Hafen des verschlafenen Örtchens. Ausserdem werden von hier aus Bootstouren zu Vogelkolonien auf den vorgelagerten Inseln angeboten. Diese wollen wir Morgen unternehmen.

Wetter:                               sonnig, fast wolkenlos, angenehm warm
Distanz:                              176.5 Km

12. Juli 2019
Zu zweiten Mal auf diese Reise haben wir den Wecker gestellt, denn wir wollen heute um 10 Uhr an der Vogelsafari zu den benachbarten Inseln teilnehmen, die den verschiedensten Vogelarten als Brutplatz dienen und unter Schutz stehen.

Von unserem Übernachtungsplatz können wir zu Fuss in wenigen Minuten den Liegeplatz der Touristenboote erreichen. Wir haben eigentlich gedacht, dass sich der Andrang in Grenzen hält, denn im Dorf selber sind kaum andere Wohnmobile oder Touristen zu sehen. Doch am Ende ist das Schiff recht voll und die Seefahrt kann beginnen. Während fast zwei Stunden umrunden wir die verschiedenen Inseln und bekommen alle möglichen Vögel zu Gesicht, die in riesigen Schwärmen von ihren Brutplätzen aufs Meer hinaus fliegen um Futter zu suchen. Insbesondere die Papageientaucher mit ihren kurzen Flügeln erstaunen durch ihre Flugkünste und Geschwindigkeit. Bestimmt ein dutzend Weissschwanzadler kreisen einzeln oder in Gruppen in unterschiedlicher Höhe, lauern auf Beute und vollführen akrobatische Flugmanöver. Auch Robben zeigen sich immer wieder zwischen den Felsen die aus dem Meer ragen und strecken ihre Köpfe aus dem Wasser.

Nach dem wirklich tollen Ausflug kehren wir zurück zu Brummsli und checken nochmal, ob alle Fenster und Dachluken geschlossen und die Schubladen verriegelt sind, sowie nichts mehr ungesichert auf Tischen und Bänken liegt. Heute geht es wieder Richtung Süden durch den Nordkaptunnel weg von der Mageroya Insel. Bei Olderfjord zweigen wir von der Hauptstrasse ab und drehen nach Norden. Unser Ziel ist das Fischerstädtchen Havoysund. Der Verkehr nimmt schlagartig ab und wir fahren gemütlich durch eine liebliche, mit Bäumen bewachsene und von Flüssen und Bächen durchzogene Landschaft. Bald wird das Land rauer, die Hügel felsig und die Vegetation spärlicher. Von den Bergen tosen Wasserfälle in die Tiefe.

Das Städtchen bietet nichts Spektakuläres und auch die Übernachtungsplätze sind nichts Besonderes. Wir machen uns deshalb auf den Weg zum Restaurant Arctic View, welches ausserhalb am Rand einer fast 300 Meter hohen Klippe steht und einen tollen Blick über das Meer bietet. Wir durchqueren dabei den nördlichsten Windpark der Welt mit 16 Windgeneratoren. Es gibt tatsächlich einige Camper, die ihre Gefährte unter den riesigen Rotoren abgestellt haben und offensichtlich dort übernachten wollen. Uns würde das dauernde Brummen und Surren stören.

Im kleinen, relativ teuren Restaurant geniessen wir ein sehr gutes Nachtessen mit Rentier, das vom dänischen Koch auf verschiedene Arten zubereitet wird. Der Besitzer des Lokals, der auch den Service macht, hat vom Gastgewerbe keine grosse Ahnung. Er ist Same und stammt aus einer Rentierzüchter Familie. 2015 haben sich König Harald und Königin Sonja von Norwegen zum Essen angemeldet. Wie uns der Koch erzählt war das eine ziemliche Aufregung, ist aber dann sehr gut über die Bühne gegangen.

Zufrieden und mit vollem Bauch fahren wir zurück in Richtung Havoysund und stellen unser Brummsli am Ortseingang auf den Parkplatz beim Friedhof. Hier werden wir die Nacht verbringen.

Für Morgen planen wir wieder einmal einen Ruhetag den wir mit faulenzen und wandern verbringen wollen. Der Wetterbericht ist für Morgen zwar nicht mehr so gut, aber schauen wir mal…..

Wetter:                               sonnig, wolkenlos und warm
Distanz:                              212.4 Km

13. Juli 2019
Also heute soll es gemütlich werden. Wir stehen daher erst nach 9 Uhr auf und frühstücken in aller Ruhe. Das Wetter ist viel besser als vorausgesagt. Nur ganz im Osten sehen wir eine dunkle Wolkenwand, in Havoysund ist es nur leicht bewölkt.

Wir haben schon bei der Herfahrt einen schönen Platz an einem Fluss gesehen und machen uns dorthin auf den Weg. Nur kurz noch entsorgen und Frischwasser auffüllen und dann nehmen wir die etwa 60 Kilometer bis zu unserem Wunschplatz in Angriff. Dort angekommen holen wir als Erstes Tisch und Stühle aus dem Stauraum und genehmigen uns ein Glass Chardonnay und ein paar Chips. Elsbeth strickt weiter an den Socken für Jürg und macht einen Spaziergang ins nahe Dorf. Ich selber lade noch die Fotos von Gestern und Vorgestern auf den PC und tue einfach NICHTS.

Vielleicht noch ein paar Anmerkungen zum Internet. Bei Reisen ins Ausland besteht ja immer das Problem die Kosten im Griff zu behalten. Wir haben daher verschiedene Möglichkeiten um online zu bleiben. Einmal haben wir in unserem Fahrzeug einen WLan-Verstärker eingebaut. Damit können wir freies WLan wie es in Einkaufszentren, Restaurants, Tankstellen oder Jachthäfen vorhanden ist, auch aus grösserer Entfernung nutzen. Zudem habe ich einen Reiserouter Netgear Aircard 810 mit einer externen LTE-Antenne, die ein schwaches Handysignal um einen oder zwei Balken verstärken soll. Die DatenSIM von Prepaid-Global ist 360 Tage gültig, in ganz Europa nutzbar und kann wiederholt nachgeladen werden. Elsbeth hat zudem ihr Mobileabo zu UPC Europe unlimited gewechselt. Da hat sie zu einem attraktiven Einführungspreis (zumindest für das erste Jahr) 10 Gigabit pro Monat in ganz Europa zur Verfügung. So ausgerüstet sind wir, zumindest wenn Handyempfang vorhanden ist, gut gerüstet. Selbstverständlich mussten wir Lehrgeld bezahlen, zum Beispiel wenn innert kürzester Zeit 2 – 3 Giga für irgendein Update verbraten werden. Deshalb habe ich die Funktion «Updates automatisch installieren» inaktiviert. Die Bilder von der Kamera werden auch nicht mehr drahtlos, sondern mit Kabel auf den PC geladen. Und die Liste mit den Fotos, die ich auf unsere Webseite hochlade, erstelle ich bevor ich den PC mit dem Hotspot verbinde.

So, und jetzt widme ich mich wieder dem Nichtstun.

Wetter:                               leicht bewölkt, um 15°
Distanz:                              64.2

14. Juli 2019
Heute haben wir verschlafen und sind erst gegen 9 Uhr so richtig aktiv. Also geben wir Gas mit duschen, frühstücken alles einpacken und los geht’s. Schon bald ist es vorbei mit dem freundlichen Wetter und es regnet immer wieder. Unser Plan sieht für heute eine Wanderung vor. Wir sind deshalb froh, dass der Himmel aufhellt und es recht freundlich ist, als wir am Wanderparkplatz zum Alta-Canyon ankommen. Der Platz ist ziemlich voll, obwohl die Strasse ziemlich mies und ungeteert ist.

Schnell ist alles eingepackt, Blasenpflaster angeheftet, Mückenmittel eingesprüht und los geht’s. Zuerst ist der Pfad recht breit und Sumpfpartien sind mit Stegen überbrückt. Doch schon bald wird der Weg schmaler, Schlammlöcher sind nur noch mit losen Brettern belegt und schliesslich gilt es auch noch trockenen Fusses zwei breite Bergbäche zu überqueren. Zwischendurch nieselt es immer wieder, so dass wir froh sind nach zwei Stunden bei der Schlucht anzukommen. Hier geht es nochmals steil bergab durch den Wald bis an den Rand des Canyons. Die 200 Meter hohe Klippe ist nur mit einem baufälligen Holzzaun gesichert. Schnell machen wir ein paar Fotos und treten dann den Rückweg an. Das Wetter ist jetzt recht ordentlich und zwischendurch zeigt sich fast die Sonne.

Zurück beim Parkplatz gilt es zu entscheiden wo wir übernachten wollen. Vor Ort sind die wenigen ebenen Stellen bereits durch zwei andere Wohnmobile belegt. Wir entschliessen uns daher auf der Schotterpiste, bei der es sich um die alte Verbindungsstrasse Nr. 93 von Alta nach Kautokeino handelt, ein Stück weiter zu fahren. Nach wenigen Kilometern finden wir einen ruhigen Platz den wir ganz für uns alleine haben. Brummsli steht zwar auch nicht ganz im Lot, das können wir aber mit unseren EMUK Luftkissen ausgleichen, die wir mit dem Kompressor der im Motorraum eingebaut ist aufpumpen.

Da wir wieder für uns alleine sind, entschliesse ich mich, die Aussendusche nochmals zu nutzen, obwohl die Aussentemperatur nur noch 9° beträgt.

Morgen wollen wir wieder einmal eine grössere Etappe in Angriff nehmen und möglichst nach Tromso zu gelangen. Es gibt zwar auch auf der Stecke dorthin einiges zu sehen und zu erwandern aber die Küste Norwegens ist noch sehr lang und wir sollten ja Mitte August wieder zu Hause sein.

Wetter:                               regnerisch und kühl, um 10°
Distanz:                              155.2 Km

15. Juli 2019
Das Wetter ist heute Morgen recht ordentlich. Zumindest regnet es nicht und zwischendurch zeigt sich sogar die Sonne.

Wir sind uns noch nicht ganz einig wie es weiter gehen soll. Ich würde Brummsli eigentlich gönnen, dass er noch etwas unbefestigte Strasse fahren darf und wir die etwa 20 Kilometer auf der alten 93 zu Ende fahren. Elsbeth würde lieber auf Nummer sicher gehen, und den gleichen Weg nach Alta zurückkehren wie wir hergefahren sind. Erstens wäre die Stecke viel kürzer und zweitens ist ungewiss wie die Schotterstrasse weiter ausgebaut ist, denn auf Google Maps wird sie nur noch als Fahrweg ausgewiesen. Schliesslich einigen wir uns darauf, dass wir Brummsli noch ein paar Schlaglöcher und Steine gönnen, aber umkehren sobald die Strasse wesentlich schlechter werden sollte.

Also rumpeln wir los. Es geht nur im Fahrradtempo vorwärts über das Fjell, die baumlose, Tundra ähnliche Hochebene. Weit und breit ist kein Mensch mehr zu sehen, bis wir auf einer Kuppe in der Ferne eine ganze Reihe Autos sehen. Beim näher kommen erkennen wir, dass auch noch einige Zelte, ähnlich den indianischen Tipis, aufgestellt sind. Zudem ist die Strasse mit einem Drahtzaun abgesperrt. Was machen wir nun? Nach einigem Beraten entschliessen wir uns die Absperrung zu öffnen und bis zu den Zelten weiter zu fahren. Es ist uns klar, dass es sich um Samen handelt, die dabei sind ihre Rentiere zusammenzutreiben um die Jungtiere zu markieren.

Tatsächlich kommt ein junger Bursche auf uns zu gerannt als wir das Camp erreichen. Ich frage ihn, ob wir auf dieser Strecke weiterfahren dürfen. Das sei in Ordnung, aber wir müssen unbedingt die nachfolgenden Gatter wieder schliessen. Er bestätigt auch, dass die im Frühling geborenen Rentiere markiert werden. Dies geschieht mit dem sogenannten Finnendolch. Dabei werden Kerben in die Ohren der Tiere geschnitten, die sich je nach Besitzer unterscheiden. Wir sehen in den Umzäunungen auch die Muttertiere mit ihren Jungen. Die Ohren sind blutverschmiert und die Tiere geben brummende Laute von sich.

Schliesslich erreichen wir die Asphaltstrasse und fahren zügig an den Altafjord und folgen der Küste auf der gut ausgebauten Strasse in Richtung Westen. Immer wieder macht die Strasse grosse Umwege, die durch die Küstenlinie vorgegeben sind. Wir wollen deshalb in Oldendalen die Fähre nehmen, um einen Grossen Bogen zu umgehen. Wir erreichen die Ablegestelle auch gerade noch vor dem Auslaufen, unser Fahrzeug hat aber keinen Platz mehr, da noch einige Lastwagen Vorrang haben. Also bleibt uns nichts anderes übrig, als noch ein paar Fjorde zu umfahren.

Schliesslich erreichen wir gegen 18 Uhr unser Tagesziel Tromso. Allerdings spielen uns die Koordinaten für unseren Übernachtungsplatz einen Streich. Die sind nämlich falsch und wir landen statt am Hafen in einem Villenviertel am Hang. Schliesslich finden wir den Platz beim Polaria Aquarium. Allerdings ist das Parken über Nacht nicht mehr gratis, wie im Reiseführer beschrieben, sondern kostet 34 Kronen die Stunde. Da wir schon den ganzen Tag gefahren sind, entschliessen wir uns die horrende Parkgebühr zu bezahlen. Wir haben bis jetzt ja meist umsonst übernachtet. Ausserdem möchte ich in einem Fischrestaurant endliche Königskrabben probieren. Wir haben uns bereit vorgängig, nach Internetrecherche, für die Fiskekompaniet entschieden und werden nicht enttäuscht.

Es fällt uns auf, dass schon verschiedentlich in Restaurants Walfleisch angeboten wurde. Auch in der Fiskekompaniet ist ein Walsteak auf der Speisekarte. Und beim Schlendern durch die Fussgängerzone wird in einem Souvenirshop Walsalami angeboten. Norwegen und Japan sind noch die einzigen Länder, welche die Meeressäuger jagen.

Schliesslich kehren wir zu Brummsli zurück und ärgern uns die halbe Nacht über die Möwen, die uns auf unserem Dach wachhalten.

Wetter:                               bewölkt, trocken und kühl
Distanz:                              433.3 Km

 

16. Juli 2019
Heute lassen wir es etwas ruhiger angehen. Gleich von unserem Parkplatz führt ein kilometerlanger Tunnel mit Abzweigungen und Kreiseln aus der Stadt. Über eine der beiden grossen Brücken erreichen wir die Insel Kvaloy, die wir mit etlichen Zwischenstopps umrunden bevor wir durch einen Tunnel unter dem Fjord das Festland wieder erreichen. Wir sind froh, dem Trubel von Tromso wieder entfliehen zu können und nehmen auf Nebenstrassen Kurs auf den Ovre Dividal Nationalpark. Unterwegs besichtigen wir noch eine Felswand mit etwa 4500 Jahre altem Steinritzungen, die unmittelbar neben der Strasse liegt.

Wir erreichen unseren Übernachtungsplatz direkt am See und entschliessen uns eines der Täler des Nationalparks mit dem Fahrrad zu erkunden. Leicht ansteigend fahren wir auf einer breiten, gut planierten Schotterstrasse durch den Wald bis uns das unsichere Wetter dazu bewegt umzukehren. Der befürchtete Regen bleibt aus und wir haben dann doch knapp 20 Kilometer mit dem Velo zurückgelegt.

Schon gestern ist uns aufgefallen, dass sich die Landschaft und die Vegetation ändert. Die meist sanften Hügel des Nordens mit dem spärlichen, niedrigen Bewuchs weichen hohen und schroffen Bergen. Die Wälder werden wieder dominiert von Kiefern und dichterem Unterholz und auf den Wiesen steht hohes, saftiges Gras.

Wetter:                               stark bewölkt, trocken und kühl
Kilometer:                          197.9

17. Juli 2019
Der heutige Tag startet wieder eher durchzogen. Der Himmel ist dicht bewölkt und immer wieder fällt Nieselregen. Wir wollen heute zu den «Vesteralen», einer Inselgruppe nördlich der Lofoten gelangen. Wir verlassen den Ovre Dividal Nationalpark und machen einen ersten Halt beim Malselvfoss, angeblich einem der eindrucksvollsten Wasserfälle Norwegens. Die Malselva donnert auf ihrer ganzen Breite in mehreren Stufen, weiss schäumend, steile Klippen hinab. Ein breiter Fussweg führt am Wasserfall vorbei zu verschiedenen Aussichtspunkten. Am Ende des Pfades ist ein «Lachsstudio» eingerichtet, in dem einige Exemplare der imposanten Fische, welche die neben den Fällen angelegte Fischtreppe nutzen, betrachtet werden können.

Das Wetter hat sich in der Zwischenzeit gebessert und wir fahren weiter Richtung Narvik, einem wichtigen Hafen am Ofotfjord. Die Stadt war 1940 stark umkämpft. Entlang der Strasse sind deshalb an verschiedenen Stellen Gedenkstätten eingerichtet.

Schliesslich erreichen wir das Städtchen Harstad auf den Vesteralen. Nach einigem Suchen gelangen wir etwas ausserhalb zum Kasernenareal wo auf einem Hügel die «Adolf Kanone» besichtigt werden kann. Eine halbe Stunde vor Tourbeginn melden wir uns über das Internet noch zu Führung an und werden dann in einem Bus, nach Identitätskontrolle und mit militärischer Begleitung, zum Koloss aus dem Zweiten Weltkrieg gebracht. Es handelt sich dabei um ein gigantisches Geschütz mit Kaliber 40.6 cm und einer Reichweite von 50 Kilometern. Die Granaten sind über 1000 Kg schwer. Ursprünglich als Schiffskanone entwickelt wurden zwei Batterien mit je 4 Geschützen an der norwegischen Küste errichtet. Zum Kriegseinsatz kamen die Ungetüme nie. Erst nach dem Krieg wurden einige Probeschüsse abgefeuert. Dabei sollen in weitem Umkreis die Fensterscheiben geborsten sein.

Nur wenige hundert Meter entfernt steht die mittelalterliche Steinkirche von Harstad-Trondenes aus dem Jahre 1250. Wir sind allerdings schon spät dran und so ist das Portal bereits verschlossen und eine Besichtigung nicht möglich.

Das Städtchen Harstad bietet auch nicht allzu viel. Deshalb suchen wir uns wieder eine ruhigere Gegend und fahren an die Nordspitze der Insel Hinnoya und finden am Strand bei Elgsnes einen schönen Stellplatz. Da die Zufahrtsstrasse wegen Sicherungsarbeiten am Fels zeitweise gesperrt ist, sind keine anderen Wohnmobile anwesend. Eine Anwohnerin klärt uns auf, dass die Strasse während der ganzen Nacht von 22.30 – 06.00 nicht passierbar ist. Tagsüber können wir die Halbinsel zwischen 10.30 und 11.30 verlassen.

Wir planen noch die Aktivitäten für die nächsten Tage und reservieren eine Wal-Safari für nächsten Freitag. Das Wetter soll ja besser werden und so hoffen wir auf erfolgreiche «Waljagd».

Wetter:                               anfangs bewölkt und Nieselregen, gegen Abend sonnig, 10 – 12°
Distanz:                              239.1 Km  

18. Juli 2019
Heute haben wir wieder einmal den Wecker gestellt damit wir das Zeitfenster für das Verlassen der Halbinsel nichr verpassen. Das Wetter ist tatsächlich toll, es hat zwar am frühen Morgen noch Hochnebelfelder, die lösen sich aber zügig auf und geben den wolkenlosen Himmel frei.
Wir können Elgsnes wie vorgesehen verlassen und machen uns auf den Weg nach Sto, wo die morgige Wal-Safari starten soll. Die Vesteralen zeigen sich heute von ihrer schönsten Seite. Die Insel Hinnoya ist zwar relativ dicht besiedelt, die Strasse entlang den Fjorden führt uns aber durch wunderschöne Landschaften mit schroffen Bergen, blauem Meer. Überall sind die Bauern damit beschäftigt die grünen Wiesen mit dem extrem hohen Gras zu mähen und zu Siloballen zu pressen.
Zwischendurch machen wir in einer grösseren Ortschaft kurz Halt um unsere Früchte- und Gemüsevorräte aufzufüllen. Mit dem Travel-Connector finden wir ein offenes WLan, mit dem wir unsere Fotos auf den PC laden und in der Cloud sichern können.
Dann geht es weiter nach Revsnes wo wir die Fähre nach Flesnes zu benutzen. Dies erspart uns eine längere Fahrt um den Gullesfjord. Dieses Mal finden wir auch problemlos Platz auf der Fähre und der Preis ist mit 120 Kronen recht moderat.
Kurz bevor wir über eine Brücke auf die Insel Langoya wechseln, können wir an einer Tankstelle entsorgen und Frischwasser auffüllen. Zudem machen wir noch einen Abstecher ins Osvolldal, einem wunderschönen Tal, das ins Innere der Insel und an einen kleinen Fjord führt. Die Nutzung der unbefestigten Privatstrasse kostet 40 Kronen. Der Erlös der Gebühr soll von den 12 Eignern für einen Ausbau genutzt werden. Der Betrag hat sich auf jeden Fall gelohnt, denn wir finden einen idyllischen Rastplatz für eine Kaffee- und Dessertpause.
Danach rumpeln wir zurück auf die Hauptstrasse und erreichen unser Tagesziel Sto. Der ursprünglich vorgesehne Übernachtungsplatz bei der Kirche ist allerdings neu mit einem Campingverbot belegt. Wir steuern daher den offizellen Stellplatz am Hafen an. Der Kostet zwar 250 Kronen pro Nacht, dafür haben wir Dusche, Toilette, freies WLan und eine ungehinderte Sicht auf die Mitternachtssonne. Wir buchen gleich zwei Nächte, denn wir wollen die nächsten schönen Tage nutzen um neben der Waltour auch noch zu wandern.
Wetter:                    wolkenlos und warm, 15 - 20°
Distanz:                    163.4 Km

19. Juli 2019
Wir stehen heute zeitig auf, denn zwischen 9.00 und 9.30 müssen wir uns heute beim Büro der Arctic Whale Tours und der Anlegestelle der Blasius II einfinden. Bei der Registrierung und Bezahlung stellen wir fest, dass die Schweizer gut vertreten sind.

Kurz vor 10 können wir auf das Schiff und erhalten erst einmal eine Sicherheitsinstruktion, ähnlich wie in einem Flugzeug. Es wird uns aber versichert, dass unser Transportmittel absolut sicher ist. Wir nehmen Kurs nach Norden um vor der Nordspitze der Andoya Insel den Punkt zu erreichen, wo der relativ Flache Kontinentalschild schnell von 200 m auf 2500 m abfällt. Hier, im Blake Canyon, jagen Pottwale nach Beute. Aber auch andere Meeressäuger halten sich in diesen Gewässern auf. Der Himmel ist wolkenlos, doch auf dem offenen Meer bläst ein kalter Wind und wir werden ordentlich hin und her geschaukelt. Es dauert daher nicht lange bis die ersten Kotztüten verteilt und auch gefüllt werden. Auch Elsbeth ist betroffen, sie wehrt sich zwar anfänglich tapfer, es hilft aber alles nichts. Wir haben beim Besteigen des Schiffes Tabletten gegen Reisekrankheit erhalten, diese scheinen aber nicht zu wirken.

Zwei Mitglieder der Besatzung besteigen den Ausguck und halten Ausschau nach dem «Blas», der gut sichtbaren Fontaine aus wasserdampfgesättigter Luft, die die Meeresriesen aus ihren Atemlöchern ausstossen. Und so dauert es nicht lange, bis uns gemeldet wird, dass auf der rechten Seite des Schiffs Minkwale gesichtet wurden. Diese sind zwar in einiger Entfernung, trotzdem können wir die Tiere erkennen. Wenig später tauchen auch einige Delphine auf.

Nach etwa 2 Stunden erreichen wir die Gewässer über dem Blake Canyon, wo bereits Schiffe anderer Anbieter nach dem eigentlichen Ziel unserer Tour, dem Pottwal, Ausschau halten. Plötzlich erfolgt eine abrupte Richtungsänderung und das Boot beschleunigt. Und dann sehen wir die kleine Nebelwolke über dem Wasser. Die Fotoapparate werden schussbereit gemacht. Nach mehrmaligem Blasen taucht das Tier ab und zeigt uns seine Schwanzflosse. Kurze Zeit später erfolgt eine weitere Richtungsänderung und das Spiel wiederholt sich. Leider lassen uns die Tiere nicht allzu nahe an sich herankommen und tauchen wieder ab. Trotzdem gelingt es immer wieder eine Rückenflosse oder die Schwanzflosse zu fotografieren.

Schliesslich wird es Zeit den Rückweg anzutreten. Vor der Hafeneinfahrt von Sto tauchen plötzlich die Rückenflossen einer Schwertwalfamilie auf. Wir bekommen noch einmal Gelegenheit eine weitere Walart zu beobachten.

Schliesslich laufen wir in den Hafen ein und kehren zufrieden auf den Stellplatz zurück. Wir wollen uns heute im Restaurant des Stellplatzes verpflegen. Es gibt allerdings nur zwei Menüs: Bacalao, (Kabeljau getrocknet und gesalzen) oder Waleintopf. Wir entscheiden uns, gegen unsere Überzeugung, für den Wal und kommen so den Tieren heute noch ganz nah.

Wetter:                               wolkenlos, um 20°

20. Juli 2019
Heute ist wieder einmal Wandertag. Von Stø führt die Dronningruta (Königinnenweg) zuerst der Küste entlang in Richtung Nyksund, steigt dann steil an und führt rund um einen Talkessel zurück nach Stø. Dazwischen liegen etwa 800 Höhenmeter und einige Kletterpartien über einen Grat, die zum Teil mit Seilen gesichert sind. Die Route wurde 2012 zur schönsten Wanderroute Norwegens gewählt. Schon 1994 wurde die Tour von Königin Sonja bewältigt, sie war so begeistert, dass sie seither jedes Jahr zum Wandern auf die Vesterålen fährt.

Elsbeth hat vorgängig intensiv im Internet über die Strecke recherchiert. Da diese wegen der exponierten Stellen als eher anspruchsvoll beurteilt wird und mit 5 – 8 Stunden auch konditionell recht hohen Anforderungen stellt, hat sie entsprechend den Bammel. Denn Elsbeth leidet unter Höhenangst und ist eher vorsichtig.

 

Wir machen uns also auf den Weg, welcher für norwegische Verhältnisse gut markiert ist. Schon der erste Pass, der dann runter nach Nyksund, oder direkt auf den Rundweg führt, fordert uns schon einiges ab. Von dort aus sehen wir andere Wandergruppen den Grat hochsteigen und es kommen Zweifel auf, ob wir nicht besser umkehren. Ein Norweger, der die Wanderung schon einige Male gemacht hat, muntert uns auf den Versuch zu wagen. Umkehren könnten wir immer noch. Die folgende Passage sei die heikelste, danach gehe es nur noch mit einigen «ups and downs» zurück nach Stø.

Elsbeth nimmt ihren ganzen Mut zusammen und wir klettern den Grat hoch. Dafür wird sie, oben angekommen, mit einem Gipfelkuss und einer wirklich tollen Aussicht belohnt. Vom Meer her drückt der Nebel über die niedrigeren Hügel, wir können die Wanderung über der Nebelgrenze bei Sonnenschein fortsetzen.

Es geht tatsächlich in ständigem Auf und Ab über einen steinigen Bergweg zurück nach Stø. Wir sind beide ziemlich geschafft als wir nach 6 ½ Stunden wieder daheim sind und freuen uns auf eine warme Dusche. Irgendwie ist man halt doch nicht mehr 18 und die Beine sind nicht mehr so elastisch.

Wir waschen noch ein paar Kleider aus und dann gibt es feine Lammkottlettli mit Bratkartoffeln. Zum Dessert holen wir uns im Restaurant noch zwei Stück Kuchen, das haben wir uns verdient.

Wetter:                                       leicht bewölkt und warm, 15 – 20°, am Abend Nebel

21. Juli 2019
Der Nebel von gestern Abend hat sich vollständig aufgelöst und wir starten in einen sonnigen, wolkenlosen Tag. Heute wollen wir ein Stück in Richtung Lofoten vorankommen, aber noch einige Umwege auf den Vesterålen. Wir fahren deshalb ab Stø auf einer Nebenstrasse entlang der Ostküste der Insel Langøya. Es gibt fast keinen Verkehr und wir geniessen die gemütliche Fahrt und schwenken dann nach Westen um auf einer sehr schmalen Strasse nach Hovden zu gelangen. Es handelt sich dabei um einen aktiven Fischereihafen am Ende einer Halbinsel. Am Hafen machen wir einen kleinen Erkundungsspaziergang. Die Trocknungsgestelle für den Fisch sind alle leer. Wir finden aber ein Stück weiter eine Lagerhalle, in der ganze Paletten mit getrocknetem Kabeljau stehen. Etwas weiter sehen wir durch das Fenster eines Fischverarbeitungsbetriebes grosse Kunststoffboxen gefüllt mit den Fischköpfen. Diese werden in Jutesäcke mit der Aufschrift «dried Fishheads, Product of Norway» verpackt. Diese werden angeblich nach Nigeria exportiert, wo sie als Delikatesse gelten.

Bei der Rückfahrt von Hovden sehen wir auf einem Parkplatz das Fahrzeug eines alten Bekannten. Es ist der 4x4 Sprinter eines französischen Paares, das wir schon vor und nach dem Nordkap einige Male getroffen haben.

Das Wetter hat sich in der Zwischenzeit verschlechtert, dicke Wolken sind aufgezogen und es fängt zeitweise an zu regnen. Trotzdem umfahren wir noch eine weitere Halbinsel und besichtigen bei Føre ein Gräberfeld aus der Eisenzeit, welches in den 50er Jahren entdeckt wurde. In den etwa 1500 Jahre alten Gräbern wurden reichhaltige Funde gemacht. Die Männer wurden mit ihren Waffen und dem Lieblingshund, die Frauen mit Haushaltsgerät wir Spindeln und Nadeln bestattet, die in gutem Zustand geborgen werden konnten.

Es ist schon etwa 16 Uhr und es wird langsam Zeit nach einem Übernachtungsplatz Ausschau zu halten. Da in Norwegen im Gegensatz zu Schweden und Finnland die Einkaufszentren am Sonntag geschlossen sind, wollen wir Morgen in Sortland unsere Vorräte, die in den letzten Tagen merklich geschwunden sind, wieder auffüllen. Deshalb haben wir im Navi die Koordinaten eines Parkplatzes am Hafen von Sortland eingegeben, möchten aber, falls wir etwas ruhigeres finden schon vorher einen Platz ergattern. Wir werden dann auch fündig, als wir auf eine Nebenstrasse abbiegen und nach ein paar Kilometern an einem Fjord ein ruhiges Plätzchen entdecken.

Morgen geht es dann definitiv auf die Lofoten. Wir hoffen, dass das Wetter, entgegen den Prognosen, wieder besser wird.

Wetter:                       am Morgen wolkenlos und sonnig, ab Nachmittag bedeckt, gelegentlich Regen, um 20°     
Distanz:                      176.2 Km

22. Juli 2019
Gestern am späten Abend war das Wetter recht ordentlich, heute Morgen ist es aber wieder stark bewölkt, windig und regnerisch. Trotzdem gebe ich mich optimistisch und versuche es mit kurzer Hose und T-Shirt.

Als erstes fahren wir nach Sortland, denn wir müssen dringend einkaufen. Wir sind überrascht über die ungewohnten Einkaufsmöglichkeiten in dem Ort. Im Coop gibt es sogar eine Bankmetzgerei. Das Angebot ist allerdings sehr bescheiden, wenn man es mit der Schweiz vergleicht. Es sind kaum mehr als 8 verschiedene Fleischsorten zu haben, dafür von jeder ein ordentlicher Stapel. Wir entscheiden uns wieder einmal für Kotelett. Am Schluss ist unser Einkaufswagen ziemlich voll und wir müssen schauen, wo wir alles verstauen.

Schnell geht es über die hohe Bogenbrücke auf die Insel Hinnøya und von dort über Brücken und in Tunnels auf die erste Lofoteninsel Austvågøy. Wir biegen von der Hauptstrasse E10 ab auf die Nebenstrasse, welche der nördlichen Küste folgt und sind überrascht, da hier im Windschatten der Berge die Sonne scheint.

Schon am frühen Nachmittag suchen wir nach einem Übernachtungsplatz und werden bei Hadselsand fündig. Am Strand direkt bei Rolf’s Bar. Dabei handelt sich um eine kleine Holzhütte mit einer Bar die frei zugänglich und mit allen möglichen Dingen dekoriert ist, welche Leute die hier gefeiert haben, zurückliessen.

Elsbeth und ich machen eine kleine Klettertour über die Steine am Strand und beobachten den Seetang in der steigenden Flut und die Krabben in den Tümpeln.

Wetter:                               wechselhaft mit Regen und Sonne, 15 – 20°
Distanz:                              126.9 Km

23. Juli 2019
Entgegen allen Prognosen haben wir heute einen sonnigen und warmen Tag. Wir machen uns gleich nach dem Frühstück auf nach Svolvær, mit knapp 4500 Einwohnern, der grössten Stadt der Lofoten. Unterwegs machen wir Halt in Laukvik und entdecken eine riesige Fischtrocknungsanlage. Hier hängen vermutlich Hunderttausende von Fischköpfen, die für Nigeria bestimmt sind.

 

Dann erreichen wir Svolvær und spazieren zum Hafen, in dessen Umgebung eine ganze Reihe von Restaurants und Läden angesiedelt sind. An Verkaufsständen werden Produkte der Region, hauptsächlich Würste aus Wal-, Elch-, Moschus- und Bärenfleisch, sowie getrockneter Fisch und geräucherter Lachs angeboten. Bei der Anlegestelle sehen wir ein Boot, welches Fahrten zum Trollfjord unternimmt. Es soll sich um den schönsten Fjord Norwegens handeln, zudem werden auf dem Weg Seeadler mit Fischködern angelockt und gefüttert.

Da die Abfahrt in 15 Minuten, also um 11.30 Uhr, vorgesehen ist, kaufen wir kurzentschlossen ein Ticket und suchen uns einen Platz auf dem Schiff. Kurz darauf legen wir ab und folgen der Küste in Richtung Nordosten. Schon bald werden die Fischköder von der Mannschaft bereit gemacht. Es dauert nicht lange, bis das Boot von einem ganzen Schwarm Möwen umkreist wird, die versuchen einen Brocken Fisch zu ergattern. Schliesslich zeigt sich auch ein junger Adler und greift sich im Sturzflug einen Köder aus dem Wasser.

Dann erreichen wir, vorbei an den schroffen Bergen der Lofoten, die enge Einfahrt zum Trollfjord. Es tummeln sich hier eine ganze Reihe von Touristenbooten, Kajaks und gut motorisierten Schlauchbooten. Das Schiff dreht eine Runde im Fjord, so dass jeder die Möglichkeit hat, ein Foto von der Engen Bucht zu schiessen. Auf dem Rückweg nähert sich nochmals ein Weissschwanzadler und packt sich einen Fischköder bevor er wieder einen sicheren Platz in den Felsen sucht.

Nach etwa 3 Stunden kehren wir in den Hafen von Svolvær zurück und setzten unsere Fahrt fort. Über eine hohe Bogenbrücke wechseln wir zur Insel Vestvagøy und machen uns auf der Halbinsel Gimsøya auf die Suche nach einem Übernachtungsplatz. Leider sind alle im Reiseführer und auf park4night aufgeführten Freistehplätze mittlerweile mit einem «no camping» Schild versehen, so dass wir auf einem offiziellen Campingplatz im Weiler Hov einchecken. Es ist ein wunderschöner Platz, direkt an einer Bucht mit weissem Sandstrand und wird von einem Bauernhof geführt, dem auch ein kleines Restaurant und ein Reitstall angeschlossen sind.

Wir geniessen das schöne, und mit 20 – 25° extrem warme Wetter, und essen wieder einmal im Freien.


Da wir bis Mitte August nicht mehr allzu viel Zeit haben, werden wir Morgen sehen, dass wir mit der Fähre von Moskenes nach Bodø wieder auf das Festland gelangen um dann wieder etwas Gas in Richtung Süden zu geben.

 

Wetter:                        sonnig und warm, 20 – 25°
Distanz:                        82.3 Km

24. Juli 2019

Heute zeigen sich die Lofoten von ihrer weniger freundlichen Seite. Der Himmel ist mit dunklen Wolken verhangen und es regnet zeitweise kräftig. Dazu bläst ein starker Wind.  Wir machen uns auf den Weg in Richtung Moskenes und umrunden wiederum wild romantische Halbinseln auf Nebenstrassen.

Heute ist ja richtiges Museumswetter. Wir steuern deshalb den Parkplatz des Vikingermuseums in Borg an. Wir besuchen die Ausstellung von Fundgegenständen aus der Vikingerzeit. Im Häuptlingshaus wird das Leben von damals mit Statisten, die einem auch Auskunft geben, nachgestellt. Es handelt sich um die Rekonstruktion des mit 83 Metern grössten, je ausgegrabenen Vikingerhofes. Die Grabungen dauerten von 1983 bis 1989. Das Gebäude wurde zwischen 500 und 950 nach Christus genutzt. Ursprünglich handelte es sich um ein Häuptlingshaus von 67 Metern Länge, welches um 700 auf 83 Meter erweitert wurde. Es bestand aus 5 Räumen, die als Wohnteil, Haupteingang, grosse Halle, Lagerraum und Stall genutzt wurden. Nach einem kurzen Marsch an den Hafen, besichtigen wir noch den Nachbau eines Vikingerschiffes. Mit solchen Booten haben die erfahrenen Seeleute damals schon Island und vermutlich Amerika erreicht.

 

So, das war jetzt genug Geschichte jetzt wenden wir uns wieder der Gegenwart zu und setzen unsere Fahrt in Richtung Moskenes fort. Das Wetter wird etwas besser, zumindest hört der Regen auf und wir machen immer wieder eine kurze Pause um die wilde Landschaft zu bestaunen. Ein Abstecher nach Nusfjord führt uns zu einem der am Besten erhaltenen ursprünglichen norwegischen Fischerdörfer. Allerdings sind die 100 Kronen für einen Spaziergang durch das Dorf recht happig. Trotzdem ist der Parkplatz restlos voll und im Dorf drängen sich viele Touristen.

 

Schliesslich erreichen wir Moskenes und reihen uns in eine der Warteschlangen vor dem Anlegeplatz der Fähre. Das Ent- und Verladen geht zügig und pünktlich um 18 Uhr legen wir ab. Die Fahrt für die rund 100 Kilometer dauert etwa 4 Stunden. Der Wellengang ist zwar mässig, aber trotzdem schaukelt das grosse Schiff ordentlich. Elsbeth möchte deshalb draussen auf dem Deck frische Luft schnappen und kommt dabei mit einem Norweger ins Gespräch. Der war mit Freunden auf einer Angeltour. Dabei haben sie etwa 400 Kg Kabeljau gefangen. Er Mann wohnt auf dem Festland ziemlich abseits und er gehe auch auf Elchjagd. Fisch und Fleisch müsse er deshalb nicht kaufen. Wovon er denn lebt, hat er nicht genauer erläutert.

 

Schliesslich laufen wir in Bodø ein. Wir wollen nicht mehr weit fahren, und suchen deshalb einen Übernachtungsplatz. Die ersten beiden gefallen uns nicht, schliesslich platzieren wir uns auf einem grossen Parkplatz beim Nordlandscenter. Zwar nicht schön, aber was solls, zum Schlafen genügts.

 

Wetter:                        stark bewölkt, Regen, um 15°
Distanz:                        136.7 Km

 

25. Juli 2019

Heute ist nichts mit ausschlafen. Schon um 5 Uhr macht sich eine Strassenkehrmaschine auf unserem Parkplatz ans Werk und rattert mit Getöse immer wieder an Brummsli vorbei. Da nützen auch Ohrenstöpsel und Decke über den Kopf ziehen nichts. Kaum ist der Parkplatz sauber, beginnt der Flugverkehr beim nahen Flugplatz mit Starts und Landungen von kleinen Propellerflugzeugen. Naja, dann stehen wir halt auf, machen uns parat und können im gegenüberliegenden Einkaufszentrum gleich noch die Vorräte ergänzen. Ausserdem ist der Himmel wieder wolkenlos und schon am Morgen sind die Temperaturen angenehm mild.

 

Wir haben uns entschlossen, nicht der Europastrasse E6 nach Süden zu folgen, sondern weiterhin auf der Küstenstrasse zu fahren. Das braucht zwar mehr Zeit, dafür ist der Verkehr bedeutend geringer als auf der Hauptstrasse.

 

Die Küstenstrasse schlängelt sich den Fjorden entlang, führt durch unzählige Tunnel und über Brücken. Zweimal müssen wir die Fähre benutzen um weiter zu kommen. Übrigens verfügt Norwegen über ein automatisches Mautsystem für Brücken, Tunnel oder Stadtdurchfahrten. Dabei wird die Autonummer erfasst und es soll dann eine Rechnung für die fällige Gebühr nach Hause gesandt werden. Wir werden sehen, was da alles zusammenkommt.

 

Schon kurz nach Bodø überqueren wir eine hohe Bogenbrücke über den Skjerstadfjord. Unter uns scheint das Wasser zu kochen und zu brodeln. Es handelt sich dabei um den Saltsraumen. Das soll der stärkste Geizeitenstrom der Welt sein. Innert 6 Stunden werden 400 Millionen Kubikmeter Wasser mit bis zu 40 Km/h durch die Engstelle gepresst. Die Stelle ist daher extrem arten- und fischreich.   

 

Wir gondeln gemütlich weiter, halten mal hier und mal dort um ein Foto zu machen und sind total begeistert von der norwegischen Landschaft. Auf einer Seite haben wir das blaue Meer, auf der anderen bis zu 1600 Meter hohe Berge, die teilweise mit Gletschern bedeckt sind. Im über 7 Km langen Svartisttunnel unterqueren wir den zweitgrössten Gletscher Norwegens, den 370 Quadratkilometer grossen Svartisen Gletscher. Er Hauptteil des Gletschers ist zwar auf der anderen Gebirgsseite, einige seiner 60 Gletscherarm gehen aber bis über den Bergrücken und erreichen fast das Wasser der Fjorde.

 

Von Forøy nach Ågskardet und von Jektivik nach Kilboghamn müssen wir für 10 beziehungsweise 30 Minuten die Fähre benutzen. Dabei überqueren wir auch wieder den nördlichen Polarkreis. Es ist inzwischen schon bald 17 Uhr und wir entschliessen uns deshalb gleich nach dem Entladen in Kilboghamn auf dem Campingplatz einzuchecken. Dort wollen wir wieder einmal Wäsche waschen. Bei dem herrlichen Wetter trocknet es auch noch wunderbar. Denn es weht ein leichter Wind und die Luft ist sehr trocken.

 

Nun haben wir uns ein feines Steak auf dem Grill verdient und dazu ein Glas Cabernet Sauvignon «Castillero del Diablo» aus dem Tetrapack.

 

Wetter:                                       sonnig, meist wolkenlos, 25 – 27°

Distanz:                                      192.9 Km

26. Juli 2019

Heute liegt, entgegen unserer Erwartung, dichter Nebel. Trotzdem frühstücken wir heute endlich wieder einmal im Freien. Danach nutzen wir die Gelegenheit und leeren den Abwassertank und die Toilette und machen uns auf den Weg zur nächsten Fähre in Nesna. Sobald wir auf der 90 Kilometer langen, hügeligen Stecke über einen Bergrücken fahren, sind wir über der Nebelgrenze und haben einen wunderbaren Blick auf das Nebelmeer und die umliegenden, von Gletschern blankgeschliffenen, felsigen Hügel. Während einer Kaffeepause finden wir die ersten reifen Heidelbeeren. Entlang der Fjorde wird jedes flache Stück Land intensiv landwirtschaftlich genutzt. Generell ist die Gegend, obwohl sehr abgelegen und nur über Fährverbindungen erreichbar, relativ dicht besiedelt. Allerdings führen praktisch keine Strassen ins bergige Hinterland.

 

In Nesna stellen wir uns in die Schlange und warten auf die Fähre. Auf einer Bank richten wir uns für eine Zwischenmahlzeit ein. Da sehen wir, dass einer der Fischer direkt ab Boot frische, gekochte Crevetten verkauft. Wir überlegen nicht lange und holen uns für 200 Kronen ein Kilo der leckeren Meerestiere und genehmigen uns gleich eine Kostprobe.

 

Die Überfahrt nach Levang dauert nur etwa 20 Minuten. In der Zwischenzeit hat sich der Nebel auch am Meer vollständig aufgelöst und wir geniessen auf der kurzen Schifffahrt die Sonne und das warme Wetter.

 

Gut gelaunt geht die Fahrt für 70 Km weiter nach Tjøtta, wo die Strasse endet und wieder eine Fähre benutzt werden muss. Dieses Mal herrscht beim Verladen ein ziemliches Durcheinander, da der Andrang sehr gross ist. Zudem bekommt ein Linienbus, der mit Verspätung eintrifft, Vorrang. Dadurch haben nicht mehr alle Wartenden auf dem neuen Schiff Platz und müssen auf die nächste Verbindung warten. Brummsli kann als eines der letzten Fahrzeuge noch an Bord gehen. Dieses Mal dauert die Fahrt fast 45 Minuten bis wir in Forvik ankommen. Erst später haben wir festgestellt, dass Brummsli beim Bezahlen der Passage aufgewertet wurde. Statt wie üblich 6 Meter, wurde der Tarif für 7 Meter verrechnet. Das nächste Mal passen wir besser auf.

 

Die nächste Fähre folgt schon nach etwa 20 Kilometern. Wir haben aber für heute genug vom Schiff fahren und machen uns auf die Suche nach einem Übernachtungsplatz. Kurz vor Anndalsvågen, dem nächsten Abfahrtshafen, finden wir auf einer einsamen Waldlichtung einen schönen und ruhigen Platz. Wir sind wieder einmal ganz alleine und geniessen die Abgeschiedenheit und die Ruhe ohne andere Wohnmobile.

 

Wetter:                        anfangs neblig, dann sonnig und wolkenlos, um 25°

Distanz:                       169.9 Km

27. Juli 2019

Heute wollen wir erneut gemächlich vorwärtsmachen. Die ersten Fähren ab Anddalsvågen würden um 8.20, 9.15 oder 10.05 ablegen, wir entscheiden uns aber diejenige um 12.30 Uhr zu nehmen. So können wir gemütlich in den Morgen starten. Wir haben heute einen herrlich sonnigen und warmen Tag. Keine Spur von Nebel wie wir ihn gestern hatten.


Heute kann sich auch Elsbeth dazu entschliessen im Freien zu duschen, da sonst niemand in der Nähe ist. Ich muss ihr lediglich die lästigen «Bräme», die sich hier haufenweise tummeln, von den edelsten Körperteilen fernhalten.

 

Schliesslich sind wir parat. Die Fähre legt nur etwa 2 Kilometer von unserem Übernachtungsplatz ab. Wir sind dann auch die Ersten und geniessen die Sonne bis zur Abfahrt in etwa 90 Minuten. Schliesslich können wir verladen und schon nach 20 Minuten erreichen wir Horn auf der anderen Seite des Velffjord. Von dort fahren wir nach Brønnøysund, wo wir einkaufen, tanken und entsorgen.

 

An der äussersten Spitze der Halbinsel befindet sich eine der Attraktionen der Region, der Torghatten. Es handelt sich dabei um einen Berg mit einem etwa 35 Meter hohen und 160 Meter langen Loch. Dieses kann in einer etwa 20-minütigen Wanderung erreicht und durchschritten werden. Die markante Landmarke galt früher bei Seefahrern als Orientierungspunkt. Wir fahren deshalb bis zum Wanderparkplatz und überqueren dabei die hohe Brønnøysundbrücke, unter der auch die Schiffe der Hurtigruten passieren können. Es ist mittlerweile über 30° heiss und wir kommen beim Aufstieg zum Torghatten ganz schön ins Schwitzen. Die Anstrengung lohnt sich aber auf jeden Fall, denn es bietet sich uns ein toller Blick über die Schärenlandschaft.

 

Jetzt sind es nur noch etwa 50 Kilometer bis zu unserer letzten Fähre von Vennesund nach Holm. Wir erreichen kurz vor Abfahrt um 17.10 den Hafen, bezahlen die Überfahrt, verladen und schon legt das Schiff ab. Die Überfahrt dauert ebenfalls nur etwa 20 Minuten und schon können wir weiterfahren.

 

Langsam wird es auch wieder Zeit einen Schlafplatz zu suchen. Heute ist es weniger romantisch als gestern, denn wir installieren uns auf dem Parkplatz eines Aussichtspunktes über dem Kjeldafjord. Der liegt zwar unmittelbar neben der Strasse, bietet aber einen tollen Ausblick und Sonne bis um 22 Uhr. Ausserdem fährt die letzte Fähre gegen 22 Uhr, so dass danach nur noch mit wenig Verkehr zu rechnen ist.

 

Wetter:                        wolkenlos, sehr heiss, um 30°
Distanz:                        103.5 Km

28. Juli 2019

Wir haben eine recht warme Nacht hinter uns und haben trotz offenen Fenstern und leichter Decke beide nicht so gut geschlafen. Der wunderschöne Morgen entschädigt uns aber und wir geniessen das Frühstück im Freien.

 

Schnell ist wieder alles eingeräumt, der übliche Check (Fenster geschlossen, Dachluken zu, Schränke verriegelt) und es kann wieder los gehen. Erst noch entlang von Fjorden kehren wir diesen für eine kurze Zeit den Rücken und die Strasse führt ins Landesinnere. Die Berge sind nicht mehr kahl und felsig, sondern bewaldet und statt der Fjorde fahren wir entlang von Flüssen und Seen.

 

Es ist heute wieder über 30° heiss. Wir machen immer mal wieder einen Stopp, halten es aber im Freien nicht lange aus, und sind froh in Brummslis’s klimatisierter Fahrerkabine Abkühlung zu finden.

 

In Namsøs leeren wir vorsorglich an einer Esso-Tankstelle die Toilette und füllen Frischwasser auf. Danach machen wir uns auf die Suche nach einem Übernachtungsplatz. Wir folgen einer Forststrasse und finden an deren Ende einen Wendeplatz der, hoch über einem Fjord, ideal geeignet ist. Es ist erst etwa 14 Uhr. Wir richten uns im Schatten von Brummsil ein und verbringen einen Faulenzer-Nachmittag im Liegestuhl.

 

Nach dem Nachtessen folgen wir dem Fussweg am Ende der Forststrasse und gelangen so an einen kleinen Strand an einem Arm des Namsfjord und erfrischen uns mit einem Bad im angenehm temperierten Wasser. An der Bucht gibt es noch einige Wochenendhäuschen, die aber teilweise nur mit dem Boot oder zu Fuss zu erreichen sind.

 

Morgen planen wir bis nach Trondheim zu fahren und die Stadt zu besichtigen. Danach wollen wir die Küstenregion verlassen und durch die Berge an der schwedischen Grenze weiter in Richtung Oslo vorankommen.

 

Wetter:                        wolkenlos und sehr heiss, über 30°

Distanz:                        150.3 Km

29. Juli 2019
Heute ist es wieder wolkenlos und warm. Es soll vorläufig der letzte Tag sein, an dem 30° erreicht werden. Im Schatten von Brummsli können wir wieder gemütlich im Freien frühstücken. Dann fahren wir auf dem Waldweg zurück zur Strasse und kommen zügig voran. Der Verkehr ist mässig, da die Hauptroute über die E6 in nach Oslo führt.

 

In Steinkjer haben wir den ersten Halt geplant um wieder einmal einzukaufen. Im Vergleich zu den Städten ganz im Norden herrschen hier in Mittelnorwegen für den passionierten Shopper paradiesische Zustände. Ein Einkaufszentrum reiht sich ans andere und das Angebot in den Geschäften ist reichhaltig und frisch.

 

Ab Steinkjer benutzen wir ebenfalls die Europastrasse E6. Der Verkehr ist in beide Richtungen bedeutend stärker und wir sind froh, die letzten Tage ab Bodø entlang der Helgelandkyste auf der gemütlichen Küstenstrasse unterwegs gewesen zu sein. Man könnte fast sagen, wir sind uns nach den Wochen im hohen Norden grössere Menschenansammlungen nicht mehr gewohnt.

 

Die Route führt uns durch landwirtschaftlich intensiv genutzte Gebiete die recht dicht besiedelt und von bewaldeten Hügelketten durchzogen sind. Am frühen Nachmittag erreichen wir Trondheim und reihen uns auf dem sterilen städtischen Wohnmobilstellplatz in das Heer von Campingmobilen ein.

 

Es ist immer noch brütend heiss. Trotzdem machen wir uns gleich auf den Weg ins historische Zentrum der Stadt. Wir durchqueren das Quartier Nedere Elvehavn, wo aus alten Hafen- und Industriegebäuden ein trendiger Treffpunkt mit vielen Restaurants und Bars entstanden ist. Auffällig sind auch die extrem gut ausgebauten Radwege, die, strikt von den Fusswegen getrennt, kreuz und quer durch die Stadt führen. Überall sind Stationen für Mietvelos zu finden.

 

Wir besichtigen die alte Speicherstadt Bakklandet an der Nidelva mit ihren bunten Häusern und der historischen Stadtbrücke. Am Nidarosdom herrscht zur Zeit viel Betrieb wegen dem Olavsfest, einem seit 2017 jährlich stattfindenden Anlass zu Ehren des heiligen Olav. Dieser hat als König von Norwegen von 1015 – 1028 massgeblich zur Christianisierung des Landes beigetragen und das Ende der Wikingerzeit eingeläutet. Sein Grab im Nidarosdom ist das Ziel vieler Pilgerreisen. Anlässlich seines Gedenktages am 29. Juli wurde heute eine Messe abgehalten, während der wir auch die in der Schweiz restaurierte Wagner-Orgel aus dem Jahre 1741 hören konnten. Der Dom hat seinen Ursprung in einer Steinkirche aus dem Jahre 1090. Diese wurde von 1152 – 1320 zur Kathedrale ausgebaut und dient seither als Bischofssitz. Im Palast des Erzbischofs werden in einem Museum die Kronjuwelen ausgestellt in einem Kriegs- und Widerstandsmuseum wird auf die Militärgeschichte Norwegens, die von Kriegen gegen Schweden und den Widerstand gegen Nazideutschland geprägt ist.

 

Ziemlich geschafft kehren wir auf unseren Übernachtungsplatz zurück. Für die Nacht ist zwar Abkühlung versprochen, im Moment ist es aber noch brütend heiss. Wir öffnen alle Fenster von Brummsli und schalten den Dachventilator ein um möglichst viel Durchzug zu erzeugen und die Wärme aus dem Auto zu bekommen.

 

Für Morgen planen wir nochmals einen Spaziergang durch Trondheim und möchten dann am Nachmittag unsere Reise in die Berge entlang der schwedischen Grenze fortsetzen.

 

Wetter:                        wolkenlos und heiss, um 30°

Distanz:                        165.1 Km

30. Juli 2019

Heute ist es merklich kühler als die letzten Tage. Es ist aber immer noch sonnig und wolkenlos. Da wir den Stellplatz für 24 Stunden bezahlt haben, müssen wir erst gegen 14 Uhr aufbrechen. Wir machen deshalb nochmals einen Ausflug in die Stadt. Gestern haben wir die königliche Residenz noch nicht besucht. Diese ist daher unser erstes Ziel. Es handelt sich dabei um ein Schloss in Holzbauweise. Es wirkt von aussen wenig spektakulär ist aber eines der grössten Holzgebäude Skandinaviens und kann in geführten Touren besichtigt werden. Wir machen nochmals einen Rundgang um die Kathedrale und überqueren die Nidelva auf der alten Stadtbrücke und erhalten dadurch nochmals einen anderen Blickwinkel auf die bunten Speicherhäuser. Zudem führt uns der Rückweg durch ein hübsches Quartier mit vielen historischen Häusern.

 

Zurück beim Stellplatz nutzen wir die Entsorgungsstelle, welche in ausgezeichnetem Zustand ist bevor wir entlang dem Trondheimsfjord ein Stück zurück in Richtung Flughafen fahren und dann auf die Strasse 705 abbiegen, die uns kurvenreich in die Berge, vorbei an Seen und Flüssen nach Røros bringt. Unterwegs sehen wir auch seit langem wieder ein paar Rentiere. Auf unseren ersten Elch warten wir allerdings immer noch vergebens.

 

In Røros wurde seit Mitte des 17. Jahrhunderts bis in die 1970er Jahre Kupfererz abgebaut. Die grösstenteils noch erhaltene historische Bausubstanz hat Røros einen Platz auf der UNESCO Welterbeliste eingebracht. Es ist einer der kältesten Orte Norwegens. Der Rekord aus dem Jahre 1914 liegt bei minus 50.4°. In den alten Häusern sind viele hübsche kleine Läden für Kunsthandwerk und Galerien untergebracht.

 

Wir suchen uns zuerst einen schönen Übernachtungsplatz an der Stadtgrenze, wechseln diesen aber nach dem Nachtessen, da sich ein paar komische Typen in der Nähe unseres Brummsli herumtreiben. Auf der anderen Stadtseite finden wir einen neuen Platz in unmittelbarer Nähe von riesigen Sanddünen (Esker), die sich während der letzten Eiszeit hier abgelagert haben. Unseren Spaziergang auf die hohen Sandberge müssen wir allerdings unterbrechen, da wir uns plötzlich im Zielgebiet einer Tontaubenschiessanlage befinden.

 

Wetter:                        erst sonnig und wolkenlos, dann bewölkt 15 – 20°

Distanz:                        199.8 Km

31. Juli 2019

Wir merken, dass wie schon weit nach Süden gekommen sind, denn es wird in der Nacht doch schon recht dunkel. Wir müssen die Vorhängli nicht mehr ziehen und können sogar das eine oder andere Verdunkelungsrollo etwas offen lassen damit die Luft besser zirkuliert.

 

Beim Studieren der Karte und Reiseroute für den heutigen Tag haben wir gestern entdeckt, dass der Gebirgszug östlich von Lillehammer von einem Netz von Fahrwegen durchzogen ist. Bei der Recherche im Internet sind wir auf den Birkebeinervegen gestossen. Dies ist eine gebührenpflichtige unbefestigte Privatstrasse die von Messelt im Østerdalen nach Sjusjøen führt. Es gibt aber auch noch Verbindungen, die weiter nach Süden führen. Nach einigem Hin und Her wählen wir diese Route auch wenn auf Grund der Artikel im Internet noch nicht ganz klar ist, wo und wie die Strassengebühr bezahlt werden muss. Aber Brummsli hat ja schliesslich ein Anrecht auf etwas mehr Dreck.

 

Wir fahren deshalb durch eine wunderbare Wald-, Fluss und Seenlandschaft in Richtung Koppang. Besonders beeindruckt haben uns die lichten Nadelwälder mit dem dichten Flechten-, Erika- und Heidelbeerbewuchs. Es ist ein wunderbares Wandergebiet, wo alle paar Kilometer ein Wanderparkplatz mit Informationstafel zum Spazieren einladen. Zudem gibt es nur noch wenig Verkehr und die Kolonnen deutscher Wohnmobile sind verschwunden.

 

In Koppang kaufen wir nochmals für die nächsten Tage ein und erreichen wenige Kilometer später die Mautstelle des Birkebeinervegen. An einem Automaten kann die Gebühr von 130 Kronen mit Karte bezahlt werden und schon öffnet sich die Schranke. Die gut planierte Schotterstrasse führt uns rasch in die Höhe auf das nur noch spärlich bewachsene Fjell. Immer wieder kreuzen uns Autos in rasantem Tempo, welche die Strasse als Abkürzung zwischen Lillehammer und dem Østerdalen nutzen. Wir nehmen es gemütlich und suchen uns auf dem Skollfjellet, einer mit Flechten und niedrigwachsenden Büschen bewachsenen Hochebene, einen Übernachtungsplatz. Wir sind heute fast allein, nur zwei ältere Fischer übernachten ein paar hundert Meter entfernt in einem Zelt.

 

Wetter:                        anfangs wolkenlos, später leicht bewölkt, um 15°
Distanz:                        203 Km

1. August. 2019

Heute werden wir von den Glocken einer Schafherde geweckt, die sich unseren Übernachtungsplatz als Weidegrund ausgesucht hat. Nach dem Morgenessen geht es weiter auf Schotterpisten, wieder runter von Hochplateau nach Brumunddalen in der Nähe von Lillehammer. Wir passieren auf den Rund 40 Kilometern verschiedene abgelegen kleine Siedlungen und eine weitere bediente Zahlstelle wo wir für den heutigen Tag nochmals 113 Kronen bezahlen müssen. Während einer kurzen Pause studieren wir die Karte und entschliessen uns die Grenze nach Schweden zu passieren und dann nach in Helsingborg die Fähre nach Dänemark zu benutzen. Bis dahin dauert es aber noch ein paar Tage und wir wollen zuerst die Seen in Schweden etwas geniessen und mindestens einen Ruhetag einlegen.

 

Für heute geht es zuerst weiter nach Kongsvinger. Dort steht auf dem Hügel eine Festung die 1682 als Ersatz für ältere Befestigungsanlagen gegen die Bedrohung aus Schweden errichtet wurde und ein Eindringen schwedischer Truppen über den grössten Strom Skandinaviens, die Glomma, verhindern sollte. Im angegliederten Museum wird wiederum die Militärgeschichte Norwegens, insbesondere der Widerstand gegen Nazideutschland, thematisiert.

 

Nun sind es nur noch wenige Kilometer bis zur Grenze. Kurz vorher installieren wir uns auf einem kostenlosen Wohnmobilstellplatz. Der nahe Wald bietet uns Gelegenheit für einen ausgedehnten Abendspaziergang.

 

Wetter:                        leicht bewölkt, 20 – 25°
Distanz:                        202 Km

2. August 2019

Im Laufe des gestrigen Abends hat sich unser Parkplatz noch ziemlich gefüllt. Wir machen uns daher zeitig auf um an der Entsorgungsstelle nicht allzu lange warten zu müssen. Tatsächlich kommen wir zügig voran und überqueren die Grenze nach Schweden. Unmittelbar danach reihen sich 5 grosse Einkaufszentren aneinander. Das Sortiment scheint auf die norwegischen Nachbarn ausgerichtet zu sein. Insbesondere Bier, Zigaretten und Fleisch werden in Grosspackungen, vermutlich billiger als in Norwegen, angeboten. Dementsprechend sind es auch hauptsächlich norwegische Autos die auf den Parkplätzen stehen.

 

Wir haben für heute nur eine kurze Etappe zu einem abgelegenen Stellplatz an einem nahen See geplant. Das Navi führt uns zwar zuerst in die Irre und auf Strassen mit Fahrverbot, schlussendliche gelangen wir, nach einer 14 Kilometer langen Fahrt durch den Wald auf Schotterpiste, zu unserem Ziel. Wir sind ganz alleine in traumhafter Kulisse, nur Wasser, Wald und ein felsiger Strand. Wir erfrischen uns zuerst einmal mit einem kühlen Bad, denn an der Sonne ist es recht heiss und der Himmel ist wolkenlos. Dann richten wir uns für einen faulen Nachmittag im Liegestuhl ein.

 

Leider ist es dann mit der Ruhe und Einsamkeit vorbei. Zwei dänische Familien richten sich am selben Ort mit ihren Zelten für eine Übernachtung ein und ein Kölner Ehepaar mit Campervan gesellt sich ebenfalls noch zu uns. Zwei, drei weitere Fahrzeuge wenden, denn unser Platz ist jetzt voll.

 

Letztendlich wird es, trotz Gesellschaft, ein gemütlicher Grillabend mit Lagerfeuer und angelnden Kindern.

 

Wetter:                        sonnig, fast wolkenlos, 25°
Distanz:                        32 Km

3. August 2019

Von allen die am selben Ort übernachtet haben, sind wir heute die ersten die sich draussen zeigen. Obwohl der Himmel bedeckt ist, essen wir draussen. Langsam regen sich unsere dänischen Nachbarn und kriechen aus ihren Zelten und verschwinden im Wald. Auch die Kölner in ihrem Campervan kriechen aus den Schlafsäcken und kochen sich Kaffee auf dem einflammigen Gaskocher der ausziehbaren Küchenschublade. Da sind wir mit Brummsli doch recht komfortabel unterwegs. Die separate Dusche mit WC zahlt sich schon aus und auch in unserer Küche lässt sich bequem arbeiten. Die Handhabung des ausziehbaren Bettes hat sich gut eingespielt und läuft problemlos.

Nach den Frühstück fahren wir wieder zurück auf die Hauptstrasse. Wir haben einen Wanderparkplatz auf dem Navi eingegeben, den wir auf MapOut rausgesucht haben. Dort ist auf der Karte eine Rundwanderung eingezeichnet, mit der wir den gestrigen "faulen" Tag kompensieren wollen. Tatsächlich haben wir es mit unserer Wahl gut getroffen. Der Parkplatz scheint zwar wenig benutzt und etwas ungepflegt, ein Wanderweg ist aber ausgeschildert und gut markiert. Der Pfad führt vorbei an den Überresten einer, vermutlich bronzezeitlichen Festungsanlage mit Steinwällen, einem Kistengrab und mehreren steinernen Grabhügeln am See.

Schon bald finden wir entlange des Wanderweges auch reichlich Eierschwämmli, die wir einsammeln. Wir freuen uns schon auf eine feine Beilage zu unseren Kotellets, die wir noch im Kühlschrank haben. Kurz bevor wir zurück beim Parkplatz sind, schrecken wir noch eine Gruppe junger Männer auf, die mit Kanus unterwegs sind und am See neben dem Wanderweg campiert haben. Sie haben offensichtlich nicht mit Wanderern gerechnet und erklären uns, fast entschuldigend, dass sie eine Geburtstagparty feiern.

Das Wetter hat sich in der Zwischenzeit gebessert. Die Wolken haben sich aufgelöst und die Sonne zeigt sich. Wir kehren zu Brummsli zurück und fahren weiter auf die Värmlandsnäs, eine grosse Halbinsel im Vänernsee, mit 5519 Quadratkilometern dem drittgrössten See Europas. Da freie Stellplätze in dieser Region rar sind, checken wir auf dem Campingplatz in Ekenäs ein. Auch hier machen wir zuerst eine kleine Wanderung ganz an die Spitze der Halbinsel bevor wir den Rest des Abends auf dem Vorplatz bei Brummsli verbringen und unsere Eierschwämme geniessen.

Je nachdem wie sich das Wetter entwickelt, für Morgen sind Gewitter angekündigt, werden wir noch einen weiteren Tag hier verbringen und die Umgebung mit dem Fahrrad erkunden.

Wetter:                   anfangs bedeckt und kühl am Nachmittag Sonnig um 20°
Distanz:                  131.6 Km

4. August 2019
Während der Nacht hat es zwar einmal etwas getröpfelt und am Morgen ist es immer noch stark bewölkt. Trotzdem entscheiden wir uns dazu noch einen Tag hier in Ekenäs zu bleiben. Nach dem Morgenessen machen wir die Fahrräder bereit und starten eine kleine Velotour.
Schon nach wenigen Kilometern steht ein Wegweiser der uns zu einer Waldlichtung führt, wo auf Felsen am Waldboden bronzezeitliche Steinritzungen zu sehen sind. Diese sollen etwa aus der Zeit von 1500 - 500 vor Christus stammen und wurden in den 30er Jahren zufälllig unter der dicken Moosschicht entdeckt. Um die eingeritzten Boote und Opfermulden besser zu erkennen, sind diese mit Farbe nachgezeichnet.
Wir kehren zurück auf die Hauptstrasse. Unsere Route führt uns vorbei an grossen, reifen Getreidefeldern und durch schattige Wälder. Das Wetter hat sich merklich gebessert und die Sonne zeigt sich am leicht bewölkten Himmel. Die Bauern nutzen die Gelegenheit und sind damit beschäftigt das Getreide einzubringen.
Wir biegen dann wieder ab von der asphaltierten Hauptstrasse und folgen der Strasse in Richtung See. Unseren zweiten Stopp machen wir am Hafen von Gaperhult. Dabei entdecken wir einen schönen Platz direkt am Wasser, der als Übernachtungsplatz geeignet gewesen wäre. Sogar ein Plumpsklo befindet sich in der Nähe und der Sandstrand bietet einen guten Einstieg in den See.
Auf ruppiger Schotterpiste fahren wir weiter und kehren in grossem Bogen zurück auf die Hauptstrasse auf der wir zum Campingplatz zurückkehren. Wir sind doch 3 Stunden unterwegs gewesen und haben etwa 45 Kilometer zurückgelegt. Wir genehmigen uns deshalb zuert einmal eine feine Zimtschnecke und  einen Kaffee und verbringen den Rest des Nachmittages auf dem Campingplatz.
Wetter:                                anfangs bedeckt, dann leicht bewölkt um 20°
Distanz:                                mit dem Velo 45 Km

5. August 2019

Heute soll es weiter gehen. Das Wetter ist zwar nicht optimal, es ist bewölkt und keine Sonne zu sehen. Da wir aber noch etwa zwei Wochen Zeit haben bis wir wieder zu Hause sein wollen, machen wir uns wieder auf in Richtung Meer im Westen von Schweden. Vorher wird noch entsorgt und Frischwasser aufgefüllt und in Säffle kaufen wir noch tüchtig ein, so dass wir wieder für ein paar Tage versorgt sind.

 

Dann geht es zügig auf der gut ausgebauten Strasse 164 in Richtung Küste. Auf einem schönen Rastplatz an einem der vielen Seen gönnen wir uns eine Kaffeepause mit der üblichen Zimtschnecke.

 

Nahe der Küste in der Umgebung von Tanum gibt es reiche Funde aus der Bronzezeit. Es ist deshalb wieder einmal ein Besichtigungstag. An verschiedenen Stellen, die zum UNESCO Kulturerbe erklärt wurden, sind unzählige Steinritzungen und Hügelgräber zu besichtigen. Beim Museum in Vitlycke ist ein bronzezeitliches Dorf nachgebaut, wie es vor 3000 Jahren ausgesehen haben könnte. Wer will, kann sich im Bogenschiessen üben, oder seine Geschicklichkeit beim Brechen und Spinnen von Flachs unter Beweis stellen.

Auf den Schautafeln ist ersichtlich, dass Anfangs der Bronzezeit vor etwa 3000 Jahren der Meeresspiegel um 15 Meter höher lag und die Fundstellen damals direkt am Meer lagen. Das Klima war ähnlich wie heute in Südfrankreich. Erst in der jüngeren Bronzezeit änderte sich das Klima dramatisch und zwang die Menschen zur Anpassung ihrer Lebensweise.  Die Häuser wurden niedriger und dafür länger gebaut, so dass der Wohnbereich und die Unterbringung der Tiere unter einem Dach erfolgen konnten. Dies hat es erleichtert die Temperaturen in den Gebäuden mit der Körperwärme des Viehs hoch zu halten.

 

Nun sind es nur noch wenige Kilometer bis zu unserem Ziel, dem Hafen von Kämpersviks. Die Zufahrt zu dem im Reiseführer beschriebenen Stellplatz ist aber mit einem Fahrverbot belegt. Wir suchen uns deshalb einen anderen Platz auf der anderen Seite des Hafens. Es gibt zwar zwei Wohnmobile die sich über das Verbot hinweggesetzt haben, wir finden aber, dass die Regeln eingehalten und respektiert werden sollten. Nur so wird der Goodwill gegenüber den immer zahlreicher werdenden Wohnmobilen nicht weiter abnehmen und freies Stehen möglich sein.

Ausserdem sehen wir auch hier wieder, wie in ganz Südschweden, Warntafeln der Polizei die zu Wachsamkeit aufrufen um Einbrüche zu verhindern.

 

Wetter:                        bedeckt und kühl, nur gegen Abend etwas Sonne, 15 – 20°

Distanz:                        171.0 Km

6. August 2019

Während der ganzen Nacht regnet es immer wieder. Aber so richtig los geht es als wir wieder unterwegs sind. Immer wieder fallen kräftige Regenschauer. Trotzdem haben wir als erstes Ziel das Hafenstädtchen Fjällbacka. Dort gibt es, nicht weit vom Hafen, die Kungsklyfta zu besichtigen. Dabei handelt es sich um eine enge Felsspalte in deren oberem Ende ein riesiger Felsblock stecken geblieben ist. Es ist zwar ein Rundweg markiert, der durch die Kluft und über den Berg wieder zurückführt. In Anbetracht des Regens begnügen wir uns aber mit ein paar Fotos und suchen wieder Schutz im der warmen und trockenen Fahrerkabine von Brummsli.

 

Weiter geht es nach Lysekil, wo wir eine Regenpause nutzen und eine kurze Wanderung in einem Naturschutzgebiet unternehmen. Diese führt uns durch die zerklüfteten, roten Granitfelsen der herrlichen Küstenlandschaft. Die im Reiseführer beschriebene Gletschermühle verpassen wir zwar, dafür führt uns der Weg durch das Nålsögat. Wieder eine enge Felsspalte die von einem 25 Tonnen schweren Stein bedeckt wird und eine Art Tor bildet.

 

Mit drei kostenlosen Fähren überqueren wir den Gullmarnfjord und die Schäreninselchen Flatön und Malö und sparen uns dadurch etwa 30 Autokilometer. Das bedeutet aber nicht unbedingt auch eine Zeitersparnis. Allerdings führt die Strecke durch eine herrliche Schärenlandschaft die geprägt ist von einer mit unzähligen Granitinselchen durchsetzten Felsenküste.

 

Schliesslich wir es wieder Zeit eine Übernachtungsplatz zu suchen. Beim Wanderparkplatz nahe dem Sundby Gutshofes werden wir fündig. Der Gutshof liegt auf der Insel Mjön und besteht aus einem kleinen Museum, einem Kaffee und einem Bioladen. Die Geschichte reicht zurück bis ins Jahr 1388. Das beliebte Ausflugsziel liegt in einem schönen Naturschutz- und Wandergebiet. Da sich die meisten Wolken verzogen haben und sich der blaue Himmel zeigt, machen wir zuerst einen Spaziergang zum Hof. Wir besichtigen den Gemüsegarten, das kleine Museum und kaufen im Bioladen ein frisches Brot und Käse.

 

Nach dem Nachtessen wandern wir noch etwa 1 ½ Stunden auf den Wanderwegen des Aussichtsberges Solklinten. Auch hier führt der Weg durch enge Klüfte zwischen riesigen Felsblöcken.

 

Wetter:                                       Starkregen, gegen Abend Sonne und blauer Himmel, 15- 20°
Distanz:                                       129.6 Km

7. August 2019

Heute startet der Tag wieder angenehm sonnig. Nur in der Ferne zeigen sich bereits einige Gewitterwolken.

 

Wir verlassen die Insel Tjörn über die mächtige Betonbrücke Tjörnbron. Wir meiden weiterhin die Autobahn und fahren auf Nebenstrassen in Richtung Göteborg. Vorher machen wir Halt in Kungläv, denn dort steht die Bohus Festung. Wir stellen Brummsli auf einem Picknickplatz ab und machen uns auf zur Besichtigung der grössten Befestigungsanlage Skandinaviens. Der Bau begann 1308 und sollte der Verteidigung der südlichen Grenze Norwegens dienen. Erst 1658 wurde die Burg durch den Friedensvertrag von Roskilde schwedisch. Sie wurde trotz 14 Belagerungen nie eingenommen. 1786 endete die militärische Nutzung und drei Jahre später wurde der Abriss beschlossen. Die Steine durften für Wohnhäuser und Gartenanlagen abgetragen werden. Dadurch verfiel Bohus zu einer Ruine. Erst Ende des 19. Jahrhunderts begann eine umfassende Restaurierung.

 

Inzwischen sind dunkle Wolken aufgezogen. Wir fahren weiter nach Süden und durchqueren Göteborg ohne die Stadt zu besichtigen. Von der hohen Brücke über den Göta Älv sehen wir die Hafenanlagen mit den riesigen Verladekränen und die gewaltigen Fährschiffe.

 

Da sich ein heftiges Gewitter abzeichnet suchen wir uns wenig später an einer Bucht am Meer einen Schlafplatz. Tatsächlich dauert es nicht lange und ein kräftiger Gewittersturm zieht über uns hinweg. Erst gegen Abend beruhigt sich das Wetter wieder und wir können noch einen kurzen Strandspaziergang machen.

 

Wetter:                        anfangs sonnig und warm, am Nachmittag Gewitter mit Starkregen, 15 – 20°

Distanz:                        115.5 Km

8. August 2019
Gleich nach dem Morgenessen fahren wir bei schönem Wetter wieder los. Zuerst steuern wir den Wanderparkplatz beim Biskopshagen Naturreservat an. Diesen Platz hatten wir eigentlich als Übernachtungsplatz für die letzte Nacht vorgesehen. Wegen dem starken Gewitter haben wir aber vorher Halt gemacht. Im Nachhinein bereuen wir fast ein wenig, dass wir die paar Kilometer nicht doch noch gefahren sind. Denn das Plätzchen wäre ganz toll gewesen. Sehr abgelegen und ruhig. Auf der einen Seite stehen zwar nur wenige hundert Meter davon entfernt die vier Meiler des Atomkraftwerkes Vattenfall, auf der anderen Seite aber führt der Wanderweg über einen Steg in ein malerisches Schärengebiet. Wir nutzen die Gelegenheit und machen eine kurze Wanderung im mit Erika bewachsenen felsigen Gebiet.

Danach geht es etwa 40 Kilometer weiter nach Varberg, einer kleinen Hafenstadt mit einer Festung aus dem 13. Jahrhundert und dem Kallbadhuset, einem Badehaus im Meer, welches Anfang des 20. Jahrhunderts im maurischen Stil erbaut wurde, nachdem zwei Vorgängergebäude bei Stürmen zerstört wurden. Wir machen einen kleinen Rundgang durch die Stadt, dem Hafen entlang und auf die Festung und erreichen gerade noch den Parkplatz bevor wieder ein heftiger Gewitterregen nieder geht.

Weiter fahren wir entlang der Küste, machen einen kurzen Halt mit Spaziergang am Strand und durchqueren Halmstad im Feierabendverkehr. Zufällig kommen wir an einer Fischräucherei vorbei, machen Halt und decken uns nochmals mit geräuchertem Lachs ein. Für das Nachtessen ist daher schon gesorgt.

Schliesslich finden wir einen Schlafplatz auf dem Strand der Laholmbucht, mit 12 Kilometern dem längsten Sandstrand Schwedens. Es zieht zwar noch einmal ein heftiges Gewitter vorüber, aber nach dem Nachtessen beruhigt sich das Wetter wieder und Elsbeth wagt noch ein Bad im Meer. Ich begnüge mich mit einem Spaziergang am Strand.

Für Morgen stehen nur noch wenige Kilometer bis Helsingborg auf dem Programm. Von dort werden wir mit der Fähre nach Dänemark übersetzen und dann die Fahrt gemächlich Richtung Schweiz fortsetzen.

Wetter:                               gewitterhaft, mit kurzen heftigen Schauern, um 20°
Distanz:                              165.7 Km

9. August 2019
Heute steht leider schon der letzte Tag in Schweden an, denn die Heimat ruft. Während der Nacht hat der Regen wiederholt heftig auf Brummsli’s Dach geprasselt und der Wind hat die Wellen lautstark an den Strand getrieben. Wir haben deshalb beide schlecht geschlafen.

Noch einen Ausflug haben wir geplant bevor wir von Helsingborg die Fähre nach Helsingör in Dänemark nehmen. Ganz an der Nordspitze der Halbinsel Bjärenhalvön fällt das Land in steilen Klippen (Hovs Hallar) ab zum Meer. Verschiedene Wanderwege führen entweder entlang der Felskante durch blumenreiche Wiesen oder nahe der Brandungszone durch die Klippen. Wir entscheiden uns für einen Spaziergang oben am Rand der Klippen.

Danach geht es auf der Autobahn zügig an den Fährhafen von Helsingborg. Die Überfahrt nach Dänemark dauert nur etwa 20 Minuten. Fast ohne Wartezeit ist das Verladen erledigt und schon legt das grosse Schiff ab und wir nähern uns rasch dem hübschen Städtchen Helsingör. Gerne hätten wir einen Stadtbummel gemacht doch wir finden beim besten Willen keinen freien Parkplatz. Es scheint, dass viele Dänen bei der üblichen 37-Stundenwoche am Freitagnachmittag nicht mehr arbeiten. Immerhin fahren wir drei Mal am malerischen Hafen vorbei bis wir uns entschliessen in Richtung Süden weiter zu fahren. Wir folgen der Küstenstrasse vorbei an strohgedeckten Häusern und schönen Villen. Allerdings kommen wir nur schleppend voran. Erstens ist die Geschwindigkeit auf 50 Km/h beschränkt, ausserdem sind links und rechts der Strasse Autos parkiert die in Schlangenlinie, unter Berücksichtigung des Gegenverkehrs, umfahren werden müssen und unzählige Radfahrer nutzen die schmale Strasse als Trainingsstrecke. Deshalb wechseln wir kurz vor Kopenhagen auf die Autobahn und können die Hauptstadt vierspurig bei dichtem Verkehr umfahren.

Erst danach wechseln wir wieder auf Nebenstrassen und finden auf einem Wanderparkplatz an der Küste einen Schlafplatz. Wir befinden uns im Gebiet der Stevns Klint. Dabei handelt sich um eine Steilküste von 15 Kilometern Länge und bis zu 40 Metern Höhe. Im Kreidefels ist deutlich ein dunkles Band zu erkennen, welches beim Einschlag des Asteroiden entstanden ist, der zum Aussterben der Dinosaurier geführt hat. In dieser Schicht sind zahlreiche Fossilien zu finden. Das Gebiet zählt zum UNESCO Weltkulturerbe.

Wir machen nach dem Nachtessen noch einen Spaziergang entlang der Klippen und durch den nahen Steinbruch in dem bis in die 70er Jahre Kalk gebrannt wurde. Wegen des hohen Anteils an Feuerstein war die Produktion aber nicht rentabel und wurde eingestellt. Wir suchen uns ein paar der schönen, scharfkantigen Steine für unseren Steingarten. Mit dem Versuch aus den Feuersteinen ein Steinzeit-Werkzeug zu fertigen scheitern wir kläglich.

Wetter:                               bewölkt und angenehm warm um 20°
Distanz:                              206.5 Km

10. August 2019
Heute beginnt der Tag warm und leicht bewölkt. Wir fahren auf Nebenstrassen im Zickzack durch das ländliche Dänemark, vorbei an roten Backsteinhäusern die zum Teil noch mit Schilf gedeckt sind. Häufig sind die Strassen gesäumt von Lindenalleen. Schon bald erreichen wir Rødbyhavn von wo die Fähren halbstündlich über den Fehmarnbelt nach Puttgarden fahren. Das letzte Stück fahren wir auf der Autobahn, denn diese endet direkt am Fährhafen. Das Verladen ist bestens organisiert und die 45-minütige Überfahrt verläuft problemlose.

Heute wollen wir noch bis Travemünde gelangen und dort auf dem offiziellen Wohnmobilstellplatz einchecken. Wir fahren wieder abseits der Autobahn auf der Küstenstrasse und sind erstaunt über das Chaos das dort herrscht. Es ist eindeutig Hochsaison. Links und rechts der Strasse sind Autos abgestellt und die Strandpromenaden quellen über von Menschen die an der Ostsee Abkühlung suchen. An der Côte d’Azur kanns nicht schlimmer sein.

Endliche erreichen wir Travemünde und, wie befürchtet, ist der Stellplatz voll belegt. Auf dem angrenzenden Parkplatz sind aber noch genügend freie, ebene Plätze wo schon andere Wohnmobile abgestellt sind. Das Parken ist erst noch gratis. Die etwas grösseren Übernachtungsplätze hätten um die 20 Euro gekostet.

Vom Parkplatz aus führt der Fussweg in nur wenigen Minuten runter an den Strand und den Hafen. Auch dort herrscht ziemlicher Betrieb. Wir schlendern auf der breiten Promenade dem Strand entlang, dessen Benutzung nicht kostenlos ist. Die Tickets können für 2.80 Euro an Automaten gelöst werden. Es ist allerdings schon späterer Nachmittag, so dass die meisten Standkörbe nicht mehr belegt sind.