Kurzferien Haute Provence 2019
24. September 2019
von Othmarsingen nach Annecy, 317.9 Km

Wir möchten ein paar Tage in der Provence verbringen und die Schauplätze von verschiedenen Provence-Krimis besuchen, die Elsbeth gelesen hat. Ich habe für 10 Orte die Wegpunkte in der Karten-App MapOut markiert, so dass wir einen Überblick über das Gebiet das wir befahren wollen bekommen.

 

Schnell ist Brummsli wieder startklar gemacht so machen wir uns auf den Weg. Heute wollen wir erst einmal bis nach Annecy gelangen. Wir folgen der Autobahn über Bern an den Genfersee. Statt wie üblich über Genf, wählen wir die Route entlang dem südlichen Seeufer auf französicher Seite. Der Himmel ist zwar wolkenverhangen, aber die Temperaturen sind gegenüber den 13°, welche wir am Mittag noch in Othmarsingen gemessen haben, mit 17° deutlich angenehmer. Wir legen daher in Yvoire, einem hübschen mittelalterlichen Städtchen direkt am Lac Leman, einen Stopp ein und vertreten uns die Beine.

Danach geht es im dichten Feierabendverkehr und bei Regen weiter nach Annecy. Da es schon nach 18 Uhr ist, verzichten wir auf die Besichtigung des hübschen Städtchens am gleichnamigen See und suchen uns im "Parc naturel régional du Massif Bouges" auf dem Berg Semnoz auf etwa 1600 MüM einen Übernachtungsplatz. Vor uns fährt noch ein altes, rauchendes und stinkendes Wohnmobil aus Spanien den steilen Berg hoch wir sind dann aber ganz alleine auf dem Parkplatz des geschlossenen Restaurants auf dem Gipfel. Die Spanier halten zwar auch kurz an, fahren dann aber wieder in Richtung Tal. In der Zwischenzeit hat es aufgehört zu regnen, dafür ist der Berg noch in Nebel gehüllt, der sich erst nach Sonnenuntergang auflöst, so dass uns der Blick auf den Mont Blanc verwehrt bleibt. Vielleicht haben wir Morgen früh mehr Glück.


Wetter:            bedeckt und kühl bei 13 - 17°, teilweise Regen

25. und 26. September 2019
Von Annecy nach Malaucène, 296.7 Km

Radtour von Malaucène nach Vaison la Romaine

Nach einer stürmischen und regnerischen Nacht zeigt sich die Alp hoch über Annecy nebelverhangen und trüb. Da die Strasse über die Crèt de Châtillon wegen Bauarbeiten für ein paar Tage gesperrt ist, müssen wir einige Kilometer auf der extrem kurvenreichen Strasse zurückfahren. Wir überwinden auf schmalen Nebenstrassen eine dem Jura ähnliche Kalkgebirgslandschaft, die wir bei früheren Fahrten in den Süden jeweils auf der Autobahn von Annecy über Chambéry bis nach Grenoble umfahren haben. Wir passieren nahe Grenoble grosse Nussbaumplantagen und gelangen in die weiten Ebenen kurz vor Valence im Rhonetal. Wieder meiden wir die Hauptstrasse und passieren auf kleinen Nebenstrassen viele malerische Dörfer mit schon südlichem Flair.

Endlich erreichen wir das geplante Tagesziel Vaison la Romaine. Allerdings stossen wir auf einige Schwierigkeiten. Der offizielle Wohnmobilstellplatz ist schon voll belegt und auch ein Campingplatz im Städtchen ist voll. Es zeigt sich, dass die Ferien in Frankreich noch nicht vorüber sind. Auf den anderen Parkplätzen sind Wohnmobile in der Hochsaison nicht erwünscht. Wir fahren deshalb einige Kilometer weiter und finden in Malaucène auf dem offiziellen Stellplatz im Städtchen Unterschlupf. Für 11 Euro pro 24 Stunden steht uns ein sauberer Kiesplatz mit schattigen Bäumen und Entsorgungsstelle zur Verfügung.

Nach dem Nachtessen machen wir uns auf eine kurze Erkundungstour durch das Städtchen. Vom Schlosshügel bei der Wehrkirche Saint Michel bietet sich ein schöner Blick über die provencalische Landschaft. Das Schloss wurde zerstört und der Hügel in einen Kalvarienberg umgewandelt. Im Städtchen sind noch zahlreiche Waschbrunnen erhalten.

Am nächsten Morgen machen wir die Fahrräder bereit und radeln auf dem markierten Veloweg zurück nach Vaison la Romaine. Dort marschieren wir kreuz und quer durch die mittelalterliche Altstadt und schieben unsere Räder bis hoch zur Burgruine. Das guterhaltene Städtchen mit den engen Gassen und vielen Brunnen gefällt uns bedeutend besser als das «kommerzielle» Yvoire am Genfersee wo Touristenshops und Restaurants das Ortsbild dominieren. In Vaison la Romaine merkt man, dass hier auch noch gewohnt und gelebt wird.

Auch hier haben die Römer ihre Spuren hinterlassen. Neben der Römerbrücke über die Ouvèze sind umfangreiche Ausgrabungen zu besichtigen.

Auf Umwegen (ich habe wieder einmal nicht auf Elsbeth gehört und den falschen Abzweiger erwischt) radeln wir wieder zurück nach Malaucène. Wir entscheiden uns noch eine Nacht hier zu verbringen. Elsbeth geht zum Einkaufen ins Städtchen. Die Restaurants sind mit unzähligen Radfahrern besetzt, die sich nach der Fahrt auf den nahen Mont Ventoux (1909 m) erholen. In der Zwischenzeit lade ich unsere Fahrräder wieder auf den Träger. Danach geniessen wir den sonnigen und warmen Nachmittag vor unserem Brummsli bevor wir uns ein feines Ratatouille mit Kotelett vom Grill zubereiten und so unseren 32. Hochzeitstag feiern.

Wetter:             erst regnerisch und kühl, dann sonnig und bis 25°

27. September 2019
Von Malaucène zum Mont Ventoux, 74.3 Km
Flusswanderung im Gorges du Toulourenc, 10.5 Km

Heute starten wir wieder in einen wunderschönen Tag. Auf dem Stellplatz herrscht allgemeine Aufbruchstimmung, denn für viele enden die Ferien am kommenden Wochenende. Wir schaffen es noch an die Entsorgungsstelle bevor der grosse Run beginnt. Danach kaufen wir beim Bäcker noch ein Brot und ein Dessert für den Nachmittag.

Bis zum Ausgangspunkt unserer Flusswanderung durch die Schlucht des Toulourenc, dem Dörfchen Veaux, sind es nur wenige Kilometer. Allerdings ist die Strasse sehr schmal und kurvenreich. Zudem sind viele Radfahrer unterwegs, einige vermutlich zum Mont Ventoux.

Vom Parkplatz sind es nur 200 Meter bis zum Fluss. Anfangs können wir noch in den Laufschuhen am Ufer gehen, müssen aber schon bald die Badeschuhe anziehen und im Wasser wandern. Dadurch kommen wir nur langsam voran. Zuerst ist das Bachbett noch breit und nur von Hügeln gesäumt. Doch schon bald türmen sich am Ufer steile Felswände und die Schlucht wird enger. Stellenweise reicht uns das Wasser bis zu den Oberschenkeln, der Bach fliesst aber noch ruhig in einem Kiesbett. Schliesslich erreichen wir eine Stelle wo der Fluss einiges an Gefälle überwinden muss und über grosse Felsblöcke sprudelt über die wir klettern müssen. Wir haben in der Zwischenzeit die Wanderhosen ausgezogen und sind in den Badehosen unterwegs. An einer Stelle müssen wir auch die Rucksäcke über den Kopf halten, da uns das Wasser bis zum Bauch reicht. Immer wieder begegnen uns andere Wandergruppen, die uns entgegenkommen.

Endlich wird der Fluss wieder ruhiger und schliesslich erreichen wir das Ende der Schlucht wo wir uns verpflegen, die Füsse trocknen und die Wanderkluft wieder anziehen. Der Rückweg führt uns durch schattigen Wald hoch an den Rand der Schlucht zurück zum Parkplatz.

Bevor wir weiter fahren machen wir eine Kaffeepause und geniessen ein feines Mandel-Croissant und eine Apfeltasche.

Es ist bereits nach 16 Uhr und wir möchten heute noch auf den Gipfel des Mont Venoux um dort zu übernachten. Die Strasse führt uns durch eine schöne, hügelige Landschaft, vorbei an abgeernteten Lavendelfeldern und hübschen Dörfern. In Sault zweigt die Strasse ab zum Mont Ventoux zuerst geht es mit mässiger Steigung durch schattigen Wald. Doch auf dem letzten Stück vor dem Gipfel wird es steil und die Strasse führt durch eine öde Steinlandschaft. Immer noch sind viele Radfahrer unterwegs und quälen sich die Strasse hoch, die wegen der Tour de France bekannt geworden ist.

Auf dem 1909 Meter hohen Gipfel geniessen wir die fantastische Aussicht und finden wenig unterhalb einen schönen Übernachtungsplatz, wo wir uns für die Nacht einrichten. Nach dem Nachtessen erleben wir noch einen purpurnen Sonnenuntergang bevor wir uns in unser Brummsli zurückziehen. In der Zwischenzeit ist es stockdunkel und bereits empfindlich kalt.


Wetter:                     sonnig und warm, um 25°

28. September 2019
Vom Mont Ventoux nach L’Isle-sur-la-Sorgue, 72.1 Km

Nach einer sehr kalten und stürmischen Nacht verlassen wir unseren Schlafplatz, fahren erst wieder zum Gipfel hoch und dann in vielen Serpentinen bis nach Bedoin. Auf dem Weg dahin kreuzen wir buchstäblich hunderte von Radfahrern, die den steilen Aufstieg zum Mont Ventoux wagen.

Unseren ersten Halt machen wir in Venasque, welches, wie viele Städtchen der Provence, auf einem Hügel gelegen ist. Neben vielen hübschen Gässchen gibt es eine Burgruine aus 11. Jahrhundert, eine Kirche mit einem Prozessionskreuz aus dem 14. Jahrhundert und einem Kreuzigungsgemälde von 1498 zu besichtigen. Das Baptisterium soll aus dem 6. Jahrhundert stammen und würde somit zu den ältesten Kirchenbauten Frankreichs zählen.

Bis zu unserem Tagesziel L’Isle-sur-la-Sorgue sind es nur noch wenige Kilometer. Auf dem Friedhofsparkplatz finden wir einen ruhigen Übernachtungsplatz, der nur wenige hundert Meter vom Stadtzentrum entfernt ist. Dieses liegt an der Sorgue, welche etwa 7 Kilometer flussaufwärts in Fontaine-de-Vaucluse entspringt. Die Altstadt ist von verschiedenen Kanälen umgeben mit denen malerische Schaufelräder angetrieben werden. Sehenswert ist auch die Stiftskirche Notre-Dame-des-Anges.

Das Nachtessen geniessen wir in einem der vielen Restaurants am Wasser.

Wetter:                Sonnig, wolkenlos und warm, um 25°

29. September 2019
Radtour von l’Isle-sur-la Sorgue nach Apt und wieder zurück
81 Km, 705 Höhenmeter Aufstieg

Wir haben mit unserem Schlafplatz beim Friedhof von L’Isle-sur-la-Sorgue eine ideale Wahl getroffen und entscheiden uns daher noch eine Nacht hier zu bleiben und dafür mir dem Velo einen Teil der geplanten Ortsbesichtigungen unserer Pendenzenliste abzuarbeiten. Wir haben unter anderen die Städtchen Oppède-le-Vieux, Ménerbes und Bonnieux auf dem Plan. Diese liegen alle auf der Regionalen Veloroute «Autour du Luberon à Vélo».

Wie wir es schon von unseren Radtouren an der Loire und der Euro-Velo 6 gewohnt sind, führen diese Routen über weinig befahrene Nebenstrassen oder separate Radwege und sind meist bestens ausgeschildert.

Die pittoresken Dörfchen liegen meist hoch über dem Tal an den Hängen des Luberon und verlangen uns einiges an Beinarbeit ab. Etwas frustrierend sind die vielen Radtouristen die mit ihren E-Bikes locker an uns vorbeiziehen. Dafür werden wir entschädigt durch den Besuch der Zielörtchen, wo es meist eine Kirche eine Burg oder ein Schloss und viele schmale Gässchen zu entdecken gibt.

Da es uns recht gut läuft entschliessen wir uns, entgegen dem ursprünglichen Plan bis nach Apt zu radeln. Von dort geht es entlang dem Flüsschen Le Calavon zurück bis nach L’Isle-sur-la-Sorgue, wo wir nach rund 7 Stunden ankommen. Unterwegs gönnen wir uns noch eine kühle Erfrischung und sind erstaunt über den stolzen Preis von 13 Euro für ein grosses Bier für Elsbeth und einen Liter Mineralwasser für mich.

Die anderen Wohnmobile, hauptsächlich Franzosen, haben den Friedhofsparkplatz verlassen, so dass wir den Abend ganz allein bei einer Portion Merguez, Baguette, Salat und einem Glas Wein ausklingen lassen.

Wetter:              Wolkenlos, sonnig und sehr heiss, bis 30°

30. September 2019
Von L’Isle-sur-la Sorgue nach Cadenet, 77.9 Km

Heute beginnt der Tag mit Nebel, der sich aber schon bald auflöst. Wir müssen heute dringend die Toilette entsorgen und machen uns daher auf den Weg nach Fontaine de Vaucluse, der nächsten Entsorgungsstation. Hier ist auch das Quellgebiet der Sorgue, welche am Fuss einer 230 Meter hohen Felswand liegt. In einem grossen Becken sammelt sich bis zu 22 Qubikmeter Wasser pro Sekunde. Der tiefste Punkt der Quelle liegt in 308 Metern Tiefe und ist der einzige Ausfluss eines riesigen Beckens von etwa 1'100 Quadratkilometern, in dem das Wasser des Mont Ventoux, der Monts de Vaucluse und der Montagne de Lure zu Tage tritt.

Heute ist das Becken nach dem langen trockenen Sommer fast leer und so tritt das Quellwasser der Sorgue erst einige hundert Meter weiter aus dem steinigen Bachbett. Hoch über dem Fluss stehen auf dem Felsen die Reste einer Burg aus dem 7. Jahrhundert.

Wir kennen den Ort schon von einem früheren Besuch und verzichten daher auf eine detaillierte Besichtigung der letzten erhalten Papiermühle oder der Glasbläserwerkstätten und machen uns auf den Weg nach Goult, einem weiteren kleinen Städtchen mit einem Schloss, einer alten Windmühle und hübschen Gässchen. Auf dem Weg dahin passieren wir das Städtchen Gordes das hoch über dem Tal thront, das wir aber auch schon von einem früheren Besuch kennen.

Als letztes wollen wir noch Roussillion besuchen. Der kleine Ort steht auf markanten roten Felsen und ist bekannt für den Ockerabbau, der hier schon von den Römern betrieben und bis 1930 fortgeführt wurde. Am Dorfrand befindet sich der «sentier des ocres», der durch die eindrücklichen Felsformationen führt, die in den verschiedensten Farbtönen von Weiss über Gelb bis Rot in der Sonne leuchten. Ein kleiner Spaziergang durch das hübsche, von vielen asiatischen Touristen besuchte, Dorf rundet unseren Besuch ab.

Auf dem Wohnmobilparkplatz findet bei unserer Rückkehr ein Petanque-Tournier statt, so dass wir einen Moment warten müssen bis wir wieder losfahren können.

Für heute haben wir genug Besichtigungen hinter uns und überqueren das Luberon-Gebirge und suchen uns einen ruhigen und einsamen Übernachtungsplatz direkt an der Durance.

Wetter:                       erst neblig, dann sonnig und wolkenlose, um 25°

1. Oktober 2019 – 3. Oktober 2019
Von Cadenet in die Camarque, 132.3 Km
Velotour nach Les Saintes Maries de la Mer
Camarque – Malaucène, 118.7 Km

Es ist schon dunkel, als nochmals ein Auto auf unseren Stellplatz fährt. Gegen 3 Uhr morgens machen unsere Nachbarn dann plötzlich einen ziemlichen Radau, so dass ich aufstehe um zu sehen was los ist.  Wir haben plötzlich Angst um unsere Campingstühle, die noch vor unserem Brummsli stehen. Doch die beiden Männer machen sich lediglich an ihrer eigenen Campingausrüstung zu schaffen, so dass ich mich wieder schlafen lege. Am nächsten Morgen sehen wir, dass es sich um ein Auto mit spanischen Nummernschildern handelt, von den Insassen fehlt aber jede Spur.

Nach dem Morgenessen fahren wir etwa 30 Km nach Lamanon. Hier möchten wir zu den Grotten von Calès, dem Schauplatz des neuesten Krimis «Verhängnisvolles Calès» von Cay Rademacher. Leider müssen wir feststellen, dass gemäss neu aufgestellten Schildern das Betreten eines grossen Teiles des bewaldeten Hügels hinter dem Städtchen Lamanon verboten ist. Es besteht anscheinen akute Steinschlaggefahr in und um die Sandsteinhöhlen, die schon in früheren Zeiten den Einwohnern von Lamanon als Versteck dienten. Wir begnügen uns daher mit einem kurzen Waldspaziergang zur Kapelle Saint Denis.

Danach fahren wir weiter in Richtung Camarque, entsorgen unterwegs nochmals und kaufen für die nächsten drei Tage ein. Bei Salin de Giraud überqueren wir mit der Fähre die Rhone und fahren auf Schotterpisten so weit wie möglich in das Naturschutzgebiet bis nahe zum Leuchtturm von Gacholle, wo wir uns auf einem Parkplatz für die Nacht einrichten. Unser Wunschziel am Strand Bauduc ist mit dem Wohnmobil leider nicht mehr erreichbar, da eine Zufahrt wegen Bauarbeiten gesperrt und die andere durch Abschrankungen nur für PW’s bis 2 Meter Breite passierbar ist. Bevor es dunkel wird machen wir noch einen Verdauungsspaziergang in der weiten Sumpflandschaft, denn an unserem Standort haben wir weder Handyempfang noch Internet. Das heisst, es gibt wieder einen Spieleabend.

Der Himmel hat sich jetzt mit dunkeln Gewitterwolken überzogen. Wir werden sehen, ob wir noch mit Regen rechnen müssen.

Wetter:                       leicht bewölkt, gegen Abend gewitterhaft, um 25°

Während der Nacht hat es tatsächlich heftig geregnet, der Tag startet dann aber wieder fast wolkenlos und warm. Wir machen daher die Velos bereit und fahren bei starkem Gegenwind der Küste entlang die etwa 14 Kilometer bis nach Les Saintes Maries de la Mer. Dort angekommen stellen wir fest, dass auch hier der Zugang für Wohnmobile stark eingeschränkt wurde. Während in früheren Jahren, zumindest in der Nebensaison, noch die Möglichkeit bestand ein Stück weit ins Naturschutzgebiet zu fahren und in Strandnähe zu übernachten, sind heute Barrieren mit Höhenbeschränkung installiert.

Obwohl wir das hübsche Küstenstädtchen schon mehrmals besucht habe, machen wir einen Spaziergang durch die Gassen mit den vielen Shops und Restaurants und besichtigen erstmals die markante Kirche im Zentrum. Dort werden in einem Schrein hoch über dem Altar die Reliquien der heiligen Maria Kleophae und Maria Salome aufbewahrt. Unter dem Altar wird in einem Raum eine Statue der heiligen, schwarzen Sara aufbewahrt, die als Schutzheilige der Gitans gilt und anlässlich der Wallfahrt am 24. und 25. Mai geehrt und in einer Prozession ins Meer getragen wird. Die Wallfahrt zu Ehren der beiden Marien findet jeweils Ende Oktober statt.

Wir machen uns auf den Weg zurück zu unserem Stellplatz und werden jetzt von heftigem Rückenwind unterstützt. Es ist früher Nachmittag und wir genehmigen uns ein Cüpli Crémant de Bourgogne im Windschatten von Brummsli, bevor ich mich ans Grillieren eines zünftigen Côte de Boeuf mache.

Der Wind wird immer stärker und es wird recht kühl sobald die Sonne hinter dem Horizont verschwindet. Während der Nacht legt der Sturm nochmals zu und wir werden kräftig durchgeschüttelt. Gegen 3 Uhr stehe ich nochmals auf und stelle unser Fahrzeug um, so dass wir mit der Rückseite zum Wind stehen.

Wetter:                       Sonnig und warm, über 20°, stürmischer Wind

 

Am nächsten Morgen sind wir ziemlich gerädert, denn wir haben beide nicht viel geschlafen. Der Wind hat immer noch nicht nachgelassen. Um in die Gänge zu kommen spazieren wir an den Strand und lassen uns vom aufgewirbelten Sand die Beine peelen. Danach entscheiden wir uns, das Rhonedelta zu verlassen um dem Mistral (starker, trockener Fallwind aus Nordwesten) zu entfliehen. Wir geben Sisteron als Ziel im Navi ein und werden über Arles und Avignion nach Malaucène geführt. Dort installieren wir uns auf dem gleichen Stellplatz wie schon vor ein paar Tagen und geniessen die gut gepflegte und saubere Anlage im beschaulichen Städtchen, ohne Wind, am Fusse des Mont Ventoux.

Wetter:           leicht bewölkt, über 20°

4. und 5. Oktober 2019
Von Malaucène über Sisteron nach Vars les Claux
87.1 Km nach Sisteron und nochmals 162.8 Km bis Vars les Claux

Wir starten den Tag mit frischen Croissants vom, nur wenige 100 Meter entfernten, Bäcker und decken uns gleich auch noch mit Mandel-Croissants für den Nachmittagskaffe ein. Bis die Sonne über dem Mont Ventoux aufsteigt ist es mit knapp 10° noch recht frisch aber wolkenlos und wir freuen uns auf einen weiteren sonnigen Tag.

Der erste Teil der Strecke nach Sisteron führt uns wieder entlang der Schlucht des Toulourenc, wo wir die Flusswanderung unternommen haben, zweigt dann aber bei Montbrun-les-Bains ab und führt über den Col de Macuène auf schmalen Strassen bis nach Sisteron, unserem Tagesziel.

Im Städtchen findet eine Art Gewerbeausstellung statt, so dass wir wegen zahlreicher Strassensperrungen den Stellplatz, oben bei der Zitadelle nicht finden. Wir begnügen uns deshalb mit dem offiziellen Wohnmobil-Abstellplatz am Rand der Altstadt, der an einer lärmigen Durchgangsstrasse liegt, mit 7 Euro für 24 Stunden aber auch recht günstig ist.

Wir unternehmen zuerst einen Spaziergang durch die Altstadt und die Gewerbeausstellung, bevor wir zur Zitadelle, die hoch über der Stadt den engen Durchgang von der Dauphiné in die Provence bewacht. Es führt ein markierter Rundgang durch die weitläufige Anlage und an verschiedenen Punkten können Audioinformationen zur Geschichte der Festung in verschiedenen Sprachen abgehört werden.

Am nächsten Morgen geht es weiter durch eine eindrückliche Gebirgslandschaft, entlang von ausgedehnten Apfelplantagen am Talgrund, zum Lac de Serre Ponçon und nach Barcelonnette. Das hübsche Städtchen kenne ich schon von unserer Radtour auf der Route des Grandes Alpes, welche ich vor etwa 8 Jahren mit meinem Vater gemacht habe. Wir fahren deshalb gleich weiter, denn wir wollen noch einen Abstecher auf die Cime de la Bonette machen. Es soll sich dabei um die mit 2802 m höchsten Passstrasse Europas handeln. Allerdings nur dank einer extra Schlaufe um den Gipfel. Der eigentliche Übergang, der dann in Richtung Nizza führt, liegt etwas tiefer. Auf jeden Fall bietet sich ein überwältigender Rundblick in die Bergwelt der französischen und italienischen Westalpen.

Auf demselben Weg geht es in unzähligen Kehren wieder zurück in Richtung Barcelonnette auf etwa 1000 Meter um dann nach wenigen Kilometern wieder zum Col de Vars anzusteigen.

Wir befinden uns jetzt auf der «Route des Grandes Alpes», welche von Thonon les Bains am Genfersee, über 15 Pässe mit insgesamt 20'000 Höhenmetern, bis nach Menton an der Côte d’Azur führt. Die herrliche, wenig befahrene, Strecke ist bei Bikern und Radfahrern sehr beliebt.

Kurz nach der Passhöhe liegt der «Retorten-Skiort» Vars les Claux auf etwa 1800 Metern, wo wir uns auf einem grossen Kiesparkplatz für die Nacht einrichten. Der ganze Ort ist wie ausgestorben, alle Geschäfte sind geschlossen und öffnen erst Ende Oktober wieder für die Wintersaison.

Nur auf unserem Parkplatz finden sich noch ein paar wenige Wohnmobile ein, da eine Entsorgungsstation vorhanden ist. Unser Fahrzeug stösst immer wieder auf reges Interesse. Heute spricht uns ein deutsches Ehepaar auf unser Brummsli an, da auch sie eine 4x4 Fahrzeug bei Woelcke bestellt haben und sehnlichst darauf warten ihren Campervan ersetzen zu können. Wir geben ihnen gerne Auskunft über unsere Erfahrungen und zeigen ihnen unser Gefährt innen und aussen.

Wetter:                    wolkenlos und sonnig, in der Höhe recht kühl

6. Oktober 2019
Von Vars les Claux nach Bessans, 185.1 Km

Wir haben eine kalte Nacht hinter uns, das Thermometer zeigt um 8 Uhr 4° Aussentemperatur. Wir füllen nach dem Frühstück noch das Frischwasser auf und machen uns weiter in Richtung Tal bis nach Guillestre auf etwa 1050 Metern. Dort zweigt sogleich die schale Strasse zum Col d’Izoard ab und führt zuerst durch eine enge Schlucht mit steilen Felswänden entlang dem Bergbach Guil, bis sich das Tal öffnet. Wir durchqueren das Bergdörfer Arvieux und Bruissard mit ihren schönen Holzhäusern bevor die Strasse in steilen Kehren zur Passhöhe auf 2360 m ansteigt. Dabei passieren wir die Casse Deserte, eine steile Geröllhalde in der hohe Felssäulen stehen geblieben sind. Für mich gehört der Col d’Isoard mit dieser eigentümlichen Landschaft zu den schönsten Passen die ich kenne.

Auf der Passhöhe erinnert ein Monument an den Ausbau der Strassen am Col de la Cayolle, am Col de Vars und am Col d’Izoard durch das Militär als strategisch wichtige Verbindungsrouten.

Die Passstrasse führt uns hinunter nach Briançon, das durch mächtige Festungsanlagen, die seinerzeit zum Schutz vor einer italienischen Invasion errichtet wurden, geprägt wird. Wir haben die Altstadt und das Fort schon zwei Mal besichtigt und fahren deshalb gleich weiter auf den Col du Lautaret, von wo sogleich die Strasse zum Col du Galibier abzweigt. Die Hänge ringsum sind rot von den herbstlichen Heidelbeerstauden und die umliegenden Gipfel, sie zum Teil von Gletschern bedeckt werden, sind weiss vom Neuschnee.

Nun geht es fast 2000 Meter hinunter, vom Col du Galibier mit 2642 Metern bis nach Saint Michel du Maurianne auf etwa 700 Metern. Obwohl es Sonntag ist, gibt es nur spärlichen Autoverkehr, dafür sind um so mehr Motorrad- und Velofahrer unterwegs.

Für uns sind es nur noch wenige Kilometer bis zum geplanten Tagesziel, kurz vor dem Col d’Iseran. Wir folgen dem Fluss l’Arc, durchqueren die Kleinstadt Modane, wo sowohl die Autobahn als auch die Eisenbahnlinie im Tunnel du Fréjus in Richtung Turin verschwinden. Wir fahren aber weiter das Tal hinauf und machen Halt bei den Festungen Marie-Thérèse und Victor Emmanuel, die wiederum vor den Italienern schützen sollten. Dann sind es nur noch wenige Kilometer bis wir bei Bessans einen schönen Übernachtungsplatz entdecken.

Wir hatten fast dem ganzen Tag schönes aber kühles Wetter, aber jetzt, gegen Abend hat sich der Himmel verdunkelt und es beginnt zu regnen. Wir werden sehen, wie die Strassenverhältnisse Morgen sind und ob wir den Col d’Iseran überqueren können. Denn auf 2700 Metern wird es sicherlich schneien.

Wetter :                       anfangs sonnig und kühl, gegen Abend Regen